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f+h fördern und heben 04/2020

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f+h fördern und heben 04/2020

WORAUF SIE BEI DER

WORAUF SIE BEI DER AUSWAHL EINES KOMMISSIONIERSYSTEMS ACHTEN SOLLTEN – TEIL II In Teil I unserer Serie (siehe f+h 3/2020) haben wir die verschiedenen Merkmale der alternativen Kommissionierprinzipien zusammengefasst. Im zweiten und abschließenden Teil stehen Faktoren wie Ergonomie und Bedienbarkeit im Fokus und wir werfen einen Blick in die Zukunft der Kommissionierung. Pick by Vision ? SONDERFALL RETROFIT Im Gegensatz zu einem Neubau, bei dem sich das Anlagenlayout den logistischen Anforderungen unterordnet, wirkt sich die Lagertopologie beim Umbau oder bei der Modernisierung bestehender Anlagen auf die Entscheidung für ein Kommissioniersystem aus. Das häufige Ein- und Auslagern von Artikeln beim Prinzip „Ware zum Mann“ erfordert leistungsfähige Regalbediengeräte und eine belastbare Fördertechnik. Außerdem sollte das Lager über möglichst viele Gassen verfügen. Diese Topologie erlaubt die gleichzeitige Entnahme mehrerer Behälter aus verschiedenen Bereichen des Lagers und damit eine schnelle Versorgung der Kommissionierstationen. Alternativ bietet sich die Integration eines Shuttle-Lagers mit mehreren Hebern an. Die statische Bereitstellung der Ware an festen Lagerplätzen beim Prinzip „Mann zur Ware“ lässt sich dagegen auch bei einer Fördertechnik mit geringerer Kapazität oder in einem manuellen Lager effizient nutzen. Nur der Nachschub muss über die Fördertechnik oder manuell angedient werden. Automatische Kommissionier systeme erfordern eine auf sie abgestimmte Fördertechnik – und sind die kostenintensivste Lösung. MENSCH UND TECHNIK Faktoren wie Ergonomie, Bedienbarkeit oder die Präferenzen der Mitarbeiter spielen ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung, wie kommissioniert werden soll. Denn auch eine technisch hervorragende Lösung ist nutzlos, wenn sie sich nicht ergonomisch und intuitiv bedienen lässt. So werden von manchen Mitarbeitern Systeme als unangenehm empfunden, die bestimmte Sinnesorgane stark beanspruchen und eine dauerhaft hohe Konzentration erfordern. So können z. B. der nach oben gerichtete Blick beim „Pick by Vision“ oder die häufigen Sprachbefehle beim „Pick by Voice“ stören und bei längerer Anwendung zu einem Leistungsabfall führen. Aus ergonomischer Perspektive sind Systeme ideal, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe einfügen und die Bewegungsfreiheit nicht einschränken. Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes lässt sich vor allem bei Systemen nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ erreichen: Hier kann die Tischhöhe individuell bestimmt und die zu pickenden Artikel können in angenehmer Greifposition platziert werden. Bei „Mann zur Ware“-Systeme lässt sich hingegen nicht verhindern, dass Regale über mehrere Ebenen angeordnet und teils lange Laufwege zu bewältigen sind. 24 f+h 2020/04 www.foerdern-und-heben.de

Quelle/Fotos: Unitechnik, Soennecken FUH_SO_K_Unitechnik_Kommissioniersysteme_Teil_01_2020_03_2594080.indd 42-43 02.03.2020 11:12:50 PRODUKTE UND SYSTEME Mann zur Ware ? Quelle/Fotos: Unitechnik, Soennecken, Fraunhofer IIS und Lehrstuhl fml der TU München, f+h Pick by Local Light ? DIE ZUKUNFT DER KOMMISSIONIERUNG Bereits heute bieten moderne Kommissioniersysteme eine hohe Flexibilität: Für unterschiedliche Anforderungen – z. B. Schnell- und Langsamdreher – können mehrere Methoden nebeneinander zum Einsatz kommen. Unternehmen und Forschungsinstitute arbeiten an der weiteren Verbesserung des Kommissioniervorgangs. Unterstützung durch Künstliche Intelligenz erhalten Picker künftig aus der Robotik. In Mensch-Roboter-Teams können Roboter dem Mitarbeiter wiederkehrende Tätigkeiten oder das Heben schwerer Lasten abnehmen. Angesichts des Fachkräftemangels und der steigenden Lebensarbeitszeiten steckt in der Mensch- Maschine-Kooperation ein großes Potenzial. Ein weiterer Ansatz ist „Pick by Local Light“, eine flexiblere Variante des „Pick by Light“. Dabei kommen anstatt der starren „Pick by Light“- Schienen drahtlose Sensornetze zum Einsatz, die miteinander im Dialog stehen. Je nach Bedarf lassen sich die Fachanzeigen an beliebigen Stellen installieren, auch an Ladungsträgern. Im Ergebnis steigt die Flexibilität in der Kommissionierung und der Installationsaufwand sinkt. „Pick by Local Light“ kann vor allem in Branchen mit einem häufig wechselnden Sortiment vorteilhaft sein. E-PAPER Sie möchten Teil I des Artikels lesen? Nichts einfacher als das. Geben Sie den u. s. Link ein und schon können Sie in unserem E-Paper den Beitrag studieren. Viel Spaß bei der Lektüre! Rubrik links: f+h Basics Rubrik rechts: Produkte und Systeme WORAUF SIE BEI DER AUSWAHL EINES KOMMISSIONIERSYSTEMS ACHTEN SOLLTEN – TEIL I Wie hoch die Produktivität eines Logistikzentrums ist, hängt größtenteils von der Effizienz des Kommissioniervorgangs ab. Daher will die Auswahl einer geeigneten Picklösung wohl überlegt sein. Wir haben für Sie wichtige Parameter zusammengefasst, die bei der Entscheidungsfindung hilfereiche Dienste leisten. WARE ZUM MANN Um nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ zu arbeiten, müssen die Artikel in einem automatischen Lagersystem organisiert sein. Ist diese Anforderung erfüllt, spielt die Lösung bei einem großen und häufig wechselnden Artikelspektrum ihre Vorteile aus. Damit ist sie z. B. für den E-Commerce relevant. Der Logistiker muss sich nicht um die Einteilung der Kommissionierregale kümmern, denn die Artikel gelangen bedarfsgerecht aus dem Nachschublager in die Kommissionierzone. Vor allem für B- und C-Artikel eignet sich die Lösung, da abgesehen vom Nachschublager kein zusätzlicher Lagerplatz erforderlich ist. Da für den Kommissionierer keine Wege anfallen, sind hohe Kommissionierleistungen möglich. Mit der gleichzeitigen Zusammenstellung mehrerer Aufträge lässt sich der Output erhöhen. Die technische Umsetzung des Kommissionierprinzips geschieht z. B. mit Bildschirmen an den Arbeitsplätzen, die Artikelinformationen und die zu entnehmende Stückzahl anzeigen. Über ein „Put to Light“-System erfährt der Kommissionierer, in welchen Auftragsbehälter die Ware abzulegen ist. Ware zum Mann ? MANN ZUR WARE Beim Picken nach dem Prinzip „Mann zur Ware“ sind alle Artikel im direkten Zugriff. Daher eignet sich diese Methode vor allem für das Kommissionieren von A-Artikeln sowie grundsätzlich bei kleinen Artikelspektren mit einem hohen Durchsatz. Da die Größen der Lagerfächer variabel sind, ist auch die Abfertigung sperriger Güter möglich. Die Leistung des Systems lässt sich mit mehr Personal erhöhen. Allerdings muss für jeden Artikel vorab ein fester Lagerplatz definiert werden, der mittelfristig beibehalten wird. Im Vergleich zum Prinzip „Ware zum Mann“ führen die längeren Wegzeiten des Kommissionierers zu einer geringeren Pickleistung. Für ein zeitund wegeoptimiertes Arbeiten sollten Rennerartikel in zentraler Position und idealer Griffhöhe angeordnet sein. Eine weitere Möglichkeit Zeit zu sparen, bietet das Multi-Order-Picking, bei dem im Laufe einer Tour mehrere Aufträge kommissioniert werden. Zur Realisierung kommen die Systeme „Pick by Light“, „Pick by Voice“, „Pick by Vision“ und „Pick by Handheld“ zur Anwendung. 42 f+h 2020/03 www.foerdern-und-heben.de www.foerdern-und-heben.de f+h 2020/03 43 bit.ly/kommissionieren_teil_01 Mann zur Ware ? AUTOMATISCHE KOMMISSIONIERUNG Automatische Kommissioniersysteme eignen sich primär für Anwendungen, bei denen gleichförmige Ware mit ähnlichem Gewicht in großen Stückzahlen kommissioniert wird. Mithilfe der Anlagen lassen sich hohe Leistungen bei einer geringen Fehlerquote realisieren. Nachteilig sind die hohen Investitionskosten und die eingeschränkte Flexibilität der Lösungen, etwa beim Umstellen des Artikelspektrums. Die Umsetzung der automatischen Kommissionierung findet z. B. mithilfe von Knickarm- oder Portalrobotern statt. Ein weiterer Einsatzbereich für automatische Systeme ist die zweistufige Kommissionierung: Dabei wird zunächst die für eine Anzahl von Aufträgen erforderliche Menge der Artikel auf ein Förderband gegeben. Im zweiten Schritt ordnen automatische Sorter die Artikel den einzelnen Aufträgen zu. Mit dieser Methode lassen sich große Mengen an kleinteiligen Aufträgen effizient bearbeiten. Auch bei einer großen Artikelvielfalt und häufig wechselndem Sortiment ist die zweistufige, teilautomatisierte Kommissionierung zielführend. Automatische Kommissionierung ? PRODUKTE UND SYSTEME Teil II unserer Serie erscheint in f+h 2020/04 www.foerdern-und-heben.de f+h 2020/04 25

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