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f+h fördern und heben 1-2/2015

f+h fördern und heben 1-2/2015

AKTUELLES Ein Hersteller

AKTUELLES Ein Hersteller in zwei Welten Produktionsstandorte von Jungheinrich in Deutschland und China – ein unfairer Vergleich? Der Flurförderzeughersteller Jungheinrich unterhält mehrere Produktionsstätten. Die Redaktion f+h besuchte die Sparte Energy and Drive Systems in Norderstedt sowie das neu errichtete Werk in Schanghai, und entdeckte dabei mehr Parallelen als zunächst vermutet. I n Norderstedt, nördlich von Hamburg, ist auf einer Fläche von 7 000 m² die Jungheinrich-Sparte Energy and Drive Systems angesiedelt. Mit direkter Anbindung zum Jungheinrich-Werk für Elektro-Niederhubsowie Hochhubwagen und Schubmaststapler entwickeln und fertigen rd. 200 Mitarbeiter sowohl Hard- als auch Softwarelösungen wie Antriebssysteme, Steuerungen und Ladetechnik (Bild 01). Die Produkte liefert das Unternehmen nicht nur an das angrenzende Stapler-Werk, sondern auch an die übrigen konzerneigenen Produktionsstätten – sogar bis nach Schanghai. Darüber hinaus bedient Energy and Drive Systems mit seinen Produkten und Dienstleistungen auch externe Kunden. So verlassen nach Firmenangaben 23 000 Ladegeräte und 135 000 Steuerungen pro Jahr die hauseigene Produktion. In der hochmodernen automatisierten Elektronikfertigung werden jährlich rd. 300 000 Leiterplatten bestückt. Hier durchlaufen die von Zulieferern vorproduzierten Leerplatinen einen meterlangen Bestü- ckungsautomaten, der in mehreren Sektionen oberflächenmontierte Elektronikbauteile unterschiedlicher Größe auf der Oberfläche fixiert. Aufgrund der geringen Abmessungen der Bauteile und Leiterbahnen – die kleinsten Bauteile messen deutlich unter 1 mm – ist dabei höchste Präzision gefordert. Nach der Verlötung der SMD-Bauteile (Surface Mounted Device) in einem Durchlauf-Ofen geschieht eine automatische Sichtprüfung unter Einsatz von hochauflösenden Kameras, die fehlerhafte Lötmenisken aufspüren soll. Bei einer Fehlermeldung wird die betroffene Platine ausgeschleust und einer manuellen Nachbearbeitung unterzogen. Ein weiterer Bestückungsautomat ist für größere Bauelemente wie Steckverbinder konzipiert. Zur Verlötung werden die Kontakte an der Platinen-Unterseite an einen sprudelnden Lotbrunnen herangeführt, sodass sich die Lötstellen und der Steckerkontakt mithilfe des Lots verbinden. Am Ende des Bestückungsprozesses werden die fertigen Platinen in speziellen Prüfvorrichtungen einer umfassenden Funktionskontrolle unterzogen. Pro Monat verarbeitet das Unternehmen auf diese Weise zwischen zehn und zwölf Millionen einzelne Bauteile, deren Nachschub nach dem Kanban- Prinzip sichergestellt wird. Im nächsten Schritt werden die fertigen und geprüften Platinen an modernen Arbeitsplätzen in entsprechende Gehäuse verbaut und – sofern nötig – verkabelt. Elektronik-Know-how umgesetzt Neben Steuerelektronik fertigt Energy Drive Systems auch Ladegeräte und Lithium- Ionen-Batteriepacks. Die Ingenieure profitieren vom bestehenden Know-how bei Blei-Säure-Batterien. Sie definierten genaue Ladefunktionen und -kennlinien und haben zudem Algorithmen zur Bestimmung des Entladegrads einer Batterie entwickelt. Dieses Fachwissen fließt in die Steuerungen der Ladegeräte mit ein. 10 f+h 1-2/2015

AKTUELLES Auf Basis der gesammelten Erfahrungen sind die Ingenieure zudem in der Lage, die am Markt erhältlichen Lithium-Ionen- Zellen besser klassifizieren zu können. Denn hier gibt es laut Kai von Berg, Leiter Produktmanagement und Verkauf bei Energy and Drive Systems, deutliche Unterschiede in Bezug auf die Kapazitätsverluste im Laufe der Einsatzdauer. Während der eine Zellentyp nach 1 000 Zyklen noch 100 Prozent seiner Startkapazität aufweist, ist die eines anderen Typs bereits unter 90 Prozent gefallen. Unter Einhaltung vorgeschriebener Sicherheitsmaßnahmen bezüglich der Lagerung und Handhabung von Lithium- Ionen-Zellen, montieren geschulte Mitarbeiter die Lithium-Ionen-Packs. Die Packs bestehen aus mehreren gestapelten Zellen sowie der dazugehörigen Steuerelektronik und Verkabelung, die zusammen in ein kofferähnliches Kunststoffgehäuse eingebaut werden. Mithilfe des in der Elektronik integrierten Batterie-Management-Systems wird die Einhaltung des vordefinierten Betriebsfensters in Abhängigkeit der Zellentemperatur und -spannung während des Betriebs sichergestellt. Je nach Kundenwunsch findet die Auslieferung der Geräte und Baugruppen just in time oder just in sequence statt. Die komplette Fertigung ist nach modernen Fertigungsmethoden aufgebaut, um den Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen. So ist das Unternehmen notfalls in der Lage, etwa Steuerungen innerhalb weniger Stunden nach Anforderung zu liefern. Acht Zeitzonen entfernt Genau 8494,66 km Luftlinie bzw. acht Zeitzonen von Energy Drive Systems entfernt liegt die jüngste Produktionsstätte von Jungheinrich. In Schanghai, respektive im Industriegebiet des Stadtteils Qingpu, werden deichselgeführte Flurförderzeuge sowie Elektro-Gegengewichts- und Schubmaststapler nach europäischen Qualitätsstandards für die gesamte Region „Asien- Pazifik“ entwickelt und hergestellt (Video siehe Linkkasten auf S. 12). Seit dem Jahr 2004 ist Jungheinrich in China mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft aktiv. Neben dem Hauptsitz in Schanghai ist die Konzerntochter in zehn weiteren chinesischen Metropolen – etwa in Beijing, Guangzhou, Shenyang, Chengdu und Wuhan – mit eigenen Niederlassungen vertreten. Derzeit arbeiten für den Jungheinrich-Vertrieb in China rd. 350 Mitarbeiter. Zum Start vor zehn Jahren waren es weniger als 20 Personen. 01 Die Sparte Energy and Drive Systems produziert Elektronikkomponenten mit hohen Fertigungsstandards Auf Energieeffizienz ausgelegt Das neue Werk auf einem 60 000 m² großen Gelände im Industriegebiet von Qingpu wurde innerhalb nur eines Jahres fertiggestellt. Weil in China die Acht eine Glückszahl ist, fand die offizielle Einweihung passenderweise am 8. August 2013 statt. Die nach ökologischen Gesichtspunkten errichtete Produktionsstätte wurde als eines der energieeffizientesten Gebäude in Schang- CeMAT Events Worldwide Leading Trade Fair Network for Materials Handling, Intralogistics and Logistics Contact: Tel. +49 511 89-34133, cemat@messe.de, cemat.com

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