Aufrufe
vor 1 Jahr

f+h fördern und heben 1-2/2015

f+h fördern und heben 1-2/2015

E-BUSINESS I TITEL

E-BUSINESS I TITEL Erfolgreicher E-Commerce nur mit passender Intralogistik Integrierte Logistiklösung für komplettes Fulfillment Erfolgreiche Online-Händler, wie Amazon oder Zalando, machen keinen Hehl daraus, dass effizientes Fulfillment – neben anderen Faktoren – die Basis für ihren Erfolg bilden. Effizientes Fulfillment ist ohne entsprechende Intralogistik im Distributionszentrum nicht denkbar. Ob E-Commerce-Pure- Player oder der stationäre Handel, der ein Mehrkanal-Geschäfts modell betreibt: Die Logistik und die IT müssen alle Prozesse des jeweiligen Geschäftsmodells und der jeweiligen Vertriebskanäle optimal abbilden, um für die Kunden ein durchgängiges, transparentes Einkaufserlebnis zu schaffen. Der Internet-Handel boomt und verzeichnet größte Wachstumsraten. Der Markt entwickelt sich dynamisch und immer mehr „klassische“ Handelsunternehmen weiten ihre Aktivitäten im Internet aus. Aber es gibt auch umgekehrte Strategien. Reine E-Commerce-Player eröffnen Outlet- Shops, um näher am Kunden zu sein. Auf diese Weise kommen die Anbieter dem Wunsch der Verbraucher nach einem Shopping-Erlebnis nach. Gewinnen werden die Unternehmen, denen es gelingt, die Kunden über alle Vertriebskanäle anzusprechen, die unterschiedlichen Kanäle optimal zu vernetzen und zu integrieren sowie eine effiziente Logistik auf die Beine zu stellen, die alle abzubildenden Prozesse unterstützt. Untersuchungen haben ergeben, dass Kunden, die über mehrere Kanäle angesprochen werden und diese nutzen, häufiger kaufen (z. B. als Kunden, die nur stationär einkaufen) und auch deutlich mehr Umsatz generieren. Dabei ist entscheidend, dass das Einkaufserlebnis durchgängig über alle Kanäle wahrgenommen wird. Andere Länder und Branchen, andere Zahlen Je nach Branche und geografischer Region ist der Reifegrad des E-Commerce und Omni-Channel-Handels unterschiedlich weit fortgeschritten. In Europa sind die führenden fünf E-Commerce-Nationen (Stand: 2013): Großbritannien mit 68 Mrd. Euro, Deutschland (39,1 Mrd. Euro), Frankreich (26 Mrd. Euro), Russland (9,1 Mrd. Euro), Spanien (8,8 Mrd. Euro) und Italien (7,8 Mrd. Euro). Berücksichtigt ist hierbei ausschließlich der Umsatz mit physikalischen Waren. Online-Handel für Dienstleistungen, Tickets, Musikdownload, Streaming, Reisen, E-Books etc. ist in diesen Zahlen nicht enthalten. Der Branchenmix in den einzelnen Ländern ist stark divergierend. Einzige wichtige Konstante ist der relativ hohe Umsatzanteil von Bekleidung und Schuhen am gesamten Online-Handelsvolumen. Er liegt je nach Land zwischen 16 Prozent (Russland) und 38 Prozent (Spanien). Frankreich und Spanien weisen jeweils den höchsten Anteil im Bereich Lebensmittel auf (zwölf Prozent Frankreich und 16 26 f+h 1-2/2015

TITEL I E-BUSINESS Prozent Spanien). Ansonsten ist über die Warengruppen kein einheitlicher Trend länderübergreifend erkennbar. Laut einer Prognose des Instituts für Handelsforschung (IFH) wird jeder 5. (rein-) stationäre Einzelhändler das Jahr 2020 nicht mehr erleben. Weiter heißt es in der Prognose, dass der Online-Handel in sechs Jahren ein Viertel der Gesamtumsätze im Non-Food-Bereich erwirtschaften wird. Das heißt, wer in Zukunft im Handel erfolgreich sein möchte, sollte schnellstmöglich daran arbeiten, seine Vertriebskanäle zu optimieren und seine Logistikkonzepte darauf abzustimmen. Was macht Omni-Channel- Handel erfolgreich? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst geklärt werden, welche Funktionalitäten der Verbraucher von einem Omni-Channel-Händler erwartet bzw. effektiv nutzt. Folgende Omni-Channel-„Funktionalitäten“ werden von den Kunden am häufigsten nachgefragt bzw. genutzt: n Online-Warenverfügbarkeitsanzeige, n InStore-Bestellungen, n Store-Retouren, n „Click & Reserve“ sowie n „Click & Collect“ und n Filial-Finder. Weitere Ansätze sind Kombinationen aus Showroom, je nach Produkt eventuell mit Erlebnis- und Schulungseinrichtungen, der Lieferung nach Hause und ggf. der Installation und Inbetriebnahme zuhause. Dies ist bei technischen Geräten wie z. B. Home Entertainment, Weißer Ware oder auch Möbeln bereits ein etabliertes Geschäftsmodell. Logistik-Herausforderungen für Omni-Channel-Händler Der Übergang vom Single- oder Multi- Channel zum Omni-Channel-Händler führt zu einer Vielzahl von Herausforderungen: So z. B in der IT, beim Personal und auch in der Logistik ist vieles anders zu gestalten, denn jeder Kanal hat unterschiedliche Kommissionier-, Verpackungs- und Versand-Anforderungen. die Filialen geliefert. Die Lieferung kann wöchentlich, mehrfach pro Woche oder auch täglich geschehen. Großhandels-Lieferung Volle Paletten, eventuell mit speziellem Branding. Die Lieferung findet zum Lager des Wiederverkäufers oder direkt in die Filiale des Wiederverkäufers statt. Die Lieferung kann wöchentlich oder auch monatlich geschehen. E-Commerce Bestellungen Sehr viele Sendungen mit jeweils wenigen Auftragszeilen (typischerweise je nach Branche eine bis zwei pro Bestellung), die direkt als Paket an die Kunden gesendet werden. Die Sendungen werden mehrfach täglich aus dem Lager an entsprechende Paketdienstleister übergeben, der entsprechend des vereinbarten Servicelevels eine 24- oder 48-Stunden-Lieferung an den Kunden sicherstellt. Darüber hinaus muss ein Prozess für retournierte Ware vorgesehen werden. Die Retouren spielen z. B. in der Fashion-Branche eine sehr große Rolle, wogegen sie in anderen Bereichen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Versuch, Online-Sendungen aus einem bestehenden Distributionszentrum zu verschicken, das ursprünglich für die Belieferung von Filialen konzipiert wurde, wird ohne eine gravierende Anpassung nicht funktionieren. Auch der Versand von online bestellter Ware aus Filialen ist bei größerem Sendungsaufkommen auf Dauer nicht praktikabel und nicht wirtschaftlich, da die Ware viel zu häufig angefasst werden muss und die „eigenen“ Kommissionierer das Einkaufserlebnis der Kunden in der Filiale beeinträchtigen. Ohne funktionierende Logistik kein Erfolg Stationäre Händler, die über eine funktionierende Filialdistribution verfügen, involvieren häufig für den Einstieg in die Multi- Channel-Welt Dienstleister, über die dann das Online-Geschäft abgewickelt wird. Die Belieferung des Dienstleisters geschieht hierbei genauso wie die einer Filiale. Auf diese Weise ist der Einstieg ohne großes Risiko und innerhalb kurzer Zeit möglich. Diese Trennung der Prozesse für Onlineund Stationär-Geschäft führt häufig auch zu paralleler doppelter Bestandsführung und Erhöhung der Overhead-Kosten. Optimal ist es, eine nahtlose Channel- Integration durchzuführen, die sich nicht nur auf das reine Geschäftsmodell bezieht, sondern auch das komplette Fulfillment berücksichtigt. Hierzu ist es erforderlich, die Logistik für alle Vertriebskanäle zu integrieren und von gemeinsamen Standorten zu betreiben, die einer einheitlichen Bestandsführung unterliegen. Case-Study am Beispiel Tesco Tesco ist die größte Einzelhandelskette in Großbritannien und beschäftigt über 500 000 Mitarbeiter, die in zwölf Ländern der Welt den Bedarf von mehreren Millionen Kunden befriedigt. Wöchentlich erfolgen über 75 Millionen Einkäufe in den Tesco-Filialen. Darüber hinaus hat sich Tesco sehr bald zu einem Multi-Channel-Händler entwickelt, der seine Kunden zunehmend über seine Online-Shops erreicht und beliefert. Der zunehmende Erfolg im Online-Handel machte es für Tesco erforderlich, neue Wege zu gehen und die Abwicklung der Filiallieferung Konsolidierte, „filialfreundliche“ Lieferung bestehend aus Umkartons. Üblicherweise wird auf Mischpaletten, Düsseldorfer Paletten, Rollwagen oder mit Großbehältern in 01 Manuelles Picking-System

AUSGABE