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f+h fördern und heben 1-2/2017

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AUS DER FORSCHUNG

AUS DER FORSCHUNG Schritt für Schritt zur „vierten Revolution“ Planungsmethodik zur Implementierung von Industrie- 4.0-Technologien in der Logistik Die DZ-Bank beziffert die Produktivitätssteigerung der deutschen Wirtschaft bis 2025 auf fast zwölf Prozent durch den Einsatz von Industrie-4.0-Technologien. Trotz dieser vielversprechenden Prognosen sind Unternehmen zögerlich den Weg in Richtung Industrie 4.0 einzuschlagen. Das liegt an der Komplexität von Industrie 4.0, den hohen Investitionskosten und daran, dass es bisher wenige Anwendungsbeispiele dafür gibt. Neben der Produktion ist die Logistik eines der Hauptanwendungsfelder von Industrie 4.0. In der Literatur wird die Logistik häufig als Querschnittsfunktion im Unternehmen bezeichnet, wodurch die große Bedeutung der Logistik für alle Unternehmensbereiche zum Ausdruck kommt. So ist es nicht verwunderlich, dass einige der zentralen Ziele der vierten industriellen Revolution ohne eine angepasste Logistik nicht erreicht werden können. Vor allem die Hauptmerkmale der Industrie 4.0 wie die Vernetzung, Dezentralisierung, Echtzeitfähigkeit oder Serviceorientierung werden durch die Logistik 4.0 ermöglicht. So schafft die Logistik als Enabler für Industrie 4.0 die notwendigen Grundlagen, um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Methodische Vorgehensweise Logistik-4.0-Technologien bieten die Möglichkeit Prozesse effizienter und flexibler zu gestalten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern. Die hohe Komplexität der Logistik erfordert eine strukturierte Vorgehensweise für die Planung von innovativen Technologien. Dafür hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund, im Rahmen einer Abschlussarbeit eine Planungsmethodik entwickelt. Die Planungsmethodik hat das Ziel ein strukturiertes Vorgehen für die Einführung von Logistik-4.0-Technologien zu entwickeln Moritz Wernecke ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund Kim Nicolai Böttger ist Projektleiter bei der Coglas GmbH, Wunstorf und dient dazu in der Logistik, vor allem der Intralogistik, erste Schritte in Richtung der vierten industriellen Revolution zu gehen. Als Ergebnis der strukturierten Vorgehensweise sollen konkrete Logistik-4.0-Anwendungsbeispiele in ganzheitliche Logistikkonzepte überführt und in das bestehende Logistiksystem implementiert werden. Die Planungsmethodik setzt sich zusammen aus einer siebenstufigen Vorgehensweise (Bild 01) und aus Methodenbaukästen, die für jede Phase individuell zusammengestellt wurden. Anhand der Methodenbaukästen (Tabelle) ist es dem Planer möglich, die jeweiligen Projektphasen strukturiert aufzubauen und nach den jeweiligen Anforderungen der Kunden zu gestalten. Die richtigen Fragen stellen Zunächst ist es das Ziel, ein einheitliches Verständnis und Wissen über Logistik 4.0 zu schaffen, sodass eine gemeinsame Ausgangsbasis für alle Beteiligten gelegt wird. Dabei steht die Beantwortung von allgemeinen und individuellen Fragestellungen im Vordergrund. Wie ist der Begriff Logistik 4.0 definiert und was ist darunter zu verstehen? Wo ergibt sich der Nutzen für das Unternehmen durch die Implementierung von Anwendungen im Kontext Logistik 4.0? Die zweite Phase ist die Zieldefinition und schließt die Festlegung der Systemgrenzen sowie die Definition der Hauptund Nebenziele des Unternehmens ein. Das Hauptziel ist die Implementierung einer Logistik-4.0-Technologie. Nebenziele können z. B. die Steigerung der Produktivität oder die Erhöhung der Flexibilität sein. Außerdem müssen Kriterien und deren Gewichtung erarbeitet werden, anhand derer die späteren Technologien in der vierten Phase bewertet und ausgewählt werden. Mit Abschluss der Zieldefinition liegt der Fokus auf den bestehenden Material- und Informationsflüssen des Unternehmens, sodass sich aufbauend auf den Ist-Prozessen Potenziale identifizieren und Handlungsfelder im Unternehmen ableiten lassen. Dazu werden die Prozesse aufgenommen und analysiert. Die Aufnahme schließt die detaillierte Betrachtung aller Teilprozesse des Unternehmens und das Erfassen des zugehörigen Informationsflusses ein. Der Schwerpunkt der dritten Projektphase liegt auf der Beantwortung der Fragen, wo das Unternehmen Schwachstellen aufweist. Diese Schwachstellen werden zu übergeordneten Handlungsfeldern subsummiert, die durch die nachfolgende Auswahl von Logistik-4.0-Technologien behandelt werden sollen. Von der Longlist zur Feinauswahl Die Auswahl der Logistik 4.0-Technologien beschreibt die vierte Projektphase. Die 16 f+h 1-2/2017

AUS DER FORSCHUNG Vorgehensweise ist in Bild 02 beispielhaft skizziert. Es werden Logistik-4.0-Technologien auf Basis der Handlungsfelder aus dem vorgelagerten Schritt sowie anhand der Kriterien aus dem zweiten Schritt ermittelt. Das Fraunhofer IML pflegt dazu eine Sammlung von Logistik-4.0-Technolgien und Konzepten in Form einer Longlist. In dieser Longlist werden unabhängig von den identifizierten Handlungsfeldern Logistik-4.0-Technologien gesammelt. Unter Anwendung der Bewertungskriterien aus Schritt zwei werden die Logistik-4.0-Technologien bewertet und eine engere Auswahl durchgeführt. Die Aus- Methodenbaukasten für Projektphase 3 Methoden Aufwand Blickwinkel Handhabbarkeit Objektivität Validität Prozess aufnahmen Gering Eng Einfach Gering Hoch Dokumentenanalyse Mittel Eng Einfach Hoch Hoch Rechner gestützte Mittel Weit Mittel Mittel Mittel Datenaus wertungen Interview methoden Mittel Weit Einfach Gering Hoch Fragebogen methoden Gering Eng Mittel Gering Hoch Wertstrom analysen Mittel Weit Schwierig Hoch Mittel Sankey- Diagramme Mittel Eng Einfach Hoch Gering Benchmarking Hoch Weit Schwierig Mittel Mittel Quelle: Autoren Machen Sie komplexe Dinge einfach. Transport. Lager. Telematik. INFORMATIONSLOGISTIK www.wanko.de info@wanko.de 0049(0)8654 4830 Wanko.indd 1 12.10.2016 13:17:10 f+h 1-2/2017 17

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