Aufrufe
vor 1 Jahr

f+h fördern und heben 1-2/2017

f+h fördern und heben 1-2/2017

KOMMISSIONIERTECHNIK

KOMMISSIONIERTECHNIK Kommissionierverfahren im Eignungstest Ein Überblick zum aktuellen Stand der Technik In Zeiten des boomenden E-Commerce-Geschäfts und kleiner werdenden Sendungsgrößen gerät auch die Kommissionierung zunehmend unter Druck. Hier sind flexible Strategien gefragt, um die Flut an eingehenden Bestellungen und Retouren zu bewältigen. Lesen Sie hier eine Einschätzung von Dirk Becker, Regional Sales Director bei Honeywell Workflow Solutions. Das Kommissionieren gehört nicht nur zu den kosten- und arbeitsintensivsten Prozessen im Lager, sondern ist auch am anfälligsten für Fehler. Während in vielen Logistikbereichen die Optimierungspotenziale bereits erschlossen sind, gibt es bei der Kommissionierung, der Verpackung und dem Versand häufig noch Bedarf. Die Forderungen an eine Kommissionierlösung erscheinen einfach: Möglichst schnell und fehlerfrei. Die Akzeptanz der jeweiligen Technik hängt dabei vom Nutzen ab. Nur wenn sich Arbeitsbedingungen verbessern und Prozesse durch den Einsatz optimieren lassen, sind Unternehmen bereit, die mitunter hohen Anfangsinvestitionen in Kauf zu nehmen. „Pick by Voice“ Zu den bewährten Kommissioniermethoden in der Logistik gehört „Pick by Voice“, das in zahlreichen Distributionszentren wegen seiner Bewegungsfreiheit und flexiblen Anpassbarkeit seit Jahren implementiert ist. Hier geschieht die Kommissionierung allein über die Stimme des Kommissionierers, sodass der Arbeiter stets beide Hände freibehält. Der Lagermitarbeiter erhält die Aufträge aus dem Lagerverwaltungssystem per WLAN auf einen Mobilcomputer, der die Textbefehle in Sprachanweisungen umwandelt. Von einer Computerstimme über ein Headset geführt, bestätigt der Mitarbeiter jeden einzelnen Schritt des Kommissionierprozesses ebenfalls durch Spracheingaben und kann dabei sowohl das Geschlecht als auch die Geschwindigkeit der Computerstimme individuell anpassen. Die Aufträge werden vom Lagerverwaltungssystem über Funk auf das Headset des Kommissioniers gesendet und die Ausführung direkt zurückgemeldet. Solche sprecherabhängigen Systeme werden auf ein bestimmtes Sprachprofil hin trainiert und passen sich der Stimme und den sprachlichen Eigenheiten ihrer Nutzer wie Aussprache, Akzent und Dialekt an, aber auch den komplett unterschiedlichen Sprachen des mobilen Arbeitsmarkts. Der Anwender muss vor der ersten Benutzung ein einmaliges Sprachtraining durchführen. Permanente Hintergrundgeräusche von Gabelstaplern, Kühlaggregaten und Förderbändern stören den Spracheinsatz im Lager und werden durch das Sprachtraining herausgefiltert. Einmal eingespielt, bildet die Software die individuelle Sprechweise seiner Nutzer ab und ist in der Lage, auch Sprachanomalien, z. B. durch Müdigkeit am Ende eines Arbeitstages, fehlerfrei zu erkennen. Sprecherunabhängige Voice-Systeme hingegen kommen durch diese komplexe Geräuschkulisse und Diversität im Lager schnell an ihre Grenzen. Sprachtechnologien eignen sich dabei nicht nur für die Kommissionierung, sondern auch für die Inventur, Entladung, Einlagerung oder die Wartung von Produkten als Value Added Service. Das einfache Handling und die Implementierung in das bestehende DV- System tragen zu einer hohen Akzeptanz 22 f+h 1-2/2017

KOMMISSIONIERTECHNIK unter den Mitarbeitern bei. Anfänger können ohne großen Trainings- und Schulungsaufwand mit ihrer Arbeit beginnen. „Pick by Scan“ Zu einer festen Größe in der Kommissionierung gehört auch das „Pick by Scan“-Verfahren, bei dem mobile Handheld-Computer mit integriertem 1D- oder 2D-Barcodescanner zum Einsatz kommen. Der Kommissionierer erhält den jeweiligen Auftrag auf das Gerät, das ihn dann durch den Kommissionierprozess führt. Der Mobilcomputer zeigt die Daten des eingescannten Barcodes an, die der Mitarbeiter im nächsten Schritt bestätigen muss. So lassen sich Fehler vermeiden. Die Angaben zum entnommenen Artikel oder auch Fehl- und Nullmengen werden an das Lagerverwaltungssystem übermittelt, sodass der aktuelle Status des Kommissioniervorgangs jederzeit einsehbar ist. Eine Installation des Datenterminals am Gabelstapler mit Verknüpfung zum Staplerleitsystem ist ebenso möglich. Die Kommissionierung via Scanner ist in der Logistik- und Transportbranche am verbeitesten und wird i. d. R. in Kombination mit lichtgeführten oder sprachbasierten Logistiksystemen bei großen oder schweren Artikeln genutzt (Bild). Die Identifikation von Gütern mithilfe eines Barcodes bietet sich für viele Betreiber von Distributionszentren deswegen an, da sie einfach und kostengünstig zu erstellen sind, oftmals bereits auf der Verpackung angebracht und sicher gegenüber Fehllesungen sind. „Pick by Light“ Bei Distributionszentren mit kurzen Laufwegen und der Kommissionierung von Schnelldrehern mit hoher Pickleistung ist „Pick by Light“ ein geeignetes Verfahren. Da es hierbei auf Geschwindigkeit ankommt, wird diese Variante in Kombination mit automatisierten Lagersystemen eingesetzt, z. B. zur Kommissionierung von Klein- und Bauteilen in der Automobil- und Fertigungsindustrie. Der Kommissionierer wird hierbei über eine Signallampe mit Display und mindestens einer Quittiertaste an jedem Lagerfach zum gewünschten Artikel geleitet. Das Display zeigt die zu kommissionierende Menge an, die der Mitarbeiter mit der Quittiertaste bestätigt. Aufgrund der lichtgeführten Navigation weiß der Mitarbeiter genau, aus welchem Fach welche Ware zu entnehmen ist und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers sinkt. „Pick by Vision“ „Pick by Vision“ ist eines der neusten Kommissionierverfahren, indem es die Nutzung einer Spracherkennung mit der visuellen Anzeige von Informationen per Datenbrille kombiniert. Der Kommissionierer kann weiterhin ungestört freihändig arbeiten und erhält zusätzlich Informationen in Echtzeit auf seine Brille, sodass er den aktuellen Status seines Auftrags jederzeit im Blick hat. „Pick by Vision“ nutzt die Technologie von erweiterter Realität (Augmented Reality), wodurch das Einblenden von relevanten Daten sowie unterstützenden Grafiken und Modellen ermöglicht wird. Blick in die Zukunft: Verfahren ergänzen sich Warum aber ein einziges Verfahren implementieren, wenn man die Vorteile mehrerer Lösungen verbinden kann? Sprachtechnologien z. B. spielen entlang der Logistikkette eine wichtige Rolle und überzeugen mit einer zuverlässigen und schnellen Pick-Leistung vor allem bei der Kommissionierung von Kleinteilen. Aufgrund der Produktivität der Mitarbeiter und der geringen Fehlerquote ist und bleibt „Pick by Voice“ eine sichere Investition. Dabei ist das Verfahren oftmals nicht als Einzellösung in Gebrauch, sondern komplementär zu anderen Applikationen. So wird im Lager nach wie vor auf Barcodescanner gesetzt, etwa beim Kommissionieren von Paletten. Der Lagermitarbeiter greift hierfür kurzzeitig auf ein Barcode- oder RFID-Lesegerät zurück und führt anschließend die Kommissionierung über sein Headset fort. Egal, für welche Lösung sich Unternehmen entscheiden: Das boomende E-Commerce-Geschäft und die steigende Nachfrage der Kunden nach Lieferungen am selben oder nächsten Tag erfordern eine Umstrukturierung des Lagers. Die Wahl des passenden Kommissionierverfahrens, das flexibel auf die individuellen Prozesse im Lager zugeschnitten ist, markiert einen wichtigen Das boomende E-Commerce- Geschäft erfordert eine Umstrukturierung des Lagers Dirk Becker, Regional Sales Director bei Honeywell Workflow Solutions Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Austausch bestehender Soft- und Hardware reicht dabei nicht aus, vielmehr müssen ganze Lagerprozesse einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Hier ist die Beratung durch einen Anbieter mehrerer Kommissioniertechnologien hilfreich, der objektiv beurteilen kann, welches Verfahren am besten zum Anwender und seinen individuellen Prozessen passt. Fotos: Honeywell, Fotolia Bearbeitung: VFV Grafik www.honeywellaidc.com Sicher lagern und transportieren... ...auch wenn’s GROSS und empfindlich ist mit Transportwagen von Der kombinierte Einsatz von Kommissionierverfahren wie Voice- und Scanning-Technologie ist gängige Praxis im Lager Telefon +49(0)5232/6086-0 www.koch-lagertechnik.de f+h 1-2/2017 23 Koch.indd 1 06.01.2017 07:51:12

AUSGABE