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f+h fördern und heben 1-2/2017

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KOMMISSIONIERTECHNIK

KOMMISSIONIERTECHNIK Sonderlösung mit „Pick by Light“ umgesetzt Leuchtende Neuerung steigert die Kommissionierleistung eines Büroartikel-Anbieters Ein neues „Pick by Light“-System soll das bestehende sprachgesteuerte System ersetzen. Mithilfe einer Sonderlösung wurde die Anzahl der benötigten Fachanzeigen minimiert und so die Investition reduziert. Darüber hinaus geschah die Umstellung im laufenden Betrieb problemlos. „Die Arbeit im Büro vereinfachen“, machte sich Friedrich Soennecken, Gründer der heutigen Soennecken eG, Overath, im Jahr 1875 zur Lebensaufgabe. Im deutschsprachigen Raum sind derzeit 320 Mitarbeiter und rd. 500 Mitglieder der Genossenschaft in die Vermarktung, Finanzierung und Logistik von Produkten rund um das Büro eingebunden. An der Unternehmensmaxime hat sich in den vergangenen 140 Jahren nichts Wesentliches geändert. Ebenso erhalten blieb nach Friedrich Soennecken „das Selbstverständnis, bedingungslos auf Qualität zu setzen, sich nie mit der zweitbesten Lösung zufrieden zu geben, Innovationskraft […] zur Geltung zu bringen und das Bewährte fortwährend zu optimieren.“ Vergangenes Jahr strebte der Logistikbereich eine grundlegende Veränderung in der Kommissioniertechnik an – analog zum erwähnten Motto. In einem ehrgeizigen Zeitrahmen für die Installation und einer ebenso raschen Einführungsdauer stellte Soennecken sein Kommissioniersystem von „Pick by Voice“ auf „Pick by Light“ um. Möglich wurde das u. a. durch die innovativen und individuellen Lösungen der beteiligten Unternehmen Unitechnik und Microsyst. Schnelle Logistikprozesse gefordert mer einfacher und schneller. In der Folge müssen sich auch die Logistikprozesse der Zulieferer der wachsenden Geschwindigkeit und dem Bedarf der Kunden anpassen. Das Unternehmen Soennecken liefert die meisten seiner rd. 15 000 Artikel binnen eines Tages. Um die Logistikprozesse derart straff abwickeln zu können, bedarf es eines gut funktionierenden Kommissioniersystems, qualifizierter Mitarbeiter sowie hoher Konzentration. „Die Fehlerquote darf unter der gebotenen Geschwindigkeit nicht leiden. Kunden brauchen nun mal genau die Artikel und in exakt der Menge, die sie bestellt haben“, erklärt Dirk Leischner, Projektleiter Logistik bei der Soennecken eG. Zwei Kommissioniersysteme im Vergleich Nachdem das bis dato bestehende „Pick by Voice“-System kurz vor der technischen Abkündigung stand, stellte sich für Soennecken die Nachfolgefrage: Ein neues „Pick by Voice“ oder der Umstieg auf ein anderes System? Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort fiel hierbei „Pick by Light“ als Alternative in die engere Wahl. Zeitgleich ergab sich im Zuge einer Befragung der Initiative „Great Place to Work“, dass sich Mitarbeiter durch das verwendete „Pick by Voice“-System z. T. hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sahen. Ein triftiger Grund für die Verantwortlichen bei Soennecken nach einer neuen Kommissionierlösung Ausschau zu halten, die Effizienz im Ablauf und ein niedriges psychisches Belastungsniveau der Mitarbeiter vereint. Sonderanfertigung senkt Investitionskosten Zusammen mit dem Generalunternehmer Unitechnik recherchierte Soennecken nach technischen Möglichkeiten für die Umsetzung der „Pick by Light“-Methode. Bei rd. 27 000 Regalfächern vor allem auch finanziell eine große Herausforderung. Es bildete Die Fehlerquote darf unter der gebotenen Geschwindigkeit nicht leiden Dirk Leischner, Projektleiter Logistik bei der Soennecken eG Die Zeiten, in denen Unternehmen große Lagerbestände an Büromaterialien vorrätig hatten, sind vorbei. Lagerhaltung bindet Kapital und die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung machen Bestellvorgänge imsich die Idee heraus, mit einer „Pick by Light“-Fachanzeige nicht nur ein Regalfach, sondern mehrere übereinanderliegende Regalböden zu bedienen. Die Vorteile lagen auf der Hand: „Die Anzahl der notwendigen ‚Pick-Faces‘ würde somit so gering wie möglich gehalten, das System würde trotzdem zuverlässig und einfach für die Mitarbeiter funktionieren“, erklärt Leischner die grundsätzliche Überlegung. Die Suche nach dem dafür passenden System gestaltete sich nicht einfach, denn die angefragten Unternehmen konnten mit ihren vorgefertigten Kommissioniersystemen und -anzeigen die Regalebenen nicht visualisieren. Die Lösung fand Soennecken mithilfe des Unternehmens Unitechnik beim Microsyst, Anbieter von Systemelektronik. „Mit der Anfrage rannte Soennecken bei uns offene Türen ein. Unternehmensspezifisch angepasste Lösungen oder individuelle Sonderanfertigungen gehören zu unserem täglichen Geschäft. Die bestmögliche Integration aller Kundenanforderungen in unsere Kommissionier- und Anzeigesysteme ist keine Werbung, sondern der bloße Anspruch an uns selbst“, bestätigt Manuel Raß, Vertriebsleiter und technischer Geschäftsführer bei Microsyst in Weiden, das hohe Maß an Spezialanfertigungen des Anbieters von Systemelektronik. In der Angebotsphase ermöglichte Raß den Interessenten von Soennecken die Besichtigung und Begutachtung bereits bestehender Anlagen mit ähnlichen Systemen. „Das schafft Vertrauen und zeigt, fernab von technischen Daten, wie es in der Realität aussieht und – noch wichtiger – wie es funktioniert“, fasst Leischner seine positiven Erfahrungen zusammen. Durch die 24 f+h 1-2/2017

KOMMISSIONIERTECHNIK individuelle Anpassung an die Bedürfnisse vor Ort erhielt Soennecken letztendlich das gewünschte „Pick by Light“-System: Verständlich und bedienlogisch bei gleichzeitig niedriger Anzahl verwendeter Fachanzeigen. Im laufenden Betrieb implementiert Zufrieden ist Soennecken von den Abläufen im Zuge der Installation und Umschaltung auf das neue „Pick by Light“-System. Nachdem Unitechnik den Auftrag Ende März 2015 bestätigte, folgte bereits Ende Mai 2015 die erste Teillieferung seitens Microsyst. In den anschließenden zwei Monaten folgten weitere vier Teillieferungen entsprechend des Installationsfortschritts. Der Umbau auf die neue Kommissioniertechnik fand durch Unitechnik bei laufendem Betrieb statt. „Ohne die Termintreue des Zulieferers Microsyst wäre eine Realisierung im vorgegebenen Zeitrahmen nicht möglich gewesen“, hebt Leischner die gute Zusammenarbeit hervor. Die Umstellung auf „Pick by Light“ geschah dann Gasse für Gasse im Wochentakt. Bei insgesamt sieben Kommissioniergängen ergab sich dadurch eine komplette Einführungs- und Einschaltdauer von nur sieben Wochen. Bereits im Vorfeld wurden die Mitarbeiter in der Kommissionierung operativ geschult und intensiv auf die Neuerungen vorbereitet. Bei etwaig auftauchenden Problemen wäre mithilfe des intelligenten Systems sogar eine zeitweilige Zurückschaltung auf „Pick by Voice“ jederzeit möglich gewesen. Kommissionierleistung gesteigert Die Umstellung auf „Pick by Light“ war für Soennecken in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Allen voran brachte eine anschließende Befragung unter allen Mitarbeitern durchweg positives Feedback. Die Entscheidung zugunsten bedienfreundlicherer Arbeitsabläufe trug spürbar Früchte. Zugleich stieg auch die Pick-Leistung um etwa zwölf bis 14 Prozent gegenüber der vorherigen „Pick by Voice“-Lösung. „Das freut uns und in der Folge auch unsere Kunden, deren Pakete nun noch ein wenig schneller zusammengestellt sind. Und das Ganze bei einer weiterhin niedrigen Fehlerquote in Höhe von 0,07 Prozent“, konstatieren die Verantwortlichen bei Soennecken. Unterstützend wirkte hierbei die bewusst organisierte Einführungsphase, in welcher sich die Mitarbeiter auf das neue System einstellen und Vertrauen in die Technologie entwickeln konnten. Die Fach- Bei der Sonderlösung lassen sich mit nur einer speziell angefertigten Fachanzeige mehrere übereinanderliegende Regalböden bedienen anzeigen (Bild), komplett aus stabilem Aluminium gefertigt, bewähren sich seither fehlerfrei im anspruchsvollen Alltag. Getreu dem Gründungsmotto vereinfacht Soennecken auch weiterhin „die Arbeit im Büro“, eben nur noch einen Tick schneller und weniger belastend für die eigene Belegschaft in der Kommissionierung. Ganz im Sinne des Firmengründers Friedrich Soennecken. Fotos: Microsyst www.microsyst.de Im Gespräch mit Manuel Raß, Geschäftsführer der Microsyst Systemelectronic GmbH Herr Raß, Sie legen bei Ihren Geräten für die Kommissionierung per „Pick by Light“ großes Augenmerk auf eine applikationsspezifische Anpassung. Können Sie uns einen Eindruck geben, ab welcher Losgröße für den Kunden eine individuelle Ausführung sinnvoll ist? Ab welcher Größe eine individuelle Ausführung sinnvoll ist, liegt immer auch an der Ist-Situation vor Ort. Manche Kundensituation verlangt nach individuell angepassten Lösungen, um überhaupt sinnvoll und praktikabel anwendbar zu sein. Als grober Anhaltspunkt gilt eine individuelle Anpassung, abhängig von der Abweichung vom Standard, bei kleinen Änderungen zu einem bestehenden Gerät bereits ab 100 Stück oder weniger als rentabel. Große Änderungen oder gar Neuentwicklungen bedürfen sicherlich höherer Stückzahlen – dennoch können wir oftmals auch hier bereits bei 500 oder 1 000 Stück unseren Kunden eine rentable Lösung anbieten. Wie hoch ist in etwa der Anteil kundenspezifischer Anzeigen in Vergleich zu den Mipick-Standardgeräten MP20 und MP80 aus Ihrem Hause? Vielen Kunden reicht für ihre Anwendung die ohnehin gegebene Flexibilität unserer Standardgeräte Mipick MP 20 und Mipick MP 80 aus. Kundenindividuelle und -spezifische Anfertigungen nehmen derzeit etwa 15 bis 20 Prozent unseres Auftragsportfolios im Bereich Kommissionier systeme ein. Welchen Trend verzeichnen Sie bei Kundenanfragen vor dem Hintergrund des boomenden E-Commerce sowie von Industrie-4.0-Lösungen? Die Anforderungen im Zusammenhang mit E-Commerce sowie Industrie 4.0 sind vielfältig. Neben kompakter Bauweise ist vor allem auch die Flexibilität des Systems hoch gefragt. Offene Schnittstellen zur Steuerung durch Kundensysteme sind dabei nur ein bedeutendes Merkmal. Die schnelldrehenden Märkte verlangen außerdem kurze Lieferzeiten und kurzfristige Umsetzung von Änderungswünschen oder Anpassungen. Einen großen Zuwachs vernehmen wir bei der Nachfrage nach „Step by Step“-Installationen und Installationen, die – wie auch bei Soennecken – parallel zum laufenden Betrieb stattfinden. Vielen Dank für das Gespräch Die Fragen stellte Holger Seybold, Redakteur f+h f+h 1-2/2017 25

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