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f+h fördern und heben 1-2/2018

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f+h fördern und heben 1-2/2018

FORSCHUNG UND

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG FRAUNHOFER CML HAT MARITIME SUPPLY CHAIN FEST IM BLICK Das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML entwickelt und optimiert Prozesse und Systeme entlang der maritimen Supply Chain. In praxisorientierten Forschungsprojekten werden private und öffentliche Auftraggeber aus den Bereichen Hafenbetrieb, Logistikdienstleistung und Schifffahrt bei der Initiierung und Realisierung von Innovationen unterstützt. Das CML wurde im Jahre 2010 als Einrichtung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Hamburg gegründet und ist seitdem an der Technischen Universität Hamburg beheimatet. Ein für das Jahr 2021 projektierter Neubau im Harburger Binnenhafen ist mit großzügigen Büroflächen, Laboren und Werkstätten auf das langfristige Wachstum des CML ausgelegt. 1 SCHIFFS- UND INFORMATIONSMANAGEMENT Am Fraunhofer CML stehen drei Forschungsfelder im Mittelpunkt der Arbeiten. Im Schiffs- und Informationsmanagement werden Software-Lösungen für Schiffsführung und Kommunikation ent wickelt. Modernes Informationsmanagement an Bord und an Land bietet erhebliche Potenziale für Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit der Prozesse, z. B. in den Bereichen Beschaffung und Personal. Ein spannendes Thema für die Forscher des Instituts ist das Crewmanagement. Das Personal an Bord ist für den erfolgreichen Verlauf von Schiffsreisen und vielfältige Wartungsaufgaben an Bord verantwortlich und seine Organisation unterliegt einer Reihe von gesetzlichen Regelungen. Die Planung des Creweinsatzes einer Flotte soll u. a. folgende Fragen beantworten: Welche Qualifikationen muss die Crew an welchem Punkt der Reise abdecken? Wie können die Arbeits- und Ruhezeiten sichergestellt werden? Vor diesem Hintergrund hat das CML eine Lösung für die Optimierung des Personaleinsatzes an Bord entwickelt, die die folgenden Anforderungen erfüllt: Die zuverlässige Ermittlung der Besatzungsstärke und der Qualifikationen für eine Schiffs- 40 f+h 2018/01-02 www.foerdern-und-heben.de

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG 2 reise sowie die sichere Einhaltung und Dokumentation der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Ruhezeiten auf der geplanten Route. Das Software-Tool Crew Compliance Optimizer CCO/Scedas besteht aus drei Komponenten: Das Office-Modul errechnet den Bedarf an Seeleuten in Abhängigkeit von der Route, dem Schiffstyp und den anfallenden Arbeiten. Mit dem On-board-Modul kann die Schiffsführung während der Reise auf aktuelle Veränderungen reagieren und die Arbeitspläne bedarfsgerecht und unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben aktualisieren. Und das Reporting-Modul verringert den administrativen Aufwand, der bislang für die anforderungskonforme Erfassung und Dokumentation der Arbeits- und Ruhezeiten nötig war. NAUTIK UND SEEVERKEHR Die Gruppe Nautik und Seeverkehr setzt sich mit Fragestellungen rund um die nautische Sicherheit und Steuerung auseinander: Sind vorliegende Hafenlayouts geeignet für zukünftige Entwicklungen? Welche Technologien sind für die autonome Steuerung eines Schiffes erforderlich? Und wie kann ein autonom fahrendes Schiff von Land aus überwacht werden? Die Wissenschaftler setzen u. a. vier Schiffsführungssimulatoren ein, um Antworten auf diese Fragen zu entwickeln. Im von der EU geförderten Forschungsvorhaben Munin unter der Leitung des Fraunhofer CML wurden die Machbarkeit und die mögliche Konzeptionierung unbemannter Seeschifffahrt erforscht, gefolgt von der Entwicklung von Pilotlösungen für ein autonom fahrendes Schiff. Im Projektverlauf wurden verschiedene Kernsysteme des autonomen Schiffes prototypenhaft entwickelt und am CML eine Simulationsumgebung für die Evaluierung autonomer Brückentechnologie geschaffen. Auch wenn der Weg zum autonomen Schiff noch weit ist, werden bereits jetzt zahlreiche Innovationen entwickelt, die auch auf traditionellen Schiffen Effizienz und Sicherheit erhöhen. Die Ergebnisse des Munin-Projekts, z. B. in Form des automatisierten Ausgucks und der unbemannten Brücke, werden am CML weiterentwickelt. Sie haben das Potenzial, Schiffsbesatzungen auf langen Seereisen nennenswert zu entlasten und Schiffsreisen, u. a. auch durch ein optimiertes Weather-Routing, effizienter und sicherer zu gestalten. 3 HAFEN- UND TERMINALENTWICKLUNG In der Hafen- und Terminalentwicklung dreht sich alles um die Analyse und Planung maritimer Transportketten und Standorte. Auf digitalen Planungstischen werden Hafen- und Terminallayouts entwickelt, die parallel zwei- oder dreidimensional auf einem Smartboard abgebildet werden. Und die Bewertung von Infrastrukturen im Hinterland geschieht mithilfe softwaregestützter Verkehrsprognosen. Einen weiteren Schwerpunkt dieses Forschungsbereichs bildet die Untersuchung von Digitalisierungsprozessen im Hafenumfeld. Folgende Fragestellungen sehen die Wissenschaftler hier im Vordergrund: Wie lässt sich das große Potenzial der Digitalisierung auch für kleine und mittlere Unternehmen zugänglich machen? Welche Lösungen haben die größten Chancen auf eine schnelle und flächendeckende Nutzung? Mithilfe von digitalen Lösungen lassen sich bereits die Effizienz des Betriebs eines einzelnen Hafens und seiner spezifischen Transportketten steigern, komplexe Abläufe vereinfachen oder der Energieverbrauch reduzieren. Im internationalen Umfeld der maritimen Wirtschaft bietet die digitale Vernetzung von Seehäfen zusätzlich Möglichkeiten, die Effizienz und Sicherheit entlang der maritimen Transportkette zu verbessern. Durch einen gezielten Informations- und Datenaustausch können die Häfen neue Geschäftsmodelle entwickeln und nutzen. Erwartet wird für die Häfen insgesamt nichts Geringeres als die Möglichkeit, die Herausforderungen durch Globalisierung, demographischen Wandel und Urbanisierung zu bewältigen. Um den Digitalisierungsprozess innerhalb der maritimen Supply Chain zu unterstützen, erarbeitete das Fraunhofer CML gemeinsam mit der Hamburg Port Authority Konzeptideen, die zukünftige Anforderungen an Seehäfen darstellen. Die Umsetzung dieser Anforderungen soll Seehäfen in die Lage versetzen, einerseits ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und andererseits die Vision eines durch Digitalisierung ermöglichten Netzwerks zu realisieren. Fotos: Fraunhofer CML www.cml.fraunhofer.de Im von der EU geförderten Forschungsvorhaben Munin wurden die Machbarkeit und die mögliche Konzeptionierung unbemannter Seeschifffahrt erforscht www.foerdern-und-heben.de f+h 2018/01-02 41

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