Aufrufe
vor 2 Monaten

f+h fördern und heben 1-2/2021

f+h fördern und heben 1-2/2021

PERSPEKTIVEN WIE DIE

PERSPEKTIVEN WIE DIE AUTOMATISIERUNG DEN LOGISTIKMARKT EROBERT Personalmangel, zunehmende Individualisierung und kürzere Lieferzeiten stellen die Logistikbranche vor immer größere Herausforderungen. Hersteller von robotergestützten Automatisierungslösungen nutzen daher ihre Expertise aus Service und Produktion, um den Sektor zu entlasten und End-to-End-Angebote zu schaffen. Logistikzentren werden tagtäglich vor außergewöhnliche Aufgaben gestellt: etwa die schnelle und effiziente Sortierung, Weiterleitung und Zusammenstellung von Produkten. Probleme zeigen sich dann, wenn Logistikzentren den Anforderungen und dem rasanten Wachstum nicht mehr gewachsen sind. Lieferschwierigkeiten und -verzögerungen können die Folge sein. Dabei steht die Logistikbranche seit Jahren unter einem wachsenden Druck, der eng mit dem Konsumverhalten der Endverbraucher zusammenhängt. Trends wie der boomende E-Commerce, 24-Stunden-Lieferungen und der größer werdende Grad an Individualisierung sorgen dafür, dass die Aufgaben für Distributionszentren immer komplexer werden. „Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr sich die Komplexität der Wertschöpfungskette auf den Logistiksektor konzentriert und dieser Sektor maßgeblich für den Geschäftserfolg wird“, gibt Marc Segura, Group Senior Vice President Managing Director Consumer Segments & Service Robotics bei ABB, zu bedenken. „Dabei bedeutet eine effektive Auftragsabwicklung im Logistikzentrum auch einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger Produktion. Eine schnelle Bereitstellung macht eine Produktion ‚on demand‘ erst möglich und kann so Überproduktionen verhindern sowie Lagerkosten senken.“ Sich gegenüber stehen dabei die Menge der zu bewältigenden Waren und Lieferungen sowie deren zunehmende Komplexität. In der Vergangenheit war Personalaufbau die einzige Möglichkeit, die Kapazität schnell zu erhöhen. Das ist jedoch teuer, ineffizient und herausfordernd. Da die Arbeit vielfach monoton und repetitiv ist, fehlt auch die Attraktivität für Arbeitnehmer. Die Folge: eine hohe Fluktuation und generell zu wenig potenzielle Mitarbeiter. Logistikzentren greifen daher zunehmend zu roboterbasierten Automatisierungslösungen. Diese können für mehr Flexibilität sorgen, um unerwartete Auftragsspitzen zu beherrschen und bieten Mitarbeitern gleichzeitig die Möglichkeit, wertschöpfendere Aufgaben zu erledigen. 10 f+h 2021/01-02 www.foerdern-und-heben.de

PERSPEKTIVEN STEIGENDE ANFORDERUNGEN AN AUTOMATISIERUNGSLÖSUNGEN In den vergangenen Jahren haben sich Anforderungen an Automatisierungslösungen für die Logistik herauskristallisiert, die eine immer höhere Komplexität voraussetzen. Durch kleine Losgrößen und eine Vielzahl an unterschiedlichen Produkten, die Logistikzentren für den reinen Onlinehandel und auch für den Omnichannel- Handel bereithalten, müssen Roboter in der Lage sein, autonom verschiedene Objekte zu greifen. Zudem erfordern eine Vielzahl von intralogistischen Prozessen mobile Roboterlösungen. Eine weitere komplexe Anforderung ist das Be- und Entladen von Containern oder Lkw sowie die Sortierung von Paketen. Damit Automatisierungseinheiten möglichst viele Aufgaben übernehmen können, setzen Anbieter vermehrt auf Künstliche Intelligenz (KI). Daten werden dabei in nützliche Informationen umgewandelt, sodass Roboter langfristig autonom, selbstlernend oder selbstoptimierend sein werden. Dabei geht es nicht darum, menschliche Fähigkeiten zu kopieren. Mit KI ist es Robotern vielmehr möglich, in unstrukturierten Umgebungen zu arbeiten. Dazu ist es wichtig, dass sie Muster erkennen und ihre Fehler selbstständig korrigieren können. So sind selbstlernende Roboter in der Lage, Aufgabenbereiche zu übernehmen, für die herkömmlich programmierte Roboter nicht geeignet sind. Bei der Umsetzung solcher Robotikanwendungen setzt die Logistikbranche auf Partner mit starkem Anwendungs-Know-how, modularen Lösungen und einem umfassenden Serviceangebot. Der Roboterhersteller ABB bietet ein komplettes Portfolio an Automatisierungslösungen, Steuerungen und Sicherheitsprodukten für die Logistikbranche. Vor allem in die Servicerobotik investiert das Unternehmen derzeit, um entsprechende Innovationen voranzutreiben und den Logistiksektor bestmöglich unterstützen zu können. ABB greift dafür auch auf die Erfahrung aus der klassischen Fertigung zurück. So lassen sich maßgefertigte Lösungen für die Lagerhaltung und Logistik kreieren. Um starke Partner für die Entwicklung innovativer Automatisierungslösungen für die Logistik zu finden, hat ABB im Jahr 2019 einen Wettbewerb zwischen 20 führenden, auf KI spezialisierten Start-ups ausgeschrieben. Die Herausforderung: Lösungen für 26 reale Anwendungsfälle in der Verpackung und Kommissionierung entwickeln. Ziel war es zu prüfen, ob KI bereits ausgereift genug ist, um das Potenzial der Robotik und Automatisierung voll zu entfalten. Darüber hinaus wollte ABB einen Technologiepartner für die Entwicklung einer robusten KI-Lösung finden. Die Lösung sollte dazu in der Lage sein, individuelle Objekte unterschiedlicher Art eigenständig zu identifizieren und zu greifen. Covariant, gegründet Die KI-basierte Robotiklösung von ABB und Covariant ist in der Lage, individuelle Objekte unterschiedlicher Art eigenständig zu identifizieren und zu greifen von KI-Forschern der University of California (Berkeley) und der Organisation Open AI, gewann den Wett bewerb. Das KI-Start-up aus dem Silicon Valley arbeitet seitdem eng mit ABB an KI-Robotiklösungen. Die Software des KI-Start-ups, Covariant Brain, ist eine universelle KI, mit der Roboter ihre Umgebung erkennen, einschätzen und darin entsprechend agieren können. So erledigen sie Aufgaben, die z. B. für herkömmlich programmierte Roboter zu komplex sind. Die von Covariant entwickelte Software ermöglicht Robotern zudem „Reinforcement Learning“: Mithilfe von Tests erweitern die Roboter die Anzahl der Artikel, die sie greifen können. Als erstes gemeinsames Projekt entstand dabei eine autonome Greifanwendung zur Auftragsabwicklung in Logistikzentren. Diese ist bereits bei Active Ants, einem niederländischen Anbieter von Fulfillment- Dienstleistungen für Onlinehändler in Utrecht und Teil der bpost Gruppe, Postbetreiber und Paket- sowie E-Commerce-Logistikdienstleister aus Belgien, im Einsatz. INTELLIGENTE LÖSUNGEN FÜR KOMPLEXE AUFGABEN Als Wachstumsmarkt mit komplexen Herausforderungen ist der Logistiksektor gut für intelligente Automatisierungslösungen geeignet. Anbieter wie ABB arbeiten daher an entsprechenden Lösungen. Innovationen wie die selbstlernendende Greifanwendung von ABB und Covariant zeigen die Möglichkeiten auf, die eine Automatisierung eröffnet und könnten Lieferengpässe und stockende Lieferketten verhindern. Fotos: ABB www.abb.com ALS WACHSTUMSMARKT MIT KOMPLEXEN HERAUSFORDERUN- GEN IST DER LOGISTIKSEKTOR GUT FÜR INTELLIGENTE AUTOMATISIE- RUNGSLÖSUNGEN GEEIGNET www.foerdern-und-heben.de f+h 2021/01-02 11

AUSGABE