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f+h fördern und heben 10/2017

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f+h fördern und heben 10/2017

MENSCHEN UND MÄRKTE

MENSCHEN UND MÄRKTE zent der Supply-Chain-Manager von britischen Unternehmen, die bisher mit EU-Lieferanten zusammenarbeiten, Lieferalternativen in der heimischen Wirtschaft. 21 Prozent sehen sich nach neuen Lieferanten außerhalb der EU und Großbritanniens um. „Viele Unternehmen warten die politischen Weichenstellungen ab, bevor sie sich auf Maßnahmen festlegen“, hat Taylor in vielen Gesprächen erfahren. PROF. DR. CHRISTIAN KILLE VOM INSTITUT FÜR ANGEWANDTE LOGISTIK (IAL) DER HOCHSCHULE WÜRZBURG-SCHWEINFURT Der bevorstehende Brexit hat negative Auswirkungen auf die Exportmengen deutscher Unternehmen SCHWACHES PFUND KURBELT IMPORTE AUS GROSSBRITANNIEN AN Bei den Importen aus Großbritannien nach Deutschland gab es im 1. Quartal ein Paradoxon. Das importierte Gewicht brach um 17,7 Prozent auf 4,4 Mio. Tonnen ein, während die wertmäßigen Importe um acht Prozent auf 9,7 Mrd. Euro kletterten. Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, dass aufgrund der volatilen Entwicklung an den Energiemärkten die Nachfrage nach Erdöl und Erdgas aus Großbritannien um 30 Prozent sank, was den mengenmäßigen Einbruch nahezu komplett erklärt. Kille: „Mit dem bevorstehenden Brexit hat das nichts zu tun.“ Der wertmäßige Zuwachs der Importe sei wiederum durch das schwache Pfund zu erklären, das den Einkauf britischer Konsum- und Investitionsgüter für deutsche Unternehmen und Verbraucher attraktiver macht. Ein Blick auf einzelne Industriebranchen zeigt ein differenziertes Bild: Die deutschen Exporteure mussten z. B. in der Automobilbranche gegenüber dem Vorjahresquartal heftige Einbußen hinnehmen (-9,7 Prozent gemessen am Wert), während der Maschinenbau um 6,3 Prozent wuchs und die Chemieausfuhren stabil blieben. Die britischen Exporteure verloren gegen den Trend im 02 Großbritannien-Handel in mehreren Schlüsselbranchen rückläufig Einfuhr 1. Q. 2016/2017 Ausfuhr 1. Q. 2016/2017 1 Mio.t 0,91 0,95 0,5 Mio.t 0,47 0,49 0,57 0,13 0,13 0,05 0,05 0,14 0,15 0,11 0,10 0,55 0,40 0,42 0 Chemie (ohne Pharma) 3,0% 4,8% Automotive –1,7 % –3,7 % Maschinenbau –8,8 % 7,0 % Lebensmittel –15,2% 7,2% 14 f+h 2017/10 www.foerdern-und-heben.de

MENSCHEN UND MÄRKTE Maschinenbau (-1,6 Prozent), der Chemie (-5,1 Prozent) und der Lebensmittelbranche (-12,1 Prozent), gewannen aber dafür im Automotive-Geschäft (+2,8 Prozent) Marktanteile hinzu. WB Fotos/Grafiken: Aufmacherfoto Shutterstock, Grafiken und Personenfotos AEB, unten stehendes Foto auf S. 12 Christopher Furlong/AP www.aeb.com Quelle: AEB DER TRUMP-EFFEKT BLIEB AUS Erstaunlich dynamisch entwickelt sich trotz der politischen Spannungen der Handel mit den USA. Als wichtigster Markt für deutsche Exportgüter außerhalb der EU legte das Geschäft mit den USA trotz der Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen nach einem schwächeren Jahr 2016 in den ersten Monaten dieses Jahres rasant zu. Gemessen am Gewicht stiegen die Exporte um elf Prozent auf 2,3 Mio. Tonnen; gemessen am Wert war ein Plus von 8,1 Prozent auf 29,1 Mrd. Euro zu verzeichnen. Der Trump-Effekt ist bisher also ausgeblieben. Das letzte Wachstum in dieser Größenordnung war im vierten Quartal 2012 zu verzeichnen. Was Trump freuen wird: Auch die Importe aus den USA stiegen – um sechs Prozent sowohl bei Wert als auch bei Gewicht. GEOFF TAYLOR, GESCHÄFTSFÜHRER DER AEB (INTERNATIONAL) LTD. Viele Unternehmen warten die politischen Weichenstellungen in puncto Brexit ab, bevor sie sich auf konkrete Maßnahmen festlegen 03 UK: Einbruch für deutsche Automobilexporte Einfuhr 1. Q. 2016/2017 Ausfuhr 1. Q. 2016/2017 10 Mrd. EUR 1,55 1,58 0,66 0,65 1,3 1,2 7,7 7,0 5 Mrd. EUR 1,5 1,5 0,22 0,195 0,87 0,9 2,2 2,3 0 Automotive 2,8 % –9,6 % Maschinenbau –1,6 % 6,3% Chemie (ohne Pharma) –5,1 % 0,3 % Lebensmittel –12.1% 3,0% www.foerdern-und-heben.de f+h 2017/10 15

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