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f+h fördern und heben 10/2017

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f+h fördern und heben 10/2017

F+H EXTRA BVL KONGRESS

F+H EXTRA BVL KONGRESS Logistik wird die Zusammenfassung von Sendungen, die verschiedene Verkehrsunternehmen an einen oder räumlich benachbarte Empfänger zuzustellen haben, schon erprobt, vergleichbares ist auch für regionale Logistikkonzepte denkbar. Die informatorische Verknüpfung benachbarter regionaler Sammel- und Verteilstrukturen bietet einen Ausweg aus dem ‚problematischen Dreieck‘ von angestrebter Lieferbereitschaft, unerwünschter Kapitalbindung im Lager und – langfristig wieder – steigender Transportkosten.“ Zum echten Kongressthema wurde die City-Logistik, heute sprechen wir eher von urbaner Logistik, dann auf den 13. Dortmunder Gesprächen 1995 mit dem Kongressthema „Wandel im Handel/ City Logistik“. Hier einige Stichworte aus dem Tagungsband, aus denen sich schon die zukünftige Bedeutung auch der IT ablesen lässt: ... „Efficient Consumer Response“: eine effiziente Reaktion auf die Kundennachfrage soll durch ein kundenorientiertes System ermöglicht werden, das alle Beteiligten der Prozesskette (von der Produktion des Herstellers bis zum Endverbraucher) zusammenarbeiten lässt. Ziel ist es, die gesamte Prozesskette zu optimieren, den Kundennutzen zu erhöhen ... und damit die Marktanteile und Umsätze zu steigern sowie die Prozesskosten zu optimieren. ... Ziel ist die Prozessoptimierung durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Industrie und Handel. Dabei sollen Informationsdefizite reduziert werden, in dem systemübergreifende Zusammenhänge erfasst werden, Technologien (wie Scanner) Daten erfassen und standardisierte Kommunikationsnetzwerke es ermöglichen, die Informationen unter allen Beteiligten zu teilen. ... Da man vorhat, zukünftig im GVZ Duisburg/Niederrhein in umfangreichem Maße City-Logistik zu betreiben – nämlich Duisburg/Niederrhein-Städte-Logistik –, ist die Telematik als Plattform dafür unverzichtbar. ... Online-Distribution: Verkaufen entlang der Datenautobahn: Was Online-Distribution anbelangt, ist die Welt zweigeteilt. Zukunftsforscher prognostizieren, dass 50 Prozent der Einzelhändler im Jahr 2005 aufgrund von Online-Distributionskonzepten arbeitslos sind. Demgegenüber stehen Meinungen – wie auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos geäußert –, dass Innovationen in die Online-Distribution eine Fehlinvestition sind. Die aufgezeigten Vorteile lassen vermuten, dass die letztgenannten wohl von der Realität überholt werden und erstgenannte werden wohl ihre Euphorie etwas bremsen müssen, denn letztlich ist es gerade im Konsumgüterbereich ein Stück Freizeiterlebnis, in die Stadt einkaufen zu gehen, und das wird auch so bleiben. Eine große Chance für Online-Distributionskonzepte besteht jedoch in gewerblichen Kunde-Lieferant-Beziehungen.“ UND DANN KAM DER WANDEL Anders als auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vorhergesagt, wurde nicht das B2B-Geschäft zum Renner im Online-Handel, sondern der Privatkonsum gab zunehmend den Ton an. Bereits damals, also in den Anfängen des E-Commerce, wurden die Geschäfte in den Innenstädten mit Paketen beliefert. Aber vom Waren- und Lieferaufkommen her waren das, salopp gesagt, Peanuts gegen über dem heutigen Online-Zeitalter, in dem der E-Commerce das B2C-Business beherrscht. Überaus deutlich wird das an den Zahlen aus der bereits genannten KEP-Studie, die für das Jahr 2016 ein Aufkommen von 3,16 Mrd. Sendungen nennt. Das entspricht einem Volumen von mehr als 10 Mio. beförderter Sendungen pro Tag. Und es geht weiter. So erwartet die KEP-Branche für das laufende Jahr 2107 beim Sendungsaufkommen einen Zuwachs von etwa sechs Prozent, was einem Plus von 180 Mio. Sendungen entspräche. Diese Mengen müssen zur richtigen Zeit und unversehrt beim richtigen Kunden ankommen. Nochmal: Das Problem ist nicht die Zustellung auf der letzten Meile an sich, das Problem sind die Mengen und die zunehmend individueller werdenden Wünsche der Empfänger. Verschärfen wird sich die Situation, wenn die Prognose der KEP-Studie real wird und bis zum Jahre 2021 vier Milliarden Sendungen befördert werden müssen. Eine an sich positive Entwicklung, legt sie doch Zeugnis ab vom guten Zustand unserer Wirtschaft und dem damit einhergehenden 02 22 f+h 2017/10 www.foerdern-und-heben.de

BVL KONGRESS F+H EXTRA höheren Konsumfreudigkeit der Menschen. Wobei der E-Commerce sicherlich den größten Anteil an dieser Entwicklung hat. Hier gibt die Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015-2019", erstellt vom Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco und dem Beratungsunternehmen Arthur D. Little, folgende Auskunft: Für den E-Commerce im B2C-Segment wird für das laufende Jahr 2017 ein Umsatz von 35 Mrd. Euro erwartet. 2019 sollen es dann schon 46 Mrd. Euro sein. Die durchschnittliche von den Experten prognostizierte Wachstumsrate liegt bei 15 Prozent pro Jahr. Neben der guten wirtschaftliche Situation wird diese Entwicklung stark getrieben von der zunehmenden Digitalisierung, die den Kauf im Internet mit all seinen Möglichkeiten von der Bestellung per Smartphone über die Sendungsverfolgung: Stichwort Transparente Lieferkette, bis hin zu den mittlerweile vielzähligen Bezahlsystemen äußerst komfortabel macht. Jetzt ist „nur“ noch die Zustellung gefordert. FAHRRAD, DROHNE, LIEFERROBOTER ODER WAS? Die Zahlen der KEP-Studie führen uns das (Luxus-)Problem deutlich vor Augen: Soll das aktuelle und erst recht das zukünftige Sendungsaufkommen effizient bewältigt werden, d. h. das richtige Paket, zur richtigen Zeit beim richtigen Kunden sein, dann ist der Einsatz wirksamer Konzepte und Technologien unabdingbar. Bereits erwähnt wurde, dass an Hochschulen, in Unternehmen und in Kooperationen beider intensiv an innovativen Lösungen zur effizienten Bewältigung der letzten Meile gearbeitet wird. Bei den schon existierenden technischen Systemen scheint, zumindest momentan, die einfache Lösung die beste zu sein. So erlauben zum mobilen Minilager entwickelte Fahrradkonstruktionen auf einfache Weise und emissionsfrei die Zustellung in Städten und Ballungsgebieten. Auch wenn die E-Bike-Technik hier für einen größeren Zustellradius und auch größere zu transportierende Mengen sorgt, so ist das Rad sicherlich nicht das alleinige Allheilmittel. 02 In Göttingen erprobt Hermes Germany die Zustellung von Paketen per Elektromobil 03 Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts in Berlin nutzen DHL Paket und Volkswagen 50 VW Polo als mobile Lieferadresse 03 REINER WESSELOWSKI, HERAUSGEBER F+H Digitalisierung, urbane Logistik und effiziente Lieferprozesse auf der letzten Meile sind der Stoff aus dem die Zukunft im KEP-Bereich ist Auch der Drohneneinsatz – der in der Intralogistik, für z. B. Aufgaben der Inventur von Lagerbeständen schon Einzug in den Alltag gefunden hat (s. hierzu Titelstory in f+h 7/8-2017, S. 12 bis 14) – ist auf der letzten Meile, trotz erfolgreich absolvierter Einsätze, u. a. der Deutsche Post DHL Group sicherlich noch Zukunftsmusik; zumindest in dichter besiedelten Gebieten. Aber natürlich muss man die Zukunft im Auge haben, und so testen auch Unternehmen wie Amazon in England, DPD in Frankreich und UPS in den USA den Einsatz von Drohnen für die Zustellung von Paketen. Nicht einfach hat es auch der Lieferroboter. Konzeptionell und technisch ebenso innovativ wie die Drohne ist auch hier der zeitnahe Echtbetrieb noch nicht in Sicht. Zwar stimmen die Test-Einsätze z. B. des Pizza-Lieferdiensts Domino´s und des Lieferserivce Foodora, Delivery Hero sowie des KEP-Dienstleisters Hermes und anderer zuversichtlich, machen aber auch die Hemmnisse des Einsatzes deutlich. Was passiert z. B. mit dem Roboter, wenn Gegenstände auf dem Gehsteig liegen, Baustellen oder abgestellte Fahrräder (hoffentlich nicht die eines KEP-Dienstleisters) den Weg versperren oder Einfahrten zu kreuzen sind? Mit den zur Verfügung stehenden Technologien der Sensorik sowie der Information und Kommunikation sicherlich kein unüberwindbares Hindernis. Dennoch bleiben sowohl bei der Drohne als auch beim Lieferroboter Fragen der Sinnhaftigkeit und letztlich auch der Umsetzbarkeit in großem Stil. Dazu kommt die Frage nach der Akzeptanz gegenüber diesen Transportsystemen bei den Menschen. Kurzum: Die Aktivitäten zur Verbesserung des Lieferservice aufgrund des hohen Paketaufkommens gehen sicherlich in die richtige Richtung. Allerdings sind diese, nach momentaner Einschätzung, noch nicht in allen Dimensionen reif für den breiten Praxis-Einsatz auf der letzten Meile. Aber: Wäre dieser Bericht in vielleicht drei oder fünf Jahren geschrieben worden, sähe das mit Sicherheit, vielleicht, möglicherweise oder auch nicht anders aus. Reiner Wesselowski Fotos: Aufmacherfoto und 01 Fotolia, 02 Hermes, 03 DHL, Foto S. 23 oben f+h www.foerdern-und-heben.de f+h 2017/10 23

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