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f+h fördern und heben 10/2017

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f+h fördern und heben 10/2017

›› VOR EINEM

›› VOR EINEM PRAXISEINSATZ VON ZUKUNFTSLÖSUNGEN MÜSSEN THEMEN WIE DATEN- UND RECHTSSICHERHEIT SERIÖS GEKLÄRT SEIN Die Entwicklung Ihrer Produkte wird geprägt von den Ansprüchen der Kunden. Welche generellen Ansprüche dominieren die Forschungs- und Entwicklungsarbeit Ihres Unternehmens? Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen rein technischen Innovationen und Marktbedürfnissen. Technische Neuentwicklungen zeigen Möglichkeiten und neue Wege auf – aber im Zentrum einer Innovation muss der Marktbedarf beziehungsweise das generische Kundenproblem stehen. Generell zählen dazu Themen wie Wirtschaftlichkeit, Ergonomie, Flexibilität, das Beherrschen von breiten Artikelspektren oder das Bedienen von unterschiedlichen Verkaufskanälen. Gesamthaft betrachtet sucht der Kunde nach Lösungen, um selbst seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern. Letztendlich geht es somit um Gesamtlösungen und betrifft alle Aspekte wie das Design, die physikalische Ausprägung, die Prozesse, die Integration der Lösung in den Organismus des Kunden sowie den Betrieb der Anlage. Welche technische Innovation der letzten Zeit in der Intra logistik halten Sie für überflüssig? Interessante Frage! Ohne hier spezifische Beispiele herauszuheben ist es sicher richtig, dass nicht alles, was entwickelt oder innoviert wird, sofort umgesetzt wird respektive Kundennutzen liefert. Entscheidend ist aber, dass wir uns als Anbieter immer am Kunden und dessen Bedarfslage orientieren. Dieser Fokus ist äußerst hilfreich, um Blindleistungen zu verhindern – und dort zu innovieren, wo man als Anbieter wirklich einen Beitrag zum Erfolg des Betreibers leisten kann. Aufgrund der weltweiten Verflechtung der Märkte sind die Logistik und damit auch die Intralogistik zur Triebfeder des Erfolgs international agierender Unternehmen geworden. Welche Bedeutung hat das Thema Internationalisierung für Ihr Unternehmen? Unsere Kunden sind Stand heute hauptsächlich in Europa und Nordamerika zu Hause. Zudem realisierten wir auch schon Projekte in Singapur und vergleichbaren Märkten. Ausgehend von unserem Erfolg in Europa und Nordamerika führen wir mittlerweile auch konkrete Gespräche in neuen Regionen. Traditionell machen wir dies als Familienunternehmen Schritt für Schritt. Projektgeschäft ist in hohem Maße Vertrauenssache, und daher nehmen wir uns die Zeit, die es braucht, um Kunden, Kulturen und Rahmenbedingungen in Zukunftsmärkten substanziell zu verinnerlichen. In unserer Gesellschaft diskutieren wir zurzeit über autonomes Fahren im Straßenverkehr. Gleichzeitig sitzen in einem Leitstand eines Logistikzentrums Mitarbeiter und überwachen den Anlagenbetrieb. Verlieren wir bei der Euphorie um das Thema Digitalisierung die wahren Probleme aus dem Blick? Die Frage ist fair. Ich denke, wir müssen uns noch ein wenig gedulden, bis aktuelle Visionen – zum Beispiel im Straßenverkehr – durchgängig umgesetzt sind. Da wird sich die berühmte Spreu noch etwas vom Weizen trennen müssen, aber die Richtung ist eindeutig und das wird auch so kommen. In der Intralogistik, und vor allem bei dem von Ihnen angesprochenen Beispiel, wird und muss es deutlich schneller gehen. Wichtig für Endanwender und Betreiber: Vor einem Praxiseinsatz von Zukunftslösungen wie Endto-End-Logistik oder Cobots müssen Themen wie Datensicherheit und Rechtssicherheit seriös geklärt sein – aber der Weg hin zu mehr Selbststeuerung, besserer Nutzung von Daten und Algorithmen, lernenden Systemen sowie einem höheren Maß an End-to- End-Integration ist heute schon beschritten. Konkrete Lösungen bieten wir bereits an und setzen diese in der Praxis schon ein. Vor kurzem haben Sie mit dem Wibot ein autonomes Pickfahrzeug vorgestellt. Wird Witron damit auch zum Flurförderzeughersteller? Nein, unser Fokus ist nicht das Fahrzeug als solches, sondern der integrierte Gesamtprozess. Und der besteht aus Themen wie: optimales Picken, eine dynamische optimale Pickfront, der integrierte beziehungsweise automatische Nachschub, die optimale Nutzung von Ressourcen und so weiter. Der Wibot ist dabei Teil des Gesamtsystems Efficient Mobile Picking – und steht immer im Kontext mit Themen wie Order-Management, Nachschub, Pickface-Profiling und vieles mehr. Efficient Mobile Picking ist somit eine hochinteressante und wirtschaftliche Lösung für semiautomatische Anwendungen. Sie setzen in Ihren Anlagen und Systemen primär Stromschienen ein. Was spricht gegen die Verwendung von Energieketten? Bei Witron werden zur Energieübertragung Schleifleitungen und zur Datenübertragung Datenlichtschranken eingesetzt. Bezugspunkt sind hochdynamische Förderelemente wie Regalfahrzeuge, Verschiebewagen und Senkrechtförderer, wo Geschwindigkeiten von sechs Meter pro Sekunde und mehr bei hohen Beschleunigungen erreicht werden. Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass Energieketten wirtschaftlich und technisch derzeit keine Alternative sind – obwohl einige Hersteller an neuen Techniken arbeiten. Unter den genannten Rahmenbedingungen haben Energieketten einen höheren Verschleiß bei der Kette selbst, den stationären Anschlusspunkten und den Kabeln aufgrund der vielen schnellen Bewegungsvorgänge. Auch das Thema Geräuschentwicklung spricht gegen Schleppketten, da unsere Anwendungen vielfach in unmittelbarer Nähe von Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Letztendlich sind auch das Gewicht und die Krafteinleitung der Energiekette auf die Geräte zu erwähnen. Unsere technischen Lösungen zielen darauf ab leichte, hochdynamische Förderelemente zu schaffen – zusätzliches Gewicht und Krafteinleitungen sind vor diesem Hintergrund kontraproduktiv. Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h 70 f+h 2017/10 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME HELMUT PRIESCHENK Geschäftsführer der Witron Logistik + Informatik GmbH Logistik 4.0 trifft Industrie 4.0 Im April in Hannover! 23. – 27. April 2018 Hannover ▪ Germany cemat.de #cemat18 Treffen Sie uns auf dem BVL-Kongress, Stand FP03 Parallel zur Weltleitmesse der Industrie World’s leading trade show for intralogistics & supply chain management

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