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f+h fördern und heben 10/2018

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f+h fördern und heben 10/2018

AUF DEM WEG ZUM

AUF DEM WEG ZUM KOMPLETTANBIETER INNOVATIVER ANTRIEBSSYSTEME Vor etwa einem Jahr hat die Deutz AG die Torqeedo GmbH übernommen. Mit der Akquisition des Systemlösungsspezialisten für integrierte elektrische sowie hybride Bootsmotoren hat sich der Hersteller von Verbrennungsmotoren Know-how in Sachen Elektromobilität ins Haus geholt. Ende September wurden nun Ergebnisse der Zusammenarbeit vorgestellt. Wir haben uns für Sie die voll funktionsfähigen Antriebs-Prototypen im Live-Betrieb angesehen. Mit der Übernahme der Torqeedo GmbH ist Deutz im September 2017 in die Elektrifizierung seiner Produktpalette gestartet. Das Know-how des neuen Partners bietet dabei die Grundlage für künftige Entwicklungen im Off-highway-Kerngeschäft bei Deutz. Vermarktet werden die Entwicklungen unter dem Begriff E-Deutz. Hinter E-Deutz steckt ein Elektrifizierungsbaukasten, bei dem Kunden modular aus konventionellen und elektrischen Antriebskomponenten eine Kombination für ihre Applikation wählen können. Die einzelnen E-Deutz- Komponenten sind dabei hinsichtlich Leistung und Kapazität skalierbar. Ziel ist eine Effizienzsteigerung, die Gesamtbetriebskosten, Kraftstoffverbrauch und Emissionen gleichermaßen senkt. Als erstes Resultat dieses Baukastens hatte das Unternehmen einen Hybrid-Antrieb als Demonstrator, bestehend aus einem Dieselmotor, einer E-Maschine, darauf abgestimmter Leistungselektronik und einem Batterie-Pack, im Rahmen der Baumaschinenfachmesse Intermat im April 2018 in Paris vorgestellt. Um die Leistungsfähigkeit der E-Antriebe auch live im Einsatz zu demonstrieren, hat Deutz zwei Versuchsträger aufgebaut. Dazu wurden zwei Teleskopstapler vom Typ Liebherr TL 432-7, die serienmäßig 34 f+h 2018/10 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME ›› WINFRIED BAUER, CHEFREDAKTEUR F+H Das Deutz-Team vermittelte den Eindruck eines Start-ups mit 100-jähriger Geschichte mit einem 74-kW-Dieselmotor (Fabrikat: Deutz, Typ: TCD 3.6) angetrieben werden, in Köln auf einen hybriden und einen vollelektrischen Antrieb um gerüstet. Deutz-Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Hiller erklärt: „Ein interdisziplinäres Team von Torqeedo- und Deutz-Ingenieuren hat innerhalb von sechs Monaten unser Antriebskonzept in zwei Prototyp-Maschinen integriert. Wir zeigen damit, dass wir die Technologie beherrschen und marktfähige Elektrifizierungslösungen anbieten können. Ein funktionsfähiges System im Betrieb ist immer noch der beste Kompetenzbeweis.“ HYBRID ODER VOLLELEKTRISCH: ANTRIEBE FÜR TELESKOPEN Für den Aufbau des batterieelektrischen Hybriden hat das E-Deutz- Team zunächst den Verbrennungsmotor auf einen Deutz TCD 2.2 mit einer Leistung von 56 kW „gedownsized“ und um eine 20 kW starke E-Maschine auf 48-V-Basis ergänzt. Die Systemleistung beträgt somit 76 kW. Die mechanische Anbindung der E-Maschine an den Verbrennungsmotor geschieht über ein Getriebe mit integrierter Trennkupplung. Damit lässt sich der Verbrennungsmotor vom elektrischen System abkoppeln und das Flurförderzeug kann auch rein elektrisch arbeiten. Die Energie dafür wird durch eine Lastpunkt anhebung des Verbrennungsmotors generiert und in einer Batterie mit einer Kapazität von 10 kWh gespeichert. Grundsätzlich ist das Einsparpotenzial abhängig vom Lastzyklus und der jeweiligen Betriebsdauer der Applikation. In dieser typischen Teleskopstapler-Anwendung ließ sich bis zu 15 Prozent Kraftstoff einsparen. Die Investition amortisiert sich dabei bereits innerhalb der ersten beiden Jahre. Der Antrieb des vollelektrischen Versuchsträgers wird auf Basis einer Systemspannung von 360 V betrieben. Der Diesel wurde dabei vollständig durch eine E-Maschine (Leistung: 60 kW) ersetzt. Um den Antrieb stets mit ausreichend Energie zu versorgen, haben die E-Deutz-Spezialisten dem Teleskopen eine starke Batterie spendiert – mit einer Kapazität von 30,5 kWh sind auch lange Einsätze bei hoher Last kein Problem. Der vollelektrische E-Deutz-Antrieb bietet vor dem Hintergrund der Luftreinheitsproblematik in Ballungsräumen großes Potenzial, da dieser einen lokal emissionsfreien Betrieb ermöglicht. Neben der vollständigen Vermeidung von Abgasen, werden außerdem auch die Geräuschemissionen gesenkt. Die beiden vorgestellten Versuchsträger sind voll funktionstüchtig. Deutz hat damit den Know-how-Transfer absolviert und die E-Technologie gemeinsam mit dem Partner Torqeedo auf sein Offhighway-Kerngeschäft übertragen. Die Maschinen demonstrieren exemplarisch die flexiblen Einsatzmöglichkeiten des E-Deutz-Baukastens. ERSTES KUNDENPROJEKT UMGESETZT Mit dem Flurförderzeughersteller Manitou hat Deutz bereits den ersten Kunden für das E-Deutz-Portfolio gefunden. Das Unternehmen ließ zwei Teleskoplader jeweils mit einem hybriden und einem vollelektrischen Antrieb ausrüsten. Fotos: f+h, Karte auf S. 35: Stepmap, 123map. Daten: Openstreetmap, Lizenz: ODbL 1.0 www.deutz.com

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