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f+h fördern und heben 10/2019

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f+h fördern und heben 10/2019

F+H EXPERTENGESPRÄCH

F+H EXPERTENGESPRÄCH SMART WIRD DIE LETZTE MEILE ERST DANN, WENN WIR DIE ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN DATEN IN ECHTZEIT NUTZEN Markus Schmermund Container, der als Paketdepot genutzt werden sollte, im Stadtgebiet abzustellen. Gedauert hat das Genehmigungsverfahren 3,5 Jahre. So kommt man natürlich nicht voran. Christian Jacobi: Wenn sich Logistiker entscheiden, Mikro- Depots einzurichten, ist im Vorfeld eine genaue Analyse über die Bedarfe unerlässlich. Neben Logistikunternehmen gehören Stadtplaner und weitere Vertreter der Stadtverwaltung, die Wirtschaftsförderung sowie politische Entscheidungsträger mit an den Tisch. Wenn man dann die Bedarfe ermittelt und die Rahmenbedingungen des städtischen Umfelds bewertet hat, lässt sich über entsprechende Geschäfts- und Betreibermodelle nachdenken. So gibt es zum Beispiel auch von zahlreichen mittelgroßen Städten die Überlegungen, Umschlagstationen, Mikro-Depots und Paketstationen zu installieren, die von mehreren KEP-Dienstleistern genutzt und gegebenenfalls betrieben werden. Werner Gliem: UPS hat an verschiedenen Stellen in Hamburg Container abgestellt und liefert von dort aus per Lastenrad Pakete aus. Der Dienstleister behauptet, das Projekt sei kostendeckend. Dies ist es aber nur, weil die Stadt Hamburg die Flächen kostenlos zur Verfügung stellt. Und was man in diesem Kontext auch bedenken muss: Die Zustellung wird noch einmal gebrochen und jeder Bruch in der Supply Chain kostet Geld, das der Verbraucher auf- 02 Anspruchsgruppen und Steuerer der Stadt Öffentliche Verwaltung / Politik Stadt und Verwaltung: Wirtschaftsförderung Stadt- und Verkehrsplanung Wissenschaft Umweltamt EU/Bund/Land Bauamt Immobilien Eigentümer Dienstleister Projektentwickler Investoren Bürger Mieter Arbeitnehmer Genießer Internetkäufer Logistik Logistikdienstleister KEP-Dienstleister Ausliefer Services Baustellenverkehr Handel + Industrie + Handwerk Stationärer Handel Handwerk E-Commerce Kammern Industrie Verbände 12 f+h 2019/10 www.foerdern-und-heben.de

ingen muss. Das heißt, man muss dem Verbraucher auch klar machen, dass Logistik einen Wert besitzt. Und wenn man dann in den Umschlagpunkten Technik einsetzt, die wir definitiv brauchen, verteuert dies die Paketzustellung ebenfalls. Christian Jacobi: Gefordert sind ganzheitliche Konzepte für die städtische Logistik und Mobilität mit nachhaltigen Lösungen. Die ersten Städte machen sich zum Beispiel Gedanken darüber, wie sich der ÖPNV in Zeiten geringen Fahrgastaufkommens für den Warenverkehr nutzen lässt. Markus Schmermund: Lassen Sie mich auf den von Herrn Gliem angesprochenen Technologieeinsatz in den Umschlagpunkten eingehen. Technologisch können wir immer Lösungen bieten. Als Beispiel nenne ich an dieser Stelle den elektrischen Niederhubwagen Citi one, der ideal für schnelle Warenauslieferungen mit dem Lkw ist und dabei effiziente Prozesse sicherstellt – auch dann, wenn die Straße beziehungsweise der Fußgängerweg uneben und eng sind. Eine weitere Lösung ist das vom Unternehmen Dematic entwickelte „Pack my Ride“- System. Mit dessen Hilfe lassen sich Pakete vollautomatisiert vom Verladekopf bis ins Zustellfahrzeug bringen, und das auf minimalster Fläche. Für Städte ist diese Lösung durchaus attraktiv, weil für Paketdepots keine großen Flächen bereitgestellt werden müssen. Unter Umständen lassen sich auch Bestandsgebäude nutzen. Derartige Lösungen bringen einen echten Mehrwert und werden demzufolge auch auf Akzeptanz am Markt stoßen. Christian Jacobi: Das sehe ich ebenso. Intralogistische Lösungen sind problemlos auf die Erfordernisse der urbanen Logistik adaptierbar. Aus meiner Sicht kommt es aber auf das erwähnte Gesamtkonzept an, das nicht nur aus intelligenten Einzellösungen besteht, sondern in sich stimmig und nachhaltig ist. Und das nicht nur mit Blickrichtung E-Commerce, sondern auch in Sachen stationärer Handel und Filialhandel. Die Herausforderungen der Zustellung auf der letzten Meile ohne diese Marktteilnehmer anzugehen, wäre ein Fehler. Die zu implementierenden Systeme müssen alle Bürger abholen und der Nutzen für alle verständlich sein. Genau diese Systeme zum Leben zu erwecken, ist weniger eine technologische, als vielmehr eine Herausforderung der exakten Beschreibung und Aufsetzung von Prozessen, die das gemeinsame Verständnis aller involvierten Stakeholder trifft. Kai-Oliver Schocke: Es ist völlig unstrittig, dass wir lokale Depots in den Städten brauchen, die mit einer funktionstüchtigen Intralogistik ausgerüstet sein müssen. Für die DIE KEP-DIENSTLEISTER WERDEN IN DER ÖFFENTLICHEN DISKUSSION AN DEN PRANGER GESTELLT, WEIL IHRE FAHRZEUGE IN DEN STÄDTEN AUFFALLEN Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke

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