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f+h fördern und heben 10/2019

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f+h fördern und heben 10/2019

F+H EXPERTENGESPRÄCH 03

F+H EXPERTENGESPRÄCH 03 Urbane Logistik: Die Technologie ist soweit – das Angebot ist groß! Kategorien Konsolidierungskonzepte Sammlung umfasst aktuell über 150 internationale Beispiele z.B. Güterverkehrszentren, Urban Hubs, City Depots Wirkbereiche & zu beachtende Voraussetzungen (Auswahl) Wirtschaftliche Effekte Warenübergabesysteme Verkehrssteuerung Fahrzeugflotten z.B. Paketstationen, Lieferboxen, Abholung aus dem E-Truck z.B. Nachtanlieferung, Smarte Navigation zur Warenanlieferung, Vorrangrouten, Einfahrverbote, Ladezonen z.B. Elektromobilität o. ä. alternative Antriebe, Lastenfahrräder Verkehrliche Effekte Ökologische Effekte Raumrelevante Effekte und Eignung Integration in logistische Strukturen / Prozesse ... ... ... Anbieter von Lager- und Materialflusstechnik birgt der Bereich ein großes wirtschaftliches Potenzial. Wir müssen es schaffen, in Städten Leuchtturmprojekte zu installieren, über die sich dann die Möglichkeiten der Konzepte einschließlich der dafür notwendigen Technologie anschaulich beschreiben lassen. Die Herausforderung des Megatrends Urbanisierung ist ja kein deutsches Phänomen. Unsere wirtschaftliche Stellung in der Welt basiert vielfach auf der Technologieführerschaft. Wir müssen die Lokomotive sein, die das Thema Konzepte und Lösungen für die urbane Logistik in Höchstgeschwindigkeit in eine erfolgreiche Zukunft fährt. Welchen Stellenwert genießt die Immobilie im Rahmen der urbanen Logistik? Kai-Oliver Schocke: Ohne die Immobilie, gibt es keine Lösung. Das Konzept des Mikro Hubs ist in vielen Bereichen das richtige; den Prozess der Paketzustellung noch einmal zu brechen und die Sendung auf der letzten Meile auf andere Art und Weise auszuliefern. Hierbei gilt es aber grundsätzlich zwischen Bestandsquartieren und neuen Stadtteilen zu unterscheiden. In einem Neubaugebiet Depots in die Planung einzubeziehen, sollte kein Problem sein. Anders verhält es sich bei gewachsenen Stadtteilen beziehungsweise, wenn Bestandsimmobilien in Konzepte der urbanen Logistik integriert werden sollen. Denkbar wäre, in Kaufhäusern nicht mehr für den Verkauf benötigte Flächen entsprechend umzuwidmen oder Bereiche von Parkhäusern als Mikro-Depot, ausgestattet mit entsprechender Intralogistik, zu nutzen. Markus Schmermund: Der Immobilieneigentümer wird von einer Umwidmung dieser Flächen nicht begeistert sein. Mit einer Ladenfläche erwirtschaftet der Eigentümer einen höheren Mietpreis pro Quadratmeter als dies bei einer Logistikfläche möglich ist. Wenn wir an dieser Stelle seitens der Immobilienwirtschaft auf mehr Verständnis stoßen würden, würde uns dies weiterbringen, denn wir als Intralogistiker haben genügend Lösungen parat. Aber wir werden auch durch behördliche Rahmenbedingungen eingeengt. Lassen Sie mich dies an zwei Beispielen erläutern. Amazon hat mit einer ehemaligen Ladenfläche in Hamburg einen idealen KONZEPTE DER URBANEN LOGISTIK REALITÄT WERDEN ZU LASSEN, SCHEITERT DERZEIT NICHT AN MANGELNDER TECHNIK, SONDERN AN DEN RAHMENBEDINGUNGEN Werner Gliem 14 f+h 2019/10 www.foerdern-und-heben.de

Standort für ein Mikro Hub gefunden; ideal im Sinne Planung, Gegebenheiten für die materialflusstechnische Ausstattung und vor dem Aspekt Erreichbarkeit der potenziellen Kunden. Die Stadt Hamburg hat dem Internet-Versandhändler aber verwehrt, diese Fläche anzumieten und daraus eine Logistikfläche zu formen. Vielmehr hat man Amazon angeboten, sich auf einem Grundstück, auf einer Insel in der Elbe gelegen, anzusiedeln; mit den Folgen einer enormen Verkehrsbelastung für die Hansestadt. In einem anderen Projekt, ebenfalls in Hamburg, hatten wir die Idee, in einem Bestandsgebäude ein Vertikalumlaufregal zu integrieren. Das Gebäude hätte sich optimal für einen Paketdepot geeignet. Der Systemanbieter hätte die Anlage sogar kostenlos, sozusagen als Labor bereitgestellt, um gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Aber wir haben keine Baugenehmigung bekommen. Werner Gliem: Es mangelt nicht an der Technik, sondern an den Rahmenbedingungen – dies ist auch meine Erfahrung. Untermauern lässt sich diese Aussage anhand der Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojekts von Jones Lang LaSalle und Agiplan. In einem Karstadt-Kaufhaus, zentral gelegen in Berlin, haben wir verschiedene Kommissionierverfahren dahingehend untersucht, ob sich die dafür erforderliche Technik problemlos in ein Nicht-Gewerbe-Bestandsgebäude integrieren und wirtschaftlich betreiben lässt. Da die Kommissionierung teilweise über verschiedene Etagen des Bestandsgebäudes angesiedelt sein kann, wurde auch dieses Szenario bei dem Projekt untersucht. Zum Wechseln der Stockwerke haben die Mitarbeiter mit ihren Kommissionierwagen die vorhandene Gebäudeausrüstung, also Fahrstühle genutzt. Als Ergebnis lässt sich konstatieren: Die operativen Kosten steigen nicht bei einer Mehrgeschossigkeit. Kai-Oliver Schocke: Antworten auf Fragestellungen wie Nutzungsänderungen oder Brandschutz sowie Anpassungen im Baurecht von Bestandsimmobilien durchzuführen, sind nur eine Frage der Zeit. Die Verantwortlichen auf allen Seiten sehen den Bedarf und verstehen, dass die von uns diskutierten Konzepte an anderer Stelle zur deutlichen Entlastung beitragen. Christian Jacobi: Nicht mehr benötigte Flächen in Kaufhäusern, Postämtern oder Parkhäusern als Logistikareale zu nutzen, hat für mich auch den Charme, dass diese Gebäude in der Regel über die erforderliche logistische Infrastruktur und baulichen Voraussetzungen verfügen. Hierzu zählen zum Beispiel Ladezonen, Rampen oder Lastenaufzüge. Um diese Immobilien dann aber auch sinnvoll in ein logistisches Netzwerk einbinden zu können, gehört die Anlieferung in Tagesrandzeiten oder die Nachtanlieferung. Und damit komme ich wieder zu dem Punkt: Wir müssen bereit sein umzudenken. Im Themenkreis Urbane Logistik der Bundesvereinigung Logistik bereiten wir derzeit zum Beispiel einen offenen Brief an das Bundesverkehrsministerium vor. Zu den Absendern des Briefs gehören neben Vertretern des Handels, der KEP- und Logistikdienstleister sowie beteiligter Verbände auch die Städte. Inhalt des Schreibens ist der Vorschlag, die für eine geräuscharme Nachtanlieferung erforderlichen Prozesse und Technologien zu zertifizieren, um die Umsetzung und Genehmigung zu beschleunigen. Die Zertifizierung schafft die Akzeptanz seitens der Wirtschaft, der Verwaltung und der Politik. Gesprächsmoderation: Reiner Wesselowski, Herausgeber f+h, und Winfried Bauer, Chefredakteur f+h Fotos/Grafiken: f+h, Agiplan TURNKEY LOGISTIC SYSTEMS. Schlüsselfertige Gesamtlösungen für die Intralogistik. • Logistikplanung • Systemintegration • Lagertechnik • Transportsysteme • Automatisierungstechnik • Lagerverwaltungssystem UniWare • Anlagenmodernisierung • Energieeffizienz Unitechnik Systems GmbH Fritz-Kotz Straße 14, D-51674 Wiehl Details und Referenzen unter www.unitechnik.com www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/10 15

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