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f+h fördern und heben 10/2019

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f+h fördern und heben 10/2019

F+H EXPERTENGESPRÄCH

F+H EXPERTENGESPRÄCH URBANE LOGISTIK: VIELE AKTEURE – EIN ZIEL Die Landflucht und damit einhergehend das Bevölkerungswachstum in den Städten sowie der Wandel im Konsumverhalten erfordern neue logistische Konzepte. In den Fokus rückt dabei die urbane Logistik. Welche Lösungen sind diesbezüglich möglich? Wie steht es um die Bereitschaft, diese Lösungen konkret umzusetzen? Wer muss in Konzepte der urbanen Logistik integriert werden, damit sich die damit verbundenen Ziele überhaupt erreichen lassen? Und welche Rolle kann die Intralogistik dabei spielen? Dies waren die Fragestellungen, die die Redaktion f+h mit Experten aus unterschiedlichen Disziplinen diskutierte. 8 f+h 2019/10 www.foerdern-und-heben.de

PERSPEKTIVEN DIE GESPRÄCHSTEILNEHMER WERNER GLIEM ist Senior Team Leader Business Development Industrial Agency der Jones Lang LaSalle SE, Frankfurt DR.-ING. CHRISTIAN JACOBI ist Geschäftsführender Gesellschafter der Agiplan GmbH, Mühlheim/Ruhr MARKUS SCHMERMUND ist Vice President Automation & Intralogitics Solutions LMH EMEA der Linde Material Handling GmbH, Aschaffenburg Teilweise erinnern die Lösungen für die urbane Logistik an die Ende der 90er-Jahre diskutierten Konzepte der City Logistik. Warum wurde die City Logistik seinerzeit nicht weiterverfolgt? Kai-Oliver Schocke: City-Logistik-Projekte waren öffentlich geförderte Vorhaben. Als die öffentliche Förderung auslief, wurden diese Projekte nicht weitergeführt. Christian Jacobi: Darüber hinaus gab es weitere Faktoren, die zum Scheitern der City-Logistik-Idee beigetragen haben. Zum einen der Mangel und die Qualität von Daten. Seinerzeit war die Informationstechnologie einfach noch nicht so weit, dass man den Datenaustausch für die unternehmensübergreifende und schnelle Vernetzung so gestalten konnte, wie er für die Realisierung derartiger Projekte nötig gewesen wäre. Des Weiteren hätte die City Logistik von den einzelnen Akteuren ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft verlangt. Dazu war man aber nicht in dem erforderlichen Umfang bereit. Markus Schmermund: In einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen, Herr Doktor Jacobi. Den Paketdienstleistern standen auch schon damals alle Daten zur Verfügung, die es gebraucht hätte, um derartige Ansätze zum Laufen zu bringen. Aber bei den Paketdienstleistern stand und steht zunächst einmal das eigene Geschäft im Vordergrund. Hinzu kam, wie Herr Professor Schocke bereits ausführte, dass die politischen Entscheidungsträger das Thema ausschließlich über Fördermittel unterstützt haben – eine tiefergehende Beschäftigung mit den vorgelegten Konzepten fand damals einfach nicht statt. Ferner war der Einzelhandel noch PROF. DR. KAI-OLIVER SCHOCKE ist Professor für Produktionsmanagement und Logistik, Frankfurt University of Applied Sciences nicht bereit, sich mit dem Thema City Logistik eingehend auseinander zu setzen. Mittlerweile hat es aber aus verschiedenen Gründen einen Paradigmenwechsel gegeben. Einer der Haupttreiber in diesem Kontext war und ist der Konsument, der heutzutage eine ganz andere Rolle einnimmt. Sozusagen wird der Einzelhandel maßgeblich vom Verbraucher getrieben, was in einer Änderung der Perspektivenfrage mündete. Dieses Ökosystem schlichtweg als Ganzes zu betrachten, hat vor 20 Jahren niemand getan. Werner Gliem: Auch der Leidensdruck ist größer als damals. Bei den Themen wie Landflucht, Nachhaltigkeit sowie Schadstoffemissionen und drohender Verkehrsinfarkt in den Städten, wird der Druck jetzt langsam so groß, dass etwas geschehen muss. Christian Jacobi: Welche Stadt verspürt denn aktuell einen hohen Leidensdruck? Wo zeigt die Staatsanwaltschaft tatsächlich einen Bürgermeister an, weil er bestimmte Verkehrsthemen und damit verbundene Schadstoffgrenzwerte nicht im Blick hat? Das ist doch bei weitem nicht der Fall. Allerdings, und da gebe ich Ihnen Recht, Herr Gliem, wirken auf die Städte vielfältige Einflussfaktoren ein. Da ist zu allererst der Bürger, der nahe an seinem Arbeitsplatz wohnen möchte und der Bürger, der für sich entschieden hat, den Vertriebskanal E-Commerce zu nutzen. Nicht zu vergeswww.foerdern-und-heben.de f+h 2019/10 9

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