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f+h fördern und heben 11/2015

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MATERIALFLUSS Tradition

MATERIALFLUSS Tradition und Fortschritt verknüpfen Die Beumer Group präsentiert sich mit breiter Geschäfts- und Innovationsstrategie Auf ihren diesjährigen Fachpressetagen konnte die Beumer Group ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 konstatieren. Entsprechend optimistisch schaut die Unternehmensführung auch kommenden Herausforderungen entgegen. Mit Blick auf das 80-jährige Firmenjubiläum Ende des Jahres, fühle man sich schließlich der Tradition als innovationsbewusstes, zukunftsorientiertes Unternehmen verpflichtet. „2015 ist für uns ein ganz besonderes Jahr“, mit diesen Worten eröffnete Dr. Christoph Beumer (Bild 01), geschäftsführender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung der Beumer Group, die diesjährigen Fachpressetage seines Unternehmens. „Wir feiern unser achtzigjähriges Bestehen.“ 1935 hatte sein Großvater Bernhard Beumer das Unternehmen als Maschinenfabrik in Beckum gegründet; heute ist die Beumer Group als Systemlieferant mit einem Auslandsanteil von mehr als 85 Prozent für den Weltmarkt tätig. Beumer: „Unser Erfolg ist nur möglich, weil wir uns auf unsere unternehmerischen Kernkompetenzen konzentrieren, innovativ sind und die Internationalisierung strategisch und konsequent vorangetrieben haben.“ Eigene Synergien nutzen Als Bernhard Beumer vor 80 Jahren das Unternehmen gründete, kamen die ersten Aufträge aus der westfälischen Zementund Kalkindustrie und vom Bergbau des Ruhrgebiets. Diese Industrien gehören auch heute noch zu den wichtigsten Kunden des Unternehmens. „Wir unterstützen als Systemlieferant und Komplettanbieter von Förder-, Belade-, Abfüll-, Palettier- und Verpackungsanlagen international tätige Zementkonzerne“, so Kay Wieczorek, Sales Manager OEM & Technical Centers, Beumer Group, in seinem einleitenden Vortrag. Im neu geschaffenen Kompetenz- Zentrum Zement bündelt der Hersteller das Know-how aller Niederlassungen der Unternehmensgruppe, die in diesem Bereich aktiv sind. Weil Betreiber immer höhere Anforderungen an die Maschinenverfügbarkeit und damit an den Kundenservice stellen, hat Beumer den Customer Support zu einem eigenständigen Geschäftsfeld entwickelt und ausgebaut. „Wir bieten verschiedene Dienstleistungen an, die wir individuell auf die Kundenanforderungen abstimmen, erläuterte Kornelius Thimm, Leiter des Geschäftsbereichs Customer Support bei Beumer. Um die Arbeit der Service-Techniker zu erleichtern, beschäftigen sich die Ingenieure in der Entwicklungsabteilung mit Augmented Reality − der erweiterten Realität. „Mit einer Smart-Maintenance-App auf mobilen Endgeräten haben unsere Techniker bereits heute alle wichtigen Daten schnell zur Verfügung“, so Dr. Andreas Werner, Leiter Forschung und Entwicklung bei Beumer. Standardisiert aus dem Baukasten Nicht nur Anlagen und Systeme werden komplexer, auch intralogistische Prozesse. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, wollen Unternehmen mit ihren Prozessen rationeller und sicherer arbeiten – gleichzeitig gilt es, Arbeitsplätze ergonomischer zu gestalten. In diesem Zusammenhang haben sich bei der Entwicklung automati­ 24 f+h 11/2015

MATERIALFLUSS sierter Intralogistikanlagen vor allem Standardlösungen bewährt, die Beumer mithilfe von Baukastensystemen realisiert. „Die Betreiber wollen aber nicht mehr nur eine Maschine haben, sie möchten einen Prozess, eine Kombination mehrerer Anlagen, die optimal aufeinander abgestimmt und vernetzt sind“, so Franz-Joseph Kleigrewe, Leiter Automatisierung bei Beumer zum Thema „Was bewirkt Industrie 4.0“. Dazu hat das Unternehmen eine modular aufgebaute Software Suite entwickelt. Diese lässt sich individuell an die Aufgaben der Betreiber anpassen und an das Warehouse- Management- oder das ERP-System des Kunden anbinden. „Mit dieser zunehmenden Vernetzung und Automatisierung sind wir auf dem Weg zu Industrie 4.0“, prognostizierte der Automationsleiter. Herausforderungen im E-Commerce entsprechen Wie wichtig ein effizienter Materialfluss in Zeiten des E-Commerce ist, berichtete Thomas Wiesmann (Bild 02), Director Sales Logistic Systems bei Beumer. Denn bei dem stetig wachsenden Online-Handel habe das Lieferversprechen des Anbieters einen hohen Stellenwert. Die Beumer Group unterstütze Versandhändler und -dienstleister dabei mit Sortier- und Fördertechnik, die modular aufgebaut ist. „Die In der Verbesserung der Arbeitsplatzergonomie sehe ich ein wichtiges Merkmal des Parcel Picker Holger Seybold, Chefredakteur f+h Leistung in bestehenden Gebäuden lässt sich erhöhen, indem eine maschinenunterstützte Pulkentladung von Wechselbrücken die manuelle Entladung ablöst“, erklärte Wiesmann. Beumer habe dazu die erste Generation einer semiautomatisch arbeitenden Entlademaschine, den Parcel Picker (Bild 03), auf den Markt gebracht. Dieser soll Mitarbeiter von körperlich schwerer Arbeit entlasten und gleichzeitig die Produktivität erhöhen. Das Personal in Post- und KEP-Unternehmen könne damit unterschiedlich große und schwere Pakete, Päckchen und Versandeinheiten mit hoher Leistung aus Wechselbrücken und Trailern entladen. 01 Für Dr. Christoph Beumer sind die Säulen des unternehmerischen Erfolgs die Fokussierung auf Kernkompetenz, Innovation und Internationalisierung Effizient und sicher entladen Um den mechanisierten Entladeprozess optimal umzusetzen, besteht der Parcel Picker aus einem modifizierten stationären Teleskopförderer und einer stirnseitig angekoppelten Entladeeinheit, die sich aktiv steuern lässt. Mithilfe eines Manipulators zieht der Bediener die jeweils oben liegenden Pakete auf die Fördertechnik. Am vorderen Ende des Manipulators ist ein „Mitnehmer“ flexibel angebunden, der das beschädigungsfreie Handling der Packstücke unterstützt. Die Bedieneinheit ist ergonomisch geformt und im Schwerpunkt gewichtsneutral aufgehängt. Die Aufhängung ist zudem mit einer motorischen Höhenverstellung ausgestattet. Über eine Bedieneinheit am Arbeitspult wird dem Entladesystem die Bewegungsrichtung vorgegeben. An der Entladeeinheit ist eine Kamera angebracht, die sich beim Zurückfahren automatisch einschaltet und dabei rückwärtige Hindernisse auf einem Monitor sichtbar macht. Die Entladeeinheit wird exakt vor der Wechselbrücke oder dem Trailer positioniert. Als Orientierungshilfe dienen dabei integrierte Laserpointer. Sobald sich der vordere Teil des Parcel Pickers in der Wechselbrücke befindet, stellt sich die Lenkung auf Automatikbetrieb um. Anschließend positioniert sich die Anlage mithilfe seitlich angebrachter Abstandssensoren von selbst. Mithilfe des Manipulators werden nun einzelne Packstückstapel gegriffen und durch leichte Bewegungen auf die Förderer des 03 Der semiautomatisch arbeitende Parcel Picker ermöglicht eine effiziente Pulkent ladung ohne körperliche Anstrengung 02 Wiesmann: „Mithilfe maschinenunterstützter Pulkentladung von Wechselbrücken ist ein höherer Tor-Durchsatz möglich“ Ablagetischs gezogen. Dort werden sie zusammengeführt und als Pulkstrom an den Teleskopförderer übergeben. Um den Pulkstrom effizient zu verarbeiten, müssen die Pakete automatisch vereinzelt werden. Dazu hat der Hersteller einen Singulator entwickelt, der auf die diskontinuierliche Arbeitsweise einer Loop-Sorter-Einschleusung abgestimmt ist. Zum Einsatz kommt der Parcel Picker als halbautomatische Entladevorrichtung für lose beladene Wechselbrücken. Zusätzlich lässt sich die Maschine mit einem Modul zur automatischen Entladung von Rollbehältern ausrüsten. Wiesmann: „Bei einem durchschnittlichen Paketaufkommen und einem an der Anlage geübten Bediener sind Durchsätze von mehr als 2 500 Packstücken pro Stunde möglich.“ Fotos: Beumer Group/f+h www.beumergroup.com

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