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f+h fördern und heben 11/2015

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An Prozesssicherheit

An Prozesssicherheit gewonnen Saugspinnen mit Flächengreifern handhaben empfindliche PVC-Platten Die Profine GmbH, Pirmasens, zählt zu einem der führenden Hersteller von Fenstersystemen und PVC-Produkten. Um Platten von der Produktionslinie auf Paletten zu stapeln, setzt das Unternehmen Saugspinnen des Vakuum-Spezialisten Schmalz ein. Sie sorgen für mehr Prozesssicherheit. M it seiner ca. 120-jährigen Erfolgsgeschichte ist Kömmerling die Traditionsmarke der Profine GmbH, der International Profile Group. Mit dem Beginn der Herstellung von Kunststoffplatten im Jahr 1976 hat das Unternehmen den Grundstein für einen wichtigen Geschäftsbereich gelegt. Seit mehr als 30 Jahren zeichnen sich die PVC-Platten durch ihre Qualität und Flexibilität aus, auch international. Kömmerling produziert rd. 20 000 Tonnen Platten in unterschiedlichen Formaten und Stärken von einem bis zehn Millimeter auf mehreren Fertigungslinien. Eine Linie stellt bis zu 1 000 kg Platten pro Stunde her. Sieben verschiedene Plattenprodukte eröffnen dem Anwender unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Mit ihren individuellen Eigenschaften kommen die Erzeugnisse z. B. in den Bereichen Werbung und Messebau sowie im Bausektor und in der Industrie zum Einsatz. Mit Digitaldruck weiterbearbeitet, dienen sie z. B. für verschiedene Werbezwecke als Schilder, Displays, Wandverkleidungen oder Deckenabhängungen. Die Platten werden an einer Extrusionslinie produziert: Das Rohmaterial gelangt zunächst in den Extruder, wird abgewogen, dosiert und ggf. mit Additiven versetzt. Kalanderwalzen formen das temperierte Material vor und die Anlage zieht das PVC- Material über eine Rollbahn ab. Eine Schneidanlage sorgt für das gewünschte Plattenformat. Abstapeleinheiten stapeln die fertige Ware ab (Bild 01). Ist die Palette voll, gelangt sie per Gabelstapler zum zentralen Verpackungsplatz. Von dort aus gehen die Platten an die Handelspartner. Anwender bestellen heute rd. 80 Prozent der Platten mit einer Folie, die die Platten bei unsachgemäßem Transport oder vor äußeren Einflüssen schützt. Für das Abnehmen und Stapeln der Paletten ist die Schutzfolie oftmals eine Hürde. Denn wenn die Produkte noch warm sind, dürfen beim Ansaugen der Platten durch Vakuum keine Bläschen unter der Folie entstehen, ansonsten ist die Platte nicht mehr zu verwenden. So gestaltete sich der gängige Handhabungsprozess problematisch: Beim Abnehmen der Platten entstanden häufig Abdrücke auf der Oberfläche. Diese wurden sichtbar, sobald die Kunststoffteile digital bedruckt wurden. Aus diesem Grund musste sich Kömmerling dringend nach einer neuen Lösung umsehen. Neue Handlinglösung überzeugt In Frage kamen mehrere Anbieter. Nach ersten Kontakten mit der J. Schmalz GmbH auf Messen präsentierten die Vakuum- Spezialisten aus Glatten schließlich mit den Saugspinnen SSP, mit Flächengreifern und flexiblem Dichtschaum, einen Lösungsvorschlag (Bild 02). Der Schaum passt sich dabei an die Oberflächenstruktur der Kunststoffplatten an. „Diese Option hat uns überzeugt“, beschreibt Marko Rutz, Leitung Produktion und Logistik, Geschäftsbereich BU Halbzeuge bei der Profine GmbH. Die Projektierungsphase erforderte eine enge Kommunikation und Abstimmung. Die Lösung wurde immer weiter spezifiziert und exakt auf die Anforderungen zugeschnitten. Mit den jetzt eingesetzten Saugspinnen bleibt die Schutzfolie gleichmäßig haften und durch das feinfühlige Ansaugen entstehen keine Lufteinschlüsse mehr. Auch bei unterschiedlichen Belegungsgraden des Greifers werden die Platten aufgrund intelligenter Ventiltechnik sicher gehandhabt. „Schmalz hat in dieser Phase profundes Fachwissen bewiesen“, ergänzt Andre Scherer, Leitung Anlagentechnik im Geschäftsbereich BU Halbzeuge der Profine GmbH. Die Lösung sollte einerseits verschiedene Plattengrößen transportieren können, andererseits muss die Anlage mit einer dynamischen Geschwindigkeitsanpassung zurechtkommen. Über die Steuerung sind Fahrweg, Fahrgeschwindigkeit und die Zykluszeit zum Anheben und Ablassen der Platten individuell einstellbar 26 f+h 11/2015

MATERIALFLUSS 01 Die Vakuum-Saugspinnen im Einsatz: Abstapeleinheiten stapeln die fertige Ware auf den Paletten ab 02 Der Dichtschaum passt sich an die Kunststoffplatten an. Eine schnelle Rückstellung des Schaums ermöglicht kurze Zykluszeiten (Bild 03). Darüber hinaus ist es erforderlich, die Platten genau abzulegen. Um Ausschuss zu verhindern, dürfen z. B. keine Kanten überstehen. Für Peter Gröning, Leiter Geschäftsentwicklung und Systemhaus, Vakuum-Greifsysteme bei Schmalz, eine anspruchsvolle Aufgabe: „Unsere Spezialisten haben sich mit diesen Herausforderungen auseinandergesetzt und schließlich ein passendes System präsentiert.“ 03 Nicht belegte Saugzellen schalten automatisch ab. Der maximale Systemdruck wird erhalten Flexibel einsetzbar Der Hersteller von Fenstersystemen setzt jetzt mehrere Vakuum-Saugspinnen SSP ein, die für die Automatisierung von Handhabungsabläufen in Fertigungsprozessen konzipiert sind. Die Saugspinnen lassen sich durch ein Baukastensystem mit standardisierten, aufeinander abgestimmten Einzelkomponenten flexibel an applikationsspezifische Anforderungen anpassen. Basiskomponenten aus Aluminium, Stahlrohr und Kunststoff machen sie leicht. Dennoch bieten die Saugspinnen eine hohe Steifigkeit. Eine integrierte Systemüberwachung und Sensorik erhöhen die Prozess sicherheit. Die Saugspinne ist flexibel einsetzbar, weil sie Werkstücke unterschiedlicher Art und Größe greift. Bei Kömmerling arbeiten die Vakuum-Saugspinnen am Ende des Produktionsprozesses der PVC-Platten. Sie entnehmen die fertigen Platten mit unterschiedlichen Maßen und stapeln sie auf Paletten ab. Dabei spielt es keine Rolle mehr, welche Größe sich auf der Linie befindet. Bei der vorherigen Lösung musste bei wechselnden Formaten noch umständlich nachjustiert werden. Die Schmalz-Entwicklung nimmt verschiedene Größen und Stärken zuverlässig ab: Bis zu einem Maximalmaß von 1 560 × 4 000 mm. Die Anlage passt sich, je nach Auslastung, den unterschiedlichen Fahrwegen, Geschwindigkeiten und Zykluszeiten an. Zudem werden die Platten feinfühlig und genau abgelegt. Ein Abstehen der Platten wird verhindert und Ausschuss vermieden. Seit mehr als eineinhalb Jahren arbeitet Kömmerling mit der Lösung von Schmalz. Das Unternehmen erzielte im Vergleich zur vorherigen Lösung Kosteneinsparungen. Rutz: „Außerdem laufen die Prozesse schneller und wir schaffen einen höheren Durchsatz“. Fotos: J. Schmalz www.schmalz.com Ryll.indd 1 09.09.2015 11:13:32 f+h 11/2015 27

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