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f+h fördern und heben 11/2016

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CONTAINER-UMSCHLAG I

CONTAINER-UMSCHLAG I TITEL Applikationsspezifisch angepasst Industriegetriebe von SEW-Eurodrive stellen intelligenten Warenumschlag sicher In Rotterdam, dem größten Containerhafen Europas, wurde die Umschlagskapazität ausgebaut. Für die neuen Terminals im Hafengebiet Tweede Maasvlakte lieferte der österreichische Kranbauer Künz automatisierte Krane. In den Hubwerken arbeiten Getriebe, die SEW-Eurodrive konstruktiv an die Applikationen anpasste. Südlich der Maasmündung entstand in den 1960er-Jahren ein Industrie- und Hafengebiet, die Maasvlakte (deutsch: „Maasebene“). 1973 legten an der künstlichen Insel die ersten Schiffe an. Trotz des funktionalen Charakters gelang es, einen Teil des ursprünglichen Küstenverlaufs durch umsichtige Deichführung nachzuahmen. Die Maasvlakte ist Teil des Hafens von Rotterdam, der der größte Tiefwasserhafen Europas ist und weltweit zu den größten Seehäfen gehört. 2008 begann der Bau von Maasvlakte 2, indem durch Aufspülung Neuland gewonnen wurde. Etwa die Hälfte der Tweede Maasvlakte (deutsch: „Zweite Maasebene“) nutzt man für die Vergrößerung des Hafens und für die Ansiedlung von Industriebetrieben. Die restlichen Flächen dienen als Naherholungsgebiet bzw. sind dem Naturschutz vorbehalten. Aufgrund der Vergrößerung der Maasvlakte gehen aktuelle Prognosen von einer Verdreifachung des Container-Umschlags aus. Seit 2014 steht der neue Hafen für den ersten Teilbetrieb zur Verfügung. Im Frühjahr 2015 eröffnete das Betreiberkonsortium APM Terminals sein automatisiertes Containerterminal in der Maasvlakte 2. Portal- und Stapelkrane Als Umschlagstechnik entschied sich der Betreiber für zwei schienengebundene Portalkrane sowie 48 automatische Schienen- Portalkrane der Hans Künz GmbH, Hard/ Österreich. Für die Bedienung des kombinierten Güterverkehrs steht ein eigenes Terminal zur Verfügung. Aus Effizienzgründen übernehmen zwei Schienenkrane das Beund Entladen der Eisenbahnwaggons. Die Containerverladekrane werden manuell von einem Fahrer in der Kabine betrieben. Konzipiert sind die Schienenkrane so, dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt automatisieren lassen. 01 Die Kegelstirnradgetriebe vom Typ X3KV200 wurden so ausgelegt, dass sie sich durch einfache Anpassungen des Endanwenders wahlweise links oder rechts am Hubwerk einsetzen lassen 40 f+h 11/2016

TITEL I CONTAINER-UMSCHLAG Foto: Wikipedia, Michiel Verbeek Kraftvolle Antriebstechnik Während Hafen- und Brückenkrane mit geringer Geschwindigkeit und begrenzter Betriebsfrequenz fahren, treten bei Containerstapelkranen hohe Laufgeschwindigkeiten und -frequenzen auf. Eine weitere Herausforderung für die Fahrwerksantriebe ist der Reversierbetrieb, bei dem die Ladungen in beide Richtungen transportiert werden. Weil das Massenträgheitsmoment der Last vergleichsweise groß ist, müssen die Getriebemotoren der Kranfahrwerke in erster Linie das Beschleunigungs- und Verzögerungsmoment bewältigen. Für die Hubwerke steht mit der Industriegetriebe-Baureihe X von SEW-Eurodrive eine Antriebslösung zur Verfügung, die aufgrund ihrer guten Merkmale sowie Optionen und Zusatzausführungen zuverlässig die Anforderungen von Krananwendungen erfüllt. In allen Hubwerken kommen Kegelstirnradgetriebe des Typs X3KV200/HU/T zum Einsatz (Bild 01). Bei einer Antriebsleistung von 2 × 170 kW bilden sie die „Muskeln“ der Krane. In allen Kranen zusammen verrichten 88 dieser Getriebe ihre Arbeit. Die Standard-Industriegetriebe der Baureihe X wurden applikationsspezifisch so ausgelegt, dass sie sich durch einfache Anpassungen des Endanwenders wahlweise links oder rechts am Hubwerk einsetzen lassen. Dadurch muss APM Terminals spürbar weniger Ersatzgetriebe vorhalten. Neben den Hubwerken wurden auch die Kran- und Katzfahrwerke mit Getriebemotoren von SEW-Eurodrive ausgestattet (Bild 02). Die Krane (Spurweite: 27,8 m, komplette Kranbahnlänge: 380 m) erreichen maximale Geschwindigkeiten von 270 m/min. In den Fahrwerken kommen 37-kW-Getriebemotoren mit Kegelradgetrieben vom Typ KAZ107 zum Einsatz. Über alle Krane gerechnet sorgen 286 Getriebe für einen zuverlässigen Container- Umschlag. Die maximale Beschleunigung der Katze beträgt 70 m/min. Für jede Laufkatze wurden vier Kegelradgetriebemotoren vom Typ KA97 mit einer Anschlussleistung von 11 kW verwendet; in der Summe sind 88 Getriebe installiert. Die Antriebslösungen ließen sich problemlos auf die Anforderungen des Kranbauers modifizieren. Dazu trug die gute Zusammenarbeit der Niederlassung von SEW-Eurodrive in Österreich, der Zentrale in Bruchsal und der technischen Abteilung der Hans Künz GmbH bei. „Die schnelle Umsetzung der Anforderungen hat die Entscheidung für SEW-Eurodrive bestätigt“, so Rudolf Flatz, Projektleiter bei Künz. Fotos: Aufmacherfoto, 01, 02 Künz www.sew-eurodrive.de 02 In den Fahrwerken kommen 37-kW-Getriebemotoren mit Kegelradgetrieben vom Typ KAZ107 zum Einsatz f+h 11/2016 41

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