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f+h fördern und heben 11/2017

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f+h fördern und heben 11/2017

DIE ROLLE DES LADUNGS-

DIE ROLLE DES LADUNGS- TRÄGERS IM ZEITALTER VON LOGISTIK 4.0 Die Digitalisierung wird die Zukunft der Logistik weitgehend bestimmen. Darauf müssen sich die entlang der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen einstellen. Welche Rolle wird in diesem Kontext dem Ladungsträger zuteil? Die Redaktion f+h hat in der Branche nachgefragt. Digitalisierung erfordert neue Kenntnisse im Bereich des Ladungsträgermanagements. Themen wie Industrie 4.0, Logistik 4.0, Internet der Dinge und Ressourcenschonung gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Daten müssen aktuell, sicher und verknüpft sein. Produkte müssen zurückverfolgt werden können und Ladungsträger werden plötzlich intelligent. Europalette, E-Performance-Behälter oder Hygienepalette: Ohne Ladungsträger kein Transport. Ohne Transport keine Warenverfügbarkeit. Ladungsträger sind in logistischen Prozessen aus Industrie und Handel nicht mehr wegzudenken. Sie sind maßgeblich für Transport, Umschlag und Lagerung von Waren. Bei einem hohen Standardisierungsgrad bieten sich Potenziale in ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Durch Sender-Empfänger-Systeme wie Auto-ID/ RFID-Technologie oder cloudbasierte Dienste auf Basis von Epcis werden Ladungsträger zum intelligenten Informationsträger. Diese Technologien bilden die Grundlage zur Prozesssteuerung und Dokumentation der Supply Chain unter Berücksichtigung aller Beteiligten. Nur so lassen sich hohe Aufwände bei der Sortierung, Rückführung und Reparatur sowie fehlende Transparenz im Leergutmanagement vermeiden. Denn genau diese Faktoren gehören zu den Kostentreibern im Handling von Mehrwegtransportverpackungen. THOMAS NIEBUR GS1 Standards + Products, GS1 Germany GmbH 44 f+h 2017/11 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME Im Hinblick auf Ladungsträger bezieht sich die Digitalisierung der Logistik vorrangig auf die folgenden Fragen: Was wird transportiert, welches Gewicht etc.? Wo befindet sich der Ladungsträger augenblicklich, woher kommt er und zu welchem Ziel ist er unterwegs? Wie viele meiner Ladungsträger befinden sich momentan wo? Um diese Fragen beantworten zu können, werden Barcode-Label und/oder RFID-Transponder verwendet. Viele Kunststoffbehälter sind mittlerweile mit Barcode-Label ausgestattet. Das herkömmliche Verfahren dabei ist das „In Mould Labeling“ (mittlerweile auch im Einsatz von RFID), bei dem die Label in das Werkzeug eingelegt wird, aus dem der Ladungsträger produziert wird. Damit ist eine feste Verbindung zum Behälter gegeben. Über Kontrollmechanismen wird bestätigt, dass die Barcodes mit dem richtigen Inhalt an der richtigen Position angebracht sind. Nicht nur Behälter, besonders auch Paletten werden häufig mit RFID-Tags ausgestattet. So hat Utz eine Pool-Palette mit zwei RFID-Transpondern entwickelt, die bei Auslieferung der Paletten „ausgelesen“ werden. Die neuen Paletten lassen sich problemlos in das System des Anwenders integrieren. Insgesamt gesehen, gehen wir von einer Zunahme der Digitalisierung von Ladungsträgern im Rahmen einer digitalen Logistik in den kommenden Jahren aus. Ladungsträger sind dafür vorgesehen, physische Güter transport- und lagerfähig zu machen, sodass sie selbst nicht digitalisiert werden können. Begleitdaten (Empfänger, Art und Menge der Güter etc.) liegen allerdings bereits heute in vielen Fällen nur noch elektronisch vor und sind mit dem Ladungsträger respektive der Ladeeinheit über optische Codes oder RFID-Transponder verknüpft. Es ist absehbar, dass Ladungsträger beziehungsweise Ladeeinheiten zunehmend mit Sensoren ausgestattet werden, um vor allem Umgebungsbedingungen und andere produktrelevante Daten zu erfassen und zu speichern. Die fortschreitende Digitalisierung lässt sich dazu nutzen, um diese Daten direkt auf dem Datenträger des Ladungsträgers zu speichern und auch unterwegs in die Cloud zu übertragen. Im Zuge einer fortschreitenden Vernetzung werden Zusatzfunktionen wie Ortung und Zustandsüberwachung möglich. Dies hängt aber vor allem von der konkreten Art des Ladungsträgers und seinem Einsatz im Unternehmen ab. DR. JOCHEN SCHNEIDER Stellvertretender Leiter des Instituts für Distributionsund Handelslogistik (IDH) des VVL e. V. JAN SÜNNEKER Geschäftsleitung Vertrieb, Georg Utz GmbH MICHAEL CIBOIS Leiter Internationaler Vertrieb, Gamma-Wopla SA und Smart-Flow Europe SA. Logistik 4.0 bedeutet neben neuen Prozessen mit Investitionen in Hardware, Software und Training, dass immer mehr Unternehmen ihre Ladungsträger austauschen und in wiederverwendbare Lösungen aus Kunststoff investieren. Als Hersteller von Paletten und Behältern aus Kunststoff ist es unser Part, für die vom Kunden vorgegebene, digitale Schnittstelle per RFID bereits bei der Entwicklung des Ladungsträgers zu sorgen. Der Designprozess involviert einen intensiven Austausch mit dem Kunden und einem Systemintegrator, der dafür sorgt, dass die Palette oder der Behälter in das Lagersystem datentechnisch integriert wird. Im Automobilbereich liegt im Zuge von e-Logistik die Zuständigkeit für Fragen der Verpackung und des Ladungsträgers zunehmend bei internationalen Zulieferern. Mit ihrem Netz von Sublieferanten sind sie für die Logistik der Bauteile und den Datentransfer an die Montagelinie des Herstellers verantwortlich und damit unsere Ansprechpartner für die Auswahl und Design des Ladungsträgers. Außer den digitalen Informationen vom RFID zur Cloud der eigenen Supply Chain spielen analoge Identifizierungsmerkmale wie die Standardisierung der Palettenmaße, die Art und Größe der Behälter oder seine Farbe nach wie vor eine wichtige Rolle. So greifen aus unserer Sicht je nach Durchdringungstiefe von Logistik 4.0 digitale und analoge (physische) Informationen auf dem Ladungsträger komplementär ineinander. www.foerdern-und-heben.de f+h 2017/11 45

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