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f+h fördern und heben 11/2018

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f+h fördern und heben 11/2018

EXAKT GEZÄHLT Zu den

EXAKT GEZÄHLT Zu den Kunden des Logistikdienstleisters Kühne + Nagel gehört in den Niederlanden eine der größten Supermarktketten. Warenrückläufer werden in den Filialen manuell gezählt, bevor sie in die Lager gelangen. Ein Prozess, der eine hohe Konzentration erfordert. Das Unternehmen Indspect schafft nun Abhilfe: Ein Erkennungsund Sortiersystem soll die Retouren auf den Rollwagen und Transportboxen sicher erkennen. In den Niederlanden betreibt der Logistikdienstleister Kühne + Nagel 22 Niederlassungen, vier davon kümmern sich um eine der größten Supermarktketten des Landes mit rd. 1 000 Niederlassungen. Täglich werden diese Filialen frisch beliefert und dabei leere Transportkisten sowie Rückläufer abgeholt. Die Retouren werden in vier der Lager des Dienstleisters deponiert. Viele Jahre wurden die zurückkommenden, bepfandeten Bierkisten und Kunststoffbehälter nur in den Filialen manuell gezählt. Dies hat sich nun geändert: Ein Erkennungs- und Sortiersystem des Unternehmens Indspect aus Neuwied kommt jetzt zum Einsatz. Bis zu 15 000 Rollwagen mit rd. 400 000 Transportbehälter lassen sich so täglich erkennen und zählen. Bart Timmermans, Leiter des Projekts, das sich von der ersten Idee bis zur Fertigstellung über fast zehn Jahre erstreckte: „Bei uns im Lager in Tilburg zum Beispiel kommen jeden Tag bis zu 300 Lkw aus den Einzelhandelsfilialen der Region an, das sind bis zu 15 000 unterschiedliche Rollwagen. Diese sind bestückt mit Arbeitskleidung, die sortiert und gewaschen werden muss, leeren PET- Flaschen, leeren Bierkisten, Plastik-Folien und Verpackungen, ausgelaufener Aktionsware sowie vor allem unzähligen schwarzen, blauen und grünen Transportboxen. In diesen Transportbehältern, von denen es 24 verschiedene Typen in 37 Varianten gibt, befinden sich Fleisch, Wurst und Käse, Obst und Gemüse, aber auch Spielwaren oder sonstige Produkte für die Filialen.“ Die meisten Boxen seien nicht faltbar. Nur im Sommer, wenn viel Obst und Gemüse aus Südeuropa eintrifft, setze die Supermarktkette klappbare Behälter ein, denn diese nehmen beim Rücktransport in die Ursprungsländer weniger Platz ein. Timmermanns: „Über Jahre hinweg haben wir bei Kühne + Nagel sowie die Zentrale der Einzelhandelskette auf die Unterlagen aus den Filialen vertraut. Die Boxen, die alle bepfandet sind und damit bares Geld bedeuten, wurden nur stichprobenartig manuell gezählt. Dabei stellten wir immer wieder Abweichungen fest.“ Ein zweiter Aspekt sei gewesen, dass die Einzelhandelszentrale nie genau wusste, wie viele Behälter sich in welcher Filiale befanden. „Um eine problemlose Auslieferung sicherzustellen, wurden regelmäßig neue Boxen nachgekauft. So wurde die Idee einer automatischen Zählung geboren.“ KEINE ERKENNUNGSZEICHEN – DENNOCH ZUVERLÄSSIG Doch gleich mehrere Faktoren erschweren eine automatische Zählung der Ladungsträger: Dazu gehörten die große Menge an Behältern und deren fehlende Kennzeichnung durch einen Barcode oder QR-Code. Timmermanns: „Wir haben einen Partner gesucht, der nur mit visuellen Systemen unsere Boxen zuverlässig, also mit einer Quote von mehr als 99 Prozent erkennen und zählen kann. Nach langem Suchen stießen wir auf Indspect aus Deutschland, die gemeinsam mit unseren Partnern Elten aus den Niederlanden, die den Transport der Rollies und Dollies abwickeln, sowie Intrion aus Belgien, die die technische Koordination der verschiedenen Aspekte übernehmen, das Projekt realisierten. Es hat einige Jahre gedauert, bis der Prozess problemlos lief – doch an den vier Standorten Tilburg, Zwolle, Zaandam und Pijnacker funktioniert jetzt alles problemlos.“ Bis zu 400 000 Transportbehälter kommen jeden Tag bei Kühne + Nagel an. Nach dem Erkennen, Sortieren und Waschen werden sie nur kurz zwischengelagert 30 f+h 2018/11 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME Das Team von Indspect entwickelt und produziert seit rd. 20 Jahren Kontrollsysteme. Der Schwerpunkt liegt auf der Getränkebranche. „Wir setzen unsere Systeme aber auch in zahlreichen anderen Industriezweigen ein, in denen eine 100-prozentige Kontrolle erreicht werden muss“, erläutert Indspect- Vertriebsleiter Michael Köppen. Das Zählen der Transportboxen auf den Rollwagen gestaltet sich aufgrund unterschiedlicher Farben und Größen komplex. Die klappbaren Behälter kommen i. d. R. komplett auf- oder zusammengefaltet zurück. Manche Boxen mit Deckel, manche ohne. Das ergibt die zuvor bereits genannten 24 verschiedenen Behältertypen in 37 unterschiedlichen Varianten. Etwa die Hälfte der Boxen ist sortenrein auf ihren Rollbehältern gestapelt, diese sind trotz des fehlenden Barcodes oder anderen Erkennungszeichen einfach zu detektieren. Die andere Hälfte ist durcheinander gemischt. „NICHT ERKANNT“ WIRD MANUELL ÜBERPRÜFT Komplex wird der Prozess bei stark verschmutzten Behältern sowie solchen, an denen große Papierreste oder Folien über mehreren Ladungsträgern hängen. Folglich wird dieser Rollwagen als „nicht erkannt“ markiert, stoppt neben dem Bedienpersonal, das die Sicherungsschnur entfernt. Auf einem Monitor werden die erkannten Boxen angezeigt sowie der Bereich, der sich nicht eindeutig erkennen ließ. Das System gibt dem Personal verschiedene Möglichkeiten vor, was sich unter Schmutz, Papier oder Folie befinden könnte. Nach einer manuellen Überprüfung lässt sich das System über den Touchscreen wieder starten. „Neben einer fast einhundertprozentigen Erkennung, die wir von Indspect forderten, ist für uns die Geschwindigkeit und die Zuverlässigkeit des Systems von großer Bedeutung. Denn wir müssen die leeren Behälter sortieren, waschen und so schnell wie möglich sortenrein wieder an die Einzelhandelszentralen liefern, damit diese dort befüllt werden können“, erläutert Timmermans. 28 KAMERAS ERKENNEN ALLE BEHÄLTER Indspect stellte für die Erkennung von bis zu 1 000 Rollwagen pro Stunde ein System zur Verfügung, das aus 28 Hochleistungs-CMOS-Kameras besteht. Die vereinzelten Rollwagen fahren zwischen zwei Transportschienen, zunächst im Querlauf, durch die komplette Anlage. Ohne anzuhalten wird in einem Erkennungsbogen ein mithilfe einer Sicherungsschnur am Behälterstapel befestigtes Schild eingelesen. Hierauf befinden sich alle Daten der jeweiligen Filiale. Somit sind nach dem Scannen des Schildes alle Behälter auf diesem Rollwagen eindeutig einer Niederlassung zugeordnet. Rechts und links des Rollwagens sind jeweils sieben Kameras angeordnet, die in der Vorbeifahrt die Behälter zählen. Zur Sicherheit wird noch die Laufrichtung des Wagens geändert, sodass dieser jetzt in Längsfahrt erneut 14 Kameras passiert. So entsteht aus 56 Einzelbildern von jedem Rollwagen ein dreidimensionales Bild, das auf dem Monitor angezeigt wird. Die Anzahl und die Typen der Transportbehälter, die sich auf dem jeweiligen Rollwagen befinden, werden ins Sortiersystem eingespeist. Nach dem manuellen Entfernen der Sicherungsschnur fahren die sortenreinen Rollwagen in eine für den jeweiligen Boxentyp vorgesehene Bahn, werden dort von Robotern depalettiert, gewaschen und wieder palettiert. Rollwagen mit gemischten Behältern fahren hingegen zu einer eigenen Bahn, wo die Ladungsträger manuell vereinzelt und auf verschiedene Rollenbahnen verteilt werden. Alle vier Sekunden hat das Indspect-Systems somit einen Roll wagen mit einer fast 100-prozentigen Genauigkeit erkannt. Das bedeutet bis zu 1 000 Rollwagen in der Stunde. Diese Zahl ließe sich theoretisch noch erhöhen. Fotos: Broesele www.indspect.de GRÖSSE? Gewicht? Form? Bild? Messen statt Schätzen. Frachtvermessung Stammdatenermittlung Sharp Eyes ForYour Logistics Boelstraße 7 57518 Alsdorf Germany Tel.: +49 (0)2741-9377-0 Fax.: +49 (0)2741-9377-29 eMail: info@akl-tec.de www.akl-tec.de

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