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f+h fördern und heben 11/2019

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f+h fördern und heben 11/2019

Das Interview mit

Das Interview mit Carsten Rump (l. im Bild), führte Winfried Bauer, f+h-Chefredakteur Fotos: Meta-Regalbau „DIE INGENIEURSKUNST BIS ZUM LETZTEN AUSZUREIZEN, IST ZU KURZFRISTIG GEDACHT“ Seit zehn Jahren ist die DIN EN 15635 „Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen“ in Kraft. Ein geeigneter Zeitpunkt, um mit Carsten Rump, Leiter Regalinspektion bei der Meta-Regalbau GmbH & Co. KG sowie Sachverständiger für Schäden an Lagereinrichtungen, über das Thema der Norm zu sprechen. 10 f+h 2019/11 www.foerdern-und-heben.de

AUGE IN AUGE MENSCHEN UND MÄRKTE Aus Wettbewerbsgründen berechnen manche Regalbauer eine Regalanlage mit minimalen Sicherheiten. Aufgrund dessen kam es schon zu Schadensfällen – mit der Folge des Vertrauensverlustes in die deutsche Ingenieurskunst. Wie lässt sich dem gegensteuern? Carsten Rump: Im Regalbau gibt es einen ganzen Blumenstrauß an zu beachtenden Regelwerken. Um das Unfallrisiko zu verringern, wird unter anderem auch der ordnungsgemäße Gebrauch der Lagereinrichtung gefordert. Aber zurück zu Ihrer eigentlichen Frage. In Deutschland werden deutlich höhere Sicherheitsbeiwerte angesetzt, als dies in den anderen europäischen Ländern der Fall ist. Denn die DIN EN 15512 zum Beispiel weicht in Deutschland von den anderen europäischen Normen in nationalen Teilen ab. Die Ingenieurskunst aus Wettbewerbsgründen bis zum Letzten auszureizen, ist zu kurzfristig gedacht. Sie haben es in Ihrer Frage beschrieben, dass sich dies rächt. Durch eventuelle Schäden, deren Auftreten wir nicht leugnen können, wird immer ein Budget für Instandsetzungsarbeiten benötigt. Wenn die Anlage allerdings solide ausgelegt ist, lassen sich diesbezüglich einige Kosten einsparen. Darüber hinaus gibt es bei Regalanlagen in der Regel zusätzliche Sicherheitsbauteile, wir sprechen hier von Opferbauteilen, die eventuellen Schäden vorbeugen sollen. Hierbei meine ich nicht den klassischen Anfahrschutz, sondern vom Lagerbetreiber freiwillig zu installierende Bauteile in Form von zum Beispiel am Hallenboden verankerten Stützenschutzelementen innerhalb der Regalzeile. Lassen sich Regalstützen so reparieren, dass sie wieder die volle Traglast des Regals aufnehmen können? Carsten Rump: Kein Schaden gleicht dem anderen. Dies zeigt die Einstufung der Schäden in verschiedene Gefahrenstufen. Neben der Individualität des Schadens spielen zusätzliche Parameter eine Rolle, wie die Bauweise des Regals. Vor dem Hintergrund dieser Parameter ist eine pauschale Aussage unmöglich. Lassen sich derartige oder andere Regalreparaturen ohne Unterbrechung des Lager betriebs durchführen? Carsten Rump: Gemäß den Normen sowie den Regeln der DGUV beziehungsweise der Berufsgenossenschaften besteht eine Vorgabe darin, dass vor Änderungsarbeiten, Lagereinrichtungen entlastet werden müssen. Die Betriebserlaubnis für solch eine Anlage setzt ein konform montiertes Regal voraus. Wenn Verstrebungen und Elemente unter Volllast gelöst werden, dann ist die Grundlage der statischen Berechnung dieser Anlage nicht mehr gegeben. Aus meiner Sicht sollte der Personenschutz immer an erster Stelle stehen. Am Markt agieren auch Unternehmen, die mithilfe unterschiedlicher Reparaturverfahren beschädigte Regale Instand setzen. Würden Sie einem Lagerbetreiber raten, solch einen Dienstleister mit der Reparatur zu beauftragen? Carsten Rump: Als Lagerbetreiber würde ich mich immer gemäß dem aktuellen Stand der Technik verhalten. Im Schadensfall fällt mir dann die Argumentation leichter; weil die Berufsgenossenschaften und die Rechtsprechung im Allgemeinen besagt, dass vom aktuellen Stand der Technik nur dann abgewichen werden sollte, wenn der gleiche Stand auf eine andere Art und Weise gewährleistet werden kann. In den Zusammenhang sind einige wichtige Punkte zu nennen. Da wäre zum einen die DIN 15635, die vorgibt, beschädigte Bauteile sollen nicht repariert, sondern ausgetauscht werden. Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, dass eine effektive Qualitätskontrolle bei kaltverformten Materialien nur schwerlich zu bewerkstelligen ist. Explizit wird darauf verwiesen, dass Reparaturen an beschädigten Bauteilen nicht zulässig sind, es sei denn, sie sind vom Lieferanten der Einrichtung genehmigt worden. Diese Vorgabe hängt mit einem möglichen Sprödbruch zusammen, der durch eine Verformung eines kaltverformten Bauteils durch Fremdeinwirkung auftreten kann, wenn das Bauteil in seinen Ursprungszustand zurückverformt wird. Außerdem wird darauf verwiesen, dass aus einer Änderung der Lagereinrichtung eine Änderung der Tragfähigkeit resultieren kann. Im weiteren Verlauf besagt die Norm, dass bei allen Änderungen der Lieferant oder ein geeigneter Fachmann zu Rate zu ziehen ist. Etwaige Empfehlungen sind zu befolgen. Auch die oberste Bauaufsicht in Deutschland, das Deutsche Institut für Bauten Technik – DIBT – gibt dem Lagerbetreiber eine Orientierungshilfe. In den bautechnischen Zulassungen etwa wird bei Regalen die Durchführung einer Inspektion gefordert und die Empfehlung ausgesprochen, beschädigte Bauteile vorzugsweise durch Originalteile zu ersetzen. Sollte dies im Einzelfall nicht möglich sein, dann muss allerdings auch der Standsicherheitsnachweis für das Regal unter Berücksichtigung der Reparaturmaßnahmen überprüft werden. Meines Erachtens ist die Instandsetzung mit Originalbauteilen immer die sicherste Methode. Im Schadensfall hat der Lagerbetreiber einen Ansprechpartner und muss sich nicht mit verschiedenen Parteien auseinandersetzen. Erlauben Sie mir an dieser Stelle noch einen weiteren Hinweis: Wenn Veränderungen an Lagereinrichtungen stattfinden, dann sind die Hinweisschilder zu Traglasten, die sich gegebenenfalls ändern können, anzupassen. Vor allem dann, wenn verschiedene Stahlgüten miteinander verbunden werden. www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/11 11

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