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f+h fördern und heben 11/2019

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f+h fördern und heben 11/2019

STETS SICHER UNTERWEGS

STETS SICHER UNTERWEGS SEIN Die Neumaier Industry GmbH & Co. KG aus Hofstetten im Schwarzwald hat für ihren automatisierten Routenzug vom Typ Factory Train FT600 ein neues Sicherheitskonzept entwickelt. Auch das automatisierte Fahren im Outdoor-Bereich ist damit möglich. Routenzüge bestehen aus einem Schleppfahrzeug und mehreren Anhängern und dienen der innerbetrieblichen Materialversorgung. Um eine schlanke und kostenoptimierte Produktionsversorgung sicherzustellen, kommen mitunter Routenzüge mit einer Länge von 20 m und mehr zum Einsatz. Vor dem Hintergrund des Kostenaspekts stehen seit geraumer Zeit automatisierte Routenzüge im Fokus des Betreiberinteresses. Dabei werden die Schlepper automatisiert und eine Personenschutzanlage (PSA) übernimmt die Absicherung des Fahrzeugs in Fahrtrichtung. Doch wie wird der Anhängerverbund hinter dem Schleppfahrzeug gesichert? Was passiert, falls in diesen ungesicherten Bereich unerwartet Personen eintreten? Wie reagiert der Routenzug bei Unfällen und Schäden? Fragen, die sich das Unter­ nehmen Neumaier Industry bei der Entwicklung des automatisierten Routenzugs vom Typ Factory Train FT600 gestellt hat. VOLLÜBERWACHUNG DES ROUTENZUGS Bei dem neuen Routenzug wird nicht nur das Schlepperumfeld in Fahrtrichtung abgesichert, sondern der komplette Zug wird permanent und vollumfänglich überwacht. Vom Schlepper bis zum letzten Anhänger wird der Routenzug sozusagen mit einem „Schutzfeld“ überzogen. Mehrere Sicherheits-Scanner dienen dabei der permanenten Überwachung des Routenzugs in Fahrtrichtung und der seitlichen Bereiche. Die Sicherheits-Scanner sind im Schlepper und in jedem Warenträger integriert. Die Sicherheits-Scanner erfassen das Umfeld und erzeugen ein Warn- und Schutzfeld um den Routenzug. Tritt eine Person in das Routenzugumfeld ein, wird das Warnfeld aktiv und der Routenzug reduziert seine Geschwindigkeit. Erreicht die Person dann das Schutzfeld, stoppt der Routenzug unverzüglich. Bei Geradeausfahrt hört sich all dies noch einfach an. Doch wie verhält sich die Überwachung in Kurvenfahrten, wenn die Sicherheits-Scanner Gefahr laufen, den eigenen Zug als „Hindernis“ zu erkennen? Auch auf diese Herausforderungen haben die Entwickler des automatisierten FT600-Routenzugs eine Lösung gefunden. Aufgrund der Komplettvernetzung des ganzen Zugverbunds zu einem Fahrzeug, erkennt der Routenzug den Kurvenradius und reagiert entsprechend. 24 f+h 2019/11 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME Gegenüberstellung bisherige Marktsituation und Neumaier Factory Train Schutzfeld des Schleppers PSA (Personenschutzanlage) Schutzfeld des ganzen Routenzuges PSA (Personenschutzanlage) Fahrtrichtung Fahrtrichtung Bei bisherigen automatisierten Routenzügen ist nur das Zugfahrzeug mit einer PSA ausgestattet. Das bedeutet: Hohe Gefahr für Personen, die in das Routenzugumfeld eintreten. Der automatisierte Factory-Train-Routenzug FT600 wird komplett überwacht. Das bedeutet: Keine Gefahr für Personen, die in das Routenzugumfeld eintreten. VON TEIL- BIS VOLLAUTOMATISIERUNG Die Factory-Train-Baureihe FT600 lässt sich teilautomatisiert und vollautomatisiert betreiben. So kann der Routenzug wie bisher manuell durch einen Fahrer gesteuert werden oder auch automatisch in den Fabrikhallen bzw. auf dem Werksgelände unterwegs sein. Genauso können die Ladeprozesse manuell oder automatisiert stattfinden. Für den automatisierten Ladeprozess stehen unterschiedliche Warenträgersysteme zur Verfügung: Unter anderem Warenträger mit Kettenförderer zum automatisierten Be-/Entladen von/auf Rollenbahnen. Oder auch Teleskopgabeln zur automatisierten Aufnahme von gesicherten/gebremsten schiebbaren, auf den Boden stehenden, Ladungsträgeren z. B. Trolleys/Rollgestelle oder auch Paletten. Beim automatisierten Routenzug vom Typ Factory Train FT600 ist immer eine manuelle Backup-Lösung möglich, indem der Routenzug manuell gefahren und bedient werden kann. So lassen sich kurzfristig andere Tätigkeiten und Aufträge abarbeiten. OUTDOOR FAHREN MIT DEM AUTOMATISIERTEN ROUTENZUG Was bisher noch nicht möglich war, wird jetzt durch den neuen Routenzug machbar. Denn auch im Freien kann der FT600 automatisiert fahren. Das automatisierte Fahren im Außenbereich scheiterte bisher an der Scanner-Technologie. Doch mit dem neuen Sicherheits-Laserscanner vom Typ Outdoorscan3 der Sick AG ist dies jetzt möglich. Der Sicherheits-Laserscanner ist für den Außeneinsatz entwickelt worden und arbeitet auch bei Wettereinflüssen wie Sonne, Regen, Schnee und Nebel einwandfrei und sorgt so für einen stabilen und vor allem sicheren und zuverlässigen Prozess. Des Weiteren besitzt das Factory-Train-Routenzugsystem, sowohl die manuell betriebenen als auch die automatisierte Baureihe, eine automatische Geschwindigkeitsreduzierung in Kurvenfahrten. Doch nicht nur der Schlepper wird in der Kurvenfahrt abgebremst. Die Geschwindigkeit bleibt solange gedrosselt, bis der komplette Zug aus der Kurve gefahren ist und sich wieder in Geradeausfahrt befindet. Diese Funktion, die in allen Factory-Train-Baureihen zum Standard gehört, verhindert den „Peitschen-Effekt“. Abgerundet wird die Sicherheitsausstattung durch ein elektronisches Einzelrad-Bremssystem mit ABS- und Notbremsfunktion, das an allen Lenkachsen im Zug eingebaut werden kann. Kürzere Bremswege bedeuten in der Automatisierung höhere Fahrgeschwindigkeiten, da der Zug auf einer kürzeren Distanz zum Halten kommt. Außerdem wird der Routenzug durch den Einsatz des elektronischen Einzelrad-Bremssystems gleichmäßig und im „gestreckten“ Zustand stabil und sicher abgebremst. So wird ein gefährliches Aufschieben der Warenträger verhindert und der komplette Zugverbund bleibt immer in der Spur. Fotos/Grafik: Neumaier Industry www.factory-train.com Sichere Bremsvorgänge und kurze Bremswege: Das optionale elektronische Einzelrad-Bremssystem mit ABS-Funktion ist für alle Factory-Train-Baureihen verfügbar www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/11 25

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