Aufrufe
vor 2 Jahren

f+h fördern und heben 12/2016

f+h fördern und heben 12/2016

KRANE UND HEBEZEUGE I

KRANE UND HEBEZEUGE I INTERVIEW Automatisierungslücke geschlossen Oscar Fillol Vidal, CEO von Elebia, zur Geschichte und dem Nutzen des automatischen Kranhakens Während eines Messebesuchs wurde die f+h Redaktion auf das spanische Unternehmen Elebia und dessen Innovation, einen automatischen Kranhaken aufmerksam. Im Gespräch mit Oscar Fillol Vidal, Chief Executive Officer (CEO) der Elebia Autohooks S.L.U., erörtern wir für Sie den Nutzen, den die Entwicklung dem Anwender erschließt. Im Jahr 2006 hat Ihr Unternehmen den ersten Prototypen des automatischen Kranhakens gebaut, für den Sie das Patent 2007 erhalten haben. Was war der Grund für die Entwicklung des automatischen Kranhakens? Vor einem Jahrzehnt gehörte meinem Bruder und mir ein Unternehmen für dessen Betriebszweck wir auch Krane benötigten. Als wir neue Krane anschaffen mussten, fiel mir auf, dass sich bei den neuen Anlagen jeder Teil des Hubvorgangs automatisieren lässt, bis auf den Prozessschritt Anschlagen der Last am Kranhaken – am Ende musste immer jemand die Last am Kranhaken manuell einhängen. Da reifte in mir der Entschluss, eine Lösung zu entwickeln, mit deren Hilfe sich diese Aufgabe automatisiert durchführen lässt; dies vor allem vor dem Hintergrund die Produktivität und Sicherheit beim Umschlag zu erhöhen. Nachdem ich einige Zeit überlegte, brachte ich erste Skizzen und Blaupausen zu Papier. Basierend auf diesen Arbeiten Das Design unseres automatischen Kranhakens ist ausfallsicher konzipiert kreierte ich ein erstes funktionsfähiges Modell mit Bausteinen aus Lego Technic. Im Anschluss folgte dann die Umsetzung in Eisen und Stahl. So entstand der erste automatische Kranhaken. 12 f+h 12/2016

INTERVIEW I KRANE UND HEBEZEUGE Wie sollte man sich einen automatischen Kranhaken vorstellen? Als ein Werkzeug, dass es dem Kranführer ermöglicht, Lasten aus der Ferne anzuschlagen und auch wieder vom Kranhaken zu lösen. Der ferngesteuerte Haken generiert mit seinem Magneten ein magnetisches Feld, das Ringe und Schlaufen automatisch anzieht und ausrichtet. Der Nutzer drückt nur einen Knopf auf der Fernbedienung, daraufhin schließt sich der Haken, nimmt den Tragriemen auf und hebt die Last an, ganz ohne manuelles Hantieren, gesteuert aus sicherem Abstand. Wichtig ist es mir in diesem Zusammenhang zu betonen, dass der Sicherheitsaspekt bei der Entwicklung eine hohe Priorität besaß. Das Design des automatischen Kranhakens ist ausfallsicher. Aber auch die Produktivität des Kranbetriebs lässt sich mit dem automatischen Kranhaken verbessern. Und diesbezüglich erschließen wir noch weiteres Potenzial. Wir implementieren in den Haken sozusagen ein Gehirn, in dem wir ihn mit einer Wägezelle ausrüsten. Somit wird der Kranhaken zu einem Wiegehaken. In Kombination mit unserer neu entwickelten eMax-Funkfernsteuerung kann der Bediener auf dem großen Farbdisplay des Senders viele Informationen, zum Beispiel Überlastwarnungen, das angeschlagene Gewicht oder den Hakenstatus einsehen. Die entsprechende Protokolldatei mit all diesen Informationen lässt sich an einen Computer senden, um dann von weiteren Mitarbeitern im Unternehmen genutzt zu werden. den Lasten angebrachte Tags zu lesen. Dies ließe sich auch auf die Rückverfolgbarkeit der Anschlagmittel wie Rundschlingen und Ketten anwenden. 2015 haben wir mit den damit verbundenen Arbeiten begonnen. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projekts sind wir zuversichtlich, in 2017 die ersten voll funktionsfähigen Arbeitseinheiten vorzustellen. Wie ist Ihr Unternehmen mit Hauptsitz in Barcelona in Deutschland, Österreich und der Schweiz organisiert? Wir bedienen diese Länder über die Elebia Deutschland GmbH. In den von Ihnen genannten Ländern sind wir darüber hinaus mit Sub-Distributoren aktiv. Vielen Dank für das Gespräch Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h Fotos: Elebia www.elebia.com Für welche Anwendungsbereiche, Kapazitäten und Lasten ist der ferngesteuerte Kranhaken geeignet? Wie eingangs erwähnt, basierten die ursprüngliche Idee und auch deren Umsetzung darauf, das Anschlagen von großen Säcke in unserem damaligen Betrieb zu automatisieren. Als sich die Entwicklung am Markt herumsprach, sahen wir uns bald mit Nachfragen von jenseits der Bauindustrie konfrontiert. Für Krane, die in stets definiertem Umfeld arbeiten, das trifft auf Hallenkrane in den unterschiedlichsten Industriezweigen zu, ist unser Konzept des ferngesteuerten Kranhakens gut einsetzbar. Prinzipiell lässt sich der automatische Kranhaken überall dort einsetzen, wo ein sich wiederholender Prozess abzuarbeiten ist. Heutzutage sind die Hauptanwendungsgebiete in den Branchen Stahl, Windkraftanlagen, Häfen, Bergbau und allgemeiner Bau zu finden. Zu unseren Kunden gehören Unternehmen wie Cern, Siemens, Michelin, Boeing, SpaceX, Enercon und Vestas. Entsprechend den breit gefächerten Anwendungen deckt unser Hakenprogramm mittlerweile ein Tragfähigkeitsspektrum von fünf bis 25 Tonnen ab. An Lösungen für höhere Tragfähigkeiten arbeiten wir. In Zeiten zunehmender Digitalisierung gewinnt der Daten austausch entlang der Wertschöpfungskette immer mehr an Bedeutung. Ist der automatische Kranhaken dafür geeignet? Eindeutig: Ja. Wie bereits ausgeführt, entwickeln wir den automatischen Kranhaken zu einer Informationsquelle weiter. In Kombination mit den Einheiten der Funkfernsteuerung eMax sehen wir hier noch ein großes Potenzial, die Abläufe auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu verbessern. Aktuell arbeiten wir daran, die Identifikation und Rückverfolgbarkeit der angeschlagenen Güter zu unterstützen. Zu diesem Zweck werden unsere Kranhaken mit einer RFID-Antenne ausgestattet, die in der Lage ist, an Wir schaffen logistische Verbindungen. Individuelle Planung und Konstruktion direkt vom Hersteller – Made in Germany www.butt.de Typ BK - Mittelachsrampe Verladeplattform BUTT GmbH Tel.: +49(0)4435 9618-0 Zum Kuhberg 6–12 Fax: +49(0)4435 9618-15 D-26197 Großenkneten butt@butt.de, www.butt.de · f+h 12/2016 13 BUTT.indd 1 21.07.2014 10:34:17

AUSGABE