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f+h fördern und heben 12/2016

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AUS DER FORSCHUNG

AUS DER FORSCHUNG Technische Logistik verbindet WGTL-Kolloquium setzt Fokus auf interdisziplinäre Forschung Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Technische Logistik (WGTL) veranstaltete vor kurzem zum zwölften Mal ihr Fachkolloquium, um aktuelle Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Technischen Logistik vorzustellen. Die Organisation und Ausrichtung der Veranstaltung übernahm in diesem Jahr das Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart. Wir waren für Sie vor Ort und fassen die Ergebnisse ausgewählter Präsentationen aus den jeweiligen Themenbereichen zusammen. In zunehmendem Maße zeige sich die Notwendigkeit, bei Logistikprojekten auf Erfahrungen anderer Forschungsgebiete zurückzugreifen, so die Präsidentin der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Technische Logistik (WGTL), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Nina Vojdani in ihrer Begrüßungsrede zum mittlerweile 12. Fachkolloquium der WGTL. Die jährliche Veranstaltung diene der Förderung des Informationsaustauschs und der Zusammenarbeit von Forschern und Wissenschaftlern in der Technischen Logistik. Der Gastgeber − in diesem Jahr das Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart − hatte als Hauptveranstaltungsort den Campus der Universität in der Stadtmitte von Stuttgart gewählt. Für den Institutsleiter und Gastgeber in Persona Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Karl Heinz Wehking genau der passende Ort. Hier am Hochschulzentrum lasse sich das Motto der zweitägigen Veranstaltung „Technische Logistik verbindet – erfolgreiche Forschung interdisziplinär“ am besten spürbar machen. Die Fachkolloquien sind, so Wehking, eine ideale Plattform, um sich über neue Entwicklungen und Forschungen zu informieren und die Möglichkeiten des Networkings zu nutzen. Und so waren auch mehr als 60 Gäste aus dem Kreis der WGTL sowie befreundeter Lehrstühle, Projektpartner und interessierte Firmen der Einladung nach Stuttgart gefolgt. Gelegenheit, sich über Neuigkeiten des Instituts zu informieren, gab es ebenfalls in Form einer Besichtigung der Versuchslabore, die bei den Gästen regen Anklang fand. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Versuchsständen der Fördertechnik und Logistik; hier konnten im neuen „Lern-Lager“ verschiedene Methoden der manuellen Kommissionierung getestet oder die Versuchsanlage „Hochgeschwindigkeitsfördersystem“ zum Transport schwerer Lasten aktiv erlebt werden. Die anschließende Abendveranstaltung fand in der Logistik- 38 f+h 12/2016

AUS DER FORSCHUNG Versuchshalle statt, die für diesen Anlass hergerichtet war und ein ansprechendes Ambiente für interessante Gespräche und Kontakte bot. Die 20 spannenden Vorträge der Tagesveranstaltungen − von denen im Folgenden einige exemplarisch näher ausgeführt werden − umfassten die Themengruppen „Konstruktion und maschinenbauliche Gestaltung“, „Steuerungstechnik und IT-Systeme“ sowie „Management, Organisation und Betrieb“ und „Planung, Analyse und Simulation logistischer Systeme“. Auch in den informativen Posterbeiträgen zu Forschungsprojekten wurden aktuelle intelligente Logistiksysteme und -dienstleistungen präsentiert. Diskreten-Elemente-Methode im Vereinzelungsszenario 01 Simulationsszenario „Paketentladung mit Vereinzelung” Steigende Sendungszahlen in der KEP- Branche stellen die Paketlogistik vor die Herausforderung eines durchgängig automatischen Paketumschlags in den Verteilzentren. Neue Ansätze, bei denen die Stückgüter als Schüttgut betrachtet werden, erfordern im Hinblick auf die Vorhersage des Bewegungsverhaltens der Stückgüter in Prozessen wie der Vereinzelung anwendbare Simulationswerkzeuge. Im Themenblock „Konstruktion und maschinenbauliche Gestaltung“ hatte Dipl.-Ing. Matthias Fritz von der Technischen Universität Graz diese Thematik in seinem Vortrag „Untersuchung der Dynamik von Stückgütern auf Stetigförderern – Analyse, Simulation und Laborversuche“ aufgegriffen und die Eignung der Diskreten-Elemente-Methode (DEM) untersucht. Im Hinblick auf eine Optimierung der zu entwickelnden Vereinzelungstechnik im Zuge des methodischen Konstruktionsprozesses wurde die DEM als Simulationsmethode mit anderen Simulationsmethoden verglichen. Die vielversprechenden Eigenschaften der Methode zur Vorhersage des Bewegungsverhaltens von Stückgütern im Pulk führte auf eine detaillierte Untersuchung der Vorhersagequalität, wobei Prüfstands- und Simulationsergebnisse in verschiedenen Szenarien verglichen wurden. Die Simulationen wurden im Zuge eines Projekts am Institut für Technische Logistik in Graz durchgeführt, dessen Projektinhalt die Konstruktion eines automatischen Entladesystems für Pakete war (Bild 01). Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf dem Bereich der Entladung und Vereinzelung, wobei unterschiedliche Wirkprinzipien für die Vereinzelung aufgezeigt wurden. Betrachtet man die Entwicklung des KEP- Markts, so lassen die wirtschaftlichen Kennzahlen auf einen weiteren Anstieg der Sendungszahlen schließen. Dementsprechend bieten jene Prozesse, bei denen Stückgüter im Pulk verarbeitet werden, großes Potenzial für eine möglichst durchgehende Automatisierung der Sortierprozesse in den Verteilzentren. Die DEM kann in diesem Sinne als Werkzeug genutzt werden, um die Entwicklung von Vereinzelungstechnik zu beschleunigen und zu optimieren. Hohe Treibkräfte bei geringem Seilverschleiß Nach Stand der Technik sei es nicht möglich, auf kompakten Bauraum große Treibkräfte zu erzeugen, ohne das Seil zu schädigen, so eröffnete Dipl.-Ing. Paul Schuhmann von der Technischen Universität Dresden im Themenbereich „Konstruktion und maschinenbauliche Gestaltung“ seinen Vortrag „Hochleistungsklemmwinden – Lösung des Zielkonflikts Treibfähigkeit und Seilschonung“. Seile werden als Elemente zur Kraftübertragung bei der Überbrückung längerer Transportstrecken vielfältig eingesetzt. Die eingesetzten Seile, zumeist Stahlseile, haben dabei nur eine begrenzte Lebensdauer. Hohe Spannungsspitzen im Seil, die aufgrund von hohen lokalen Seilpressungen auftreten, wirken sich negativ auf die Lebensdauer aus. Aus diesem Grund habe man an der Professur für Technische Logistik der Technischen Universität Dresden neue Hochleistungsklemmwinden (Bild 02) entwickelt, so Schuhmann, die die maximalen Pressungen auf der Seiloberfläche reduzieren und die Lebensdauer der eingesetzten Seile erhöhen. Im Gegensatz zum Stand der Technik läuft das Seil dabei in einer Rundrille auf der Treibscheibe. Die dem Seildurchmesser angepasste Rundrille führt zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Oberflächenpressung auf das Seil. Um eine hohe Treibkraft der Klemmwinde zu erzeugen, pressen Klemmelemente das Seil zusätzlich in die Rundrille der Treibscheibe. Dafür wurde ein Klemmsystem entwickelt, das in die Treibscheibe integriert ist. Zum Öffnen und Schließen der Klemmelemente dient eine speziell gestaltete Kurvenscheibe. Die Hochleistungsklemmwinde ermöglicht die Vereinbarkeit einer hohen Seilschonung bei hoher Treibkraft der Winde. Es wurde eine Gleichung zur Beschreibung der Treibkraft erarbeitet, die die Skalierbarkeit von Klemmwindenmechanismen ermöglicht. Radar- und Videodaten im Einsatz zur Hinderniserkennung Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz eines einzelnen Sensortyps für die Hinderniserkennung in vielen Fällen nicht ausreichend ist. So unterscheiden sich die Anforderungen an eine Hinderniserkennung im industriellen Umfeld von denen im Straßenverkehr. In unstrukturierten industriellen Umgebungen entstehen oft hochkomplexe Situationen, die sich mit nur f+h 12/2016 39

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