Aufrufe
vor 11 Monaten

f+h fördern und heben 3/2017

f+h fördern und heben 3/2017

AKTUELLES I INTERVIEW

AKTUELLES I INTERVIEW Von Rosenberger: In der Regel sind die Daten heute, zum Beispiel nach der Identifikation eines Packstücks in einer automatischen Sortieranlage, nicht mehr verfügbar. In Zukunft, könnten wir uns vorstellen, dass diese Daten gespeichert und Der Einsatz intelligenter Sensoren optimiert die Datenverfügbarkeit entlang der gesamten Lieferkette Reinhard Bösl, Mitglied des Vorstands der Sick AG, Waldkirch zur Analyse und Simulation herangezogen werden. Diese Informationen können dann für effizientere Lieferketten genutzt werden. Nun macht ein Sensor allein noch keine effiziente Logistik aus. Wie sieht vor diesem Hintergrund eine intelligente Verknüpfung oder auch Netzwerkkommunikation entlang der Lieferkette aus und welche Rolle wird dabei der Software zuteil? Bösl: Hier spielen zwei Aspekte eine wichtige Rolle. So haben wir im Hause Sick Anwendungen entwickelt, die es erlauben, über die Lieferkette hinweg die gesammelten und erhobenen Daten zu speichern, mögliche Fehlerquellen auszumachen, die Fehler nach deren Analyse beseitigen und in Zukunft vermeiden. Die jetzt sauberen Daten stehen dann zur Nutzung zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir eine Entwicklung betrieben, von der wir uns im Anwendermarkt viel erwarten und die Ihre Frage auf den Punkt beantwortet. Wir sprechen da von dem Eco-System Sick AppSpace , wo wir unsere Sensoren soweit intelligent machen, dass sie über Apps programmierbar werden und sich somit auch deren Funktionen verändern lassen. Diese Entwicklungsumgebung können auch unsere Kunden und Partner nutzen. Das funktioniert folgendermaßen: In dieser Entwicklungsumgebung AppSpace befindet sich das AppStudio, wo die Apps aus AppSpace geladen werden können. Ich denke, das ist in Bezug auf die von Ihnen nachgefragte Rolle der Software ein gutes Beispiel. Wird Sick damit nicht auch Stück weit Softwareanbieter? Bösl: Das sind wir in gewisser Weise ja schon heute. Steckt doch in unseren Sensoren bereits jetzt ein hoher Softwareanteil. Aber es ist in der Tat so, dass die Softwareentwicklung für uns in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird. Daher auch unsere Kernstrategie, die wir Sensorintelligenz nennen, und in deren Mittelpunkt die Optimierung der Datenverfügbarkeit entlang der gesamten Logistikkette steht. Dazu gehört zum Beispiel, dass unsere Sensor- und Softwareplattformen es dem Anwender in Zukunft in noch höherem Maße erlauben werden, seine eigne oder auch fremde Software auf unserer Sensorik zu betreiben. Von Rosenberger: Für uns steht der Kunde immer im Mittelpunkt, somit müssen wir dem Kunden, der eventuell „nur“ nach einer günstigen, standardisierten Sensorlösung sucht, einen Baukasten anbieten, der die Anforderungen erfüllt. Ebenso werden wir aber auch mit Leitkunden oder eben sehr technologieorientierten Kunden im Sinne von „Co- Engineering“ hoch performante Speziallösungen entwickeln, oder eben diesen Kunden die Möglichkeit geben, sich über ihre selbst entwickelten Softwarealgorithmen, in Kombination mit unserer Hardware, vom Wettbewerb zu differenzieren. In Ihrem Logistic Technology Center werden Sick-Sensoren für den Einsatz in realen Kundenanwendungen unter die Lupe genommen. Lassen sich hier bereits auch Logistik-4.0-relevante Applikationen testen? Bösl: Natürlich. Wir testen dort alle Produkte und Systeme, die wir im Bereich Logistik, zunehmend aber auch für die Produktion anbieten. Zudem simulieren und testen wir hier Anwendungen unserer Kunden. So können wir in unserem Test Center in Waldkirch unter anderem die Transparenz und Verkettung der Prozesse in der Logistik 4.0 abbilden und auch zeigen, um letztlich den barrierefreien Ausbau von Daten zu erreichen und die gesamte Lieferkette optimieren zu können. Dazu laufen die physischen Tests in unserem Logistic Technology Center in Reute, etwa fünfzehn Kilometer von Waldkirch entfernt, ab. Die Beobachtung und Datenauswertung geschieht hier am Standort in Waldkirch. Wobei wir unsere Kunden, und das ist dann schon Logistik 4.0 life, weltweit einbeziehen können. Die Daten, in der benötigten Qualität und in Echtzeit, liegen in der Cloud und unsere Kunden können sich direkt in die Prozesse einloggen. Auch die Ergebnisse liegen in der Cloud und stehen so zur Diskussion im Hinblick auf mögliche weitere Verbesserungsmaßnahmen zur Verfügung. Über unsere Softwarekomponenten können wir dann Durchsätze, Leseraten, die Remote- Parametrierung und das Fehlerhandling visualisieren, verbessern und mögliche Fehler beheben. Im Verlauf dieses Gesprächs war häufig vom Sammeln der Daten und von hohen Datenmengen die Rede. Man also Daten zum Beispiel im Internet auf Vorrat hält, um bestimmte Auswertungen durchführen zu können. Ist man da als Anwender noch Herr über seine eigenen Daten? Bösl: Da sprechen Sie ein äußerst sensibles und wichtiges Thema an. Wer kann denn schon sicherstellen, dass sich Unbefugte keinen Einblick in die Daten eines Logistikdienstleisters verschaffen können, wenn zum Beispiel Technologien über die Cloud genutzt werden? Um den damit möglicherweise verbundenen Datenmissbrauch zu verhindern, gilt es den Datenraum, so zu gestalten, dass die Eigentumsrechte gewahrt und die Integrität von Daten sowie deren Schutz gegeben sind. Sick engagiert sich deshalb seit der ersten Stunde in der Organisation Industrial Data Space e. V. Denn der Erfolg von Industrie 4.0 oder Logistik 4.0 wird von eindeutigen und zuverlässig geregelten Eigentumsrechten abhängen und das Thema Datensicherheit zieht sich in der 4.0-Welt entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von der Erhebung der Daten über den Transfer und die Speicherung bis hin zur Die Kosten für die Datensicherheit spielen bei einer Logistik-4.0-Investition eine wichtige Rolle Bernd von Rosenberger, Leiter Solution Center Logistics Automation der Sick AG, Waldkirch Verarbeitung muss das Netz vor Ausfällen und Missbrauch gesichert sein. Der Industrial Data Space e. V. setzt dabei auf Systemlösungen mit neuen Komponenten. Dabei liegt der Fokus auf den Schnittstellen, an denen das eigentliche Datenhandling stattfindet, also in der Bereitstellung beim Austausch und beim Zugriff. Intelligente Applikationen sollen die gesammelten Daten möglichst passgenau auf die 14 f+h 3/2017

Freiraum für Ideen und Lösungen geschaffen Mit dem Eco-System „AppSpace“ eröffnet Sick neue Wege zur Lösung kundenspezifischer Applikationen. Das zugehörige „AppStudio“ dient zur Entwicklung von Sensor-Apps auf programmierbaren Sick-Geräten. Die Benutzeroberfläche für den Maschinenbediener kann dabei individuell als Web-GUI erstellt werden. Der „AppManager“ des Systems unterstützt den Service im Feld bei der einfachen Verteilung und Verwaltung der Sensor-Apps. Unterstützt werden diese Aktivitäten vom „AppSpace Developers Club“ von Sick. Mit dem Erwerb einer „AppStudio“- Lizenz beginnt automatisch eine einjährige Mitgliedschaft, innerhalb derer man in den Genuss von Clubvorteilen, z. B. spezielle Angebote für Demo-Kits und Laborausstattungen, kommt. Darüber hinaus berechtigt die Mitgliedschaft zur Teilnahme an der jährlichen Entwicklerkonferenz des Sick AppSpace Developers Club. Neben interessanten Vorträgen, Produktdemos und Trainings bietet diese Konferenz Gelegenheit, zum Erfahrungsaustausch und Netzwerken mit anderen Mitgliedern der Community. DER ANTRIEB ■ Sicher ■ Flexibel ■ International 2017 Besuchen Sie uns! Halle 3, Stand 3C17 14.–16.3.2017, Stuttgart Quelle/Foto: Sick gewünschte Anwendung hin analysieren. Konnektoren bündeln Ergebnisse aus kleineren Datenräumen und fungieren als Filter für die Weitergabe nach außen. Übergeordnete Datenbroker müssen Einsicht in alle Daten haben und potenziellen Datennutzern bei der Suche helfen. Das ist die Vision für die Datensicherheit der Zukunft. Es gilt, schnell Grundlagen zu schaffen und auch die weiteren Schritte voran zu treiben – stetig, denn die digitale Welt schläft nicht. Von Rosenberger: Wenn ich das noch um einen anderen Aspekt ergänzen darf. Dem Wunsch auf Anwenderseite nach höchstmöglicher Datensicherheit steht auf der Seite des Softwaredienstleisters der Aufwand gegenüber, der dafür erbracht werden muss. Die zum Beispiel aus Sensoren ermittelten Daten müssen gesammelt, gespeichert, gesichert und letztlich in der gewünschten Form bereitgestellt werden. All dies verursacht natürlich Kosten, die man als potenzieller Anwender bereit sein muss in seinem Investment zu berücksichtigen. Letztendlich muss sich dieser Investment aber lohnen – daran ändert auch Industrie 4.0 nichts. In welche Richtung geht vor dem Hintergrund von Logistik 4.0 die Entwicklungsarbeit im Hause Sick Bösl: Ausgangspunkt jeder Entwicklung ist eine Kundenproblemstellung, die in vollem Umfang erkannt und verstanden werden muss. Diesen Ansatz verfolgen unsere Industriespezialisten schon seit Jahren. Die größte Änderung ergibt sich dahingehend, dass Logistik 4.0 ein Umdenken in der Lösungsfindung erfordert. Wir haben es in der Logistik mit einer Disziplin zu tun, die in sehr dynamischen Märkten mit all ihren Spezifika agieren muss, um letztlich den Kundenbedürfnissen zu entsprechen. Von daher legen wir bereits in der Entwicklung unserer Sensortechnologien und Softwareumgebungen großen Wert auf die Einbindung der Kunden und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Dazu kommt, dass unsere Ingenieure über ausgezeichnete Marktund Branchenkenntnisse verfügen und so in der Lage sind, mögliche Trends zu erkennen, die dann in die Entwicklung neuer Sensoren einfließen. Durch unser vielfältiges Angebot an Produkten, Systemen und Dienstleistungen für unterschiedliche Industriezweige innerhalb der Fabrik-, Logistik- und Prozessautomation schaffen wir als Sensorikspezialist Mehrwert für Industrie 4.0 und finden Antworten auf zentrale Herausforderungen, die sowohl Industrie 4.0 als auch Logistik 4.0 prägen. In diesem gesamten Kontext gilt, dass der Druck hin zur Rationalisierung von Produktions-, Logistik- und Prozessabläufen weltweit weiterhin groß ist. Die Diskussion um Industrie 4.0 fügt dieser Thematik eine neue Facette hinzu, die große Entwicklungsmöglichkeiten für unser Unternehmen Sick bietet. Die intelligente Fabrik lässt sich nur umsetzen, wenn robuste und intelligente Sensorik die für Industrie-4.0-Konzepte erforderlichen Datenmengen zuverlässig erfasst. Dies ist der Ausgangspunkt, damit komplexe Systeme überhaupt autonome Entscheidungen treffen können. Vielen Dank für das Gespräch. Fotos: f+h Das Getriebe ■ Starke Lagerung ■ Geräuscharmer Lauf ■ Hohe Leistungsdichte Der Motor ■ Hohe Effizienz ■ Weltweite Standards ■ Alle Einsatzbedingungen Die Antriebselektronik ■ Steckbarer Feldverteiler ■ Einfache Inbetriebnahme ■ Skalierbare Funktionalitäten Weiter Leistungsbereich Flexible Komplettlösungen Hohe Systemeffizienz DerAntrieb.com Getriebebau NORD GmbH & Co. KG Fon +49 (0) 4532 / 289-0, info@nord.com Member of the NORD DRIVESYSTEMS Group

AUSGABE