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f+h fördern und heben 4/2015

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SOFTWARE Näher an der

SOFTWARE Näher an der Filiale, näher am Kunden Norma automatisiert Prozesse an 13 Lagerstandorten Für die Norma Lebensmittelfilial betrieb Stiftung & Co. KG, Rossau, hat die Zetes GmbH, Hamburg, ein neues Logistikkonzept entwickelt, das von der sprachgesteuerten wegeoptimierten Kommissionierung über den Nachschub bis hin zur Frachtabrechnung viele Abläufe automatisiert und komplett transparent macht. Qualität und Transparenz: Vor allem in der Logistik sind diese Begriffe untrennbar miteinander verbunden. Das neue logistische Gesamtkonzept des Lebensmitteldiscounters Norma ist dafür ein gutes Beispiel. Es wurde im Jahr 2011 in Zusammenarbeit mit dem Systemintegrator Zetes entwickelt und von Anfang an stand dabei im Fokus, dass das bislang papiergebundene Kommissionieren durch ein elektronisches und sprachgesteuertes Verfahren abgelöst werden musste. Norma suchte dafür einen Dienstleister, der nicht nur die „Pick by Voice“-Technik, sondern eine Lösung für den kompletten Prozess liefern konnte. „Voice kann heute jeder“, sagt Matthias Lehmann, Niederlassungsleiter Norma Rossau, und ergänzt: „Uns kam es in erster Linie auf das logistische Gesamtkonzept an. Hier hat uns Zetes mit einer Lösung überzeugt, die genau auf unsere Anforderungen zugeschnitten ist.“ Mit einer Kombination aus Standard-Softund -Hardware, die um eine Reihe individuell angepasster Lösungsbausteine ergänzt wurde, präsentierte Zetes das passende Angebot. „Zetes hat nicht einfach abgebildet, was wir hatten, sondern beratend die Prozesse analysiert und dahin gehend verändert, dass wir unser Geschäft optimieren konnten“, so der für Rossau verantwortliche Betriebsleiter Reinhard Gräffe. Der Lebensmittel discounter beschäftigt in Rossau rd. 50 Mitarbeiter, die vorwiegend in der Kommissionierung tätig sind. Gearbeitet wird in drei Schichten an sechs Tagen in der Woche. Auf einer Fläche von ca. 16 000 m² liegen 1 500 verschiedene Artikel bereit. Insgesamt bietet das Lager Platz für rd. 10 000 Europaletten und etwa 10 000 Düsseldorfer Paletten. Täglich werden 1 000 Paletten mit einem Gesamtvolumen von 500 Tonnen kommissioniert. Für den Transport zwischen Rossau und den Filialen sorgen Transportunternehmen. Das Umstellen von der papiergebundenen auf die elektronische Auftragsabwicklung fand im laufenden Betrieb statt und startete im November 2011 am sächsischen Standort Rossau. Das Zentrallager liegt auf halber Strecke zwischen Chemnitz und Dresden. Von dort werden täglich 100 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg beliefert. 36 f+h 4/2015

Leitstand bringt Transparenz Alle Versandinformationen werden in diesem Lager durch die Software Zetes Medea Logistics Execution aufbereitet und gesteuert. Die Middleware empfängt die Bestelldaten der Filialen direkt aus dem Warenwirtschaftssystem und errechnet daraus auf Basis konfigurierbarer Parameter die Kommissionierlisten und legt die Reserveplätze fest. „Wir können jetzt Warteschleifen für Aufträge bilden, das heißt, wir stellen nur die Waren bereit, die auch auf den Lkw verladen wird. Unsere Versand fläche wird maximal, also effizient genutzt“, erklärt Gräffe. Die Software kommuniziert direkt mit den Voice- und Staplerterminals sowie mit den Druckern. Zudem erstellt das Programm eine Vorlage für die zu nutzenden Versandreihen pro Filiale und Wochentag, unterscheidet dabei zwischen Tages- und Nachttouren. Lehmann: „Mit Medea haben wir ein Werkzeug bekommen, mit dem wir jetzt Aufträge zusammenfassen, priorisieren und steuern können. Als Zentrallager sind wir Dienstleister für unsere 100 Filialen. Wir haben durch eine höhere Lieferqualität unsere internen Kunden zufriedener gestellt.“ Zudem stellt das Programm sicher, dass die Kommissionier- und Nachschubauf träge zum Auffüllen der Kommissionier zone direkt an die richtigen Mitarbeiter gesendet werden. Pro Tag müssen in Rossau mehr als 300 Aufträge bearbeitet werden, die in etwa 500 Kommissionierlisten auf geteilt werden. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Aufträge und der Menge der Kommissionierlisten hängt dabei maßgeblich von der Anzahl der betroffenen Lagerbereiche sowie der Größe der Bestellung ab. Das Liefervolumen pro Filiale schwankt zwischen einer und 34 Paletten. Insgesamt kann Norma jetzt flexibler auf die aktuelle Marktlage reagieren: „Wir sind mit Medea dichter und schneller an der Filiale. Ändert sich das Wetter, schieben wir mehr Grillartikel nach. Senkt der Wettbewerb die Preise, sind wir in der Lage, von jetzt auf gleich nachzuziehen. Ohne Aufwand stellen wir Aktionsartikel im Medea ein und weisen ihnen einen zweiten Lagerplatz zu, damit sie täglich zusammen mit der Frischeware in die Filiale gehen. Aufgrund einer so schnellen Reaktion können wir, allein durch eine verbesserte Lagersteuerung, bis zu 30 Prozent mehr Warenumschlag in den Filialen realisieren.“ Bestandteil der Software ist der Kommissionierleitstand. Eine grafische Bedienoberfläche informiert über die Auslastung der Mitarbeiter in den Lagerbereichen und den Fortschritt in der Kommissionierung. Dabei erlaubt die webbasierte Lösung einen standortunabhängigen Zugriff auf alle Informationen. Vereinfachte Abläufe Vom Leitstand aus werden, auf Basis der vom Standort hinterlegten Konfiguration, automatisch die Kommissionierwellen gebildet. Dabei stehen diverse weitgehend automatisierte Aktionen und Möglichkeiten zum Trennen und Zusammenfassen von Kommissionieraufträgen zur Wahl. Je nach Lagerbereich, -gruppe, Kunden und Kollizahl erarbeitet das Programm optimierte Vorschläge und verteilt die Kommissionieraufträge gerecht und chancengleich auf alle Mitarbeiter, wobei auch ein manuelles Eingreifen durch den Lagerleiter jederzeit möglich ist. Das sorgt u. a. für einen effizienten Personaleinsatz. Prinzipiell wird die Kommissionierabfolge nach genau definierten Regeln errechnet. Dabei berücksichtigt die Software, dass jede Palette in einem Arbeitsgang nicht nur gepackt, sondern außerdem verdichtet wird. „Früher wurden zuerst Vollpaletten gepackt, um sie im Anschluss mit Kolli-Waren zu verdichten“, erinnert sich Gräffe. „Jetzt werden die Kolli-Waren gleich in einem Zug auf die Vollpalette gepackt.“ Aber auch ein kurzfristiges Umplanen noch während der bereits angelaufenen Kommissionierung sowie ein Festlegen neuer Rahmenbedingungen sind jederzeit möglich. Diese Flexibilität hatte bei dem Lebensmitteldiscounter höchste Priorität: „Es gibt immer wieder kurzfristige Auftragsänderungen hinsichtlich bestellter Artikel und Mengen. Darauf müssen wir flexibel reagieren“, so Gräffe. Sobald sich eine Änderung ergebe, müssen die neuen Daten jetzt nur noch in Medea erfasst und im Nachgang an das Waren wirtschaftssystem übertragen werden. „Früher mussten wir solche Abweichungen zuerst auf Papier erfassen, Listen abtippen und dann manuell im Warenwirtschaftssystem umbuchen“, so Lehmann. Im Vergleich zu früher arbeite das jetzige System sicherer und erspare eine Menge Zeit. Einfacher funktioniert auch die Kommunikation mit den ca. 30 Kommissionierern, die pro Schicht in Rossau arbeiten. Während früher jede Auftragsänderung auf einem Zettel persönlich über geben werden musste, erhalten die Mitarbeiter nun automatisch über ihre „Pick by Voice“-Terminals die neuen Artikel und Mengen. Dies macht sich vor allem im Kühllager bemerkbar. Lehmann: „Vor der Einführung der Zetes-Lösung mussten unsere Mitarbeiter im Tiefkühlbereich Korrekturen bei minus 30 Grad Celsius manuell auf dem Lieferschein vornehmen. Durch ‚pick by voice‘ entfällt dies. Wir haben in der TK-Kommissionierung die Leistung um 50 Prozent steigern können und die Fehlerquote massiv gesenkt.“ Entwicklung, Aufbau und Test des Konzepts konnten in Rossau nach 16 Wochen abgeschlossen werden. Die Effekte waren am Pilotstandort schnell messbar. Die Fehlerquote beim Kommissionieren ließ sich um weitere 60 Prozent reduzieren, während die Pickleistung um 15 bis 20 Prozent gestiegen ist. Primär zielte das Projekt jedoch auf das Einsparen von Kosten ab. Gräffe: „Wir wollten an Effizienz gewinnen. Die Auslastung unserer Lkw liegt nun meistens bei mehr als 90 Prozent. Hier nutzen wir die Möglichkeit, in Medea die Versandprioritäten flexibel zu verändern und zum Beispiel Aufträge zusammenzufassen.“ Nach Abschluss der Testphase startete im Mai 2011 der Rollout an den übrigen zwölf Lagerstandorten. Fotos: Norma/Zetes www.zetes.de by A Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Druckfrisch – kontrollierte Barcodequalität gemäss ISO/IEC Norm Der Logopak Vericoder ertified

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