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f+h fördern und heben 5/2016

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AKTUELLES I INTERVIEW Im

AKTUELLES I INTERVIEW Im Interesse der Intralogistik Interview mit Jan van der Velden, Präsident der Vereinigung FEM Die European Federation of Materials Handling (FEM) vertritt die Interessen europäischer Intralogistik-Unternehmen. Wir sprachen mit Jan van der Velden, Präsident der FEM, über die Tätigkeitsfelder der Vereinigung und deren internationaler Bedeutung. Sie waren vier Jahre Vorsitzender der Produktgruppe Intralogistik-Systeme in der European Federation of Materials Handling (FEM) und sind nun deren Präsident. Was sind Ihre priorisierten Ziele? Übergeordnetes Ziel ist es, die gesamte Intralogistik-Branche voranzutreiben. Unsere Aktivitäten stützen sich dabei auf die sieben Säulen Sicherheit, Technologie, Urheberrecht, Globale Märkte, Menschen, Energie sowie Umwelt & Ressourcen. In allen Tätigkeitsbereichen gibt es wichtige Themen, mit denen wir uns im Interesse unserer Mitglieder befassen. Übergreifend geht es uns auch darum, den Bekanntheitsgrad und die Attraktivität der Branche zu steigern, um sie für Fachkräfte interessanter zu gestalten. Bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1953 beschäftigt sich die FEM mit der Erstellung von Normen und Richtlinien sowie deren länderübergreifender Humanisierung. Das ist auch heute noch so. Einige der von der FEM herausgegebenen Richtlinien haben sich mittlerweile auch in anderen Ländern wie den USA etabliert. Das zeigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Wie ist die Vereinigung auf Europaebene organisiert? Die FEM besteht derzeit aus 15 nationalen Gremien aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, sowie aus der Schweiz und der Türkei. Das sind Landesverbände wie der VDMA aus Deutschland, CISMA aus Frankreich oder DMH aus Holland. Sie sind die offiziellen Mitglieder der FEM und gestalten die Vereinigung. Auf diese Weise stellt die FEM insgesamt mehr als 1 000 Unternehmen mit etwa 160 000 Mitarbeitern und steht für rund 80 Prozent aller in Frage kommenden europäischen Unternehmen. Wir repräsentieren zusammen mehr als die Hälfte der gesamten Weltproduktion. Die Interessen so vieler Länder zu vertreten ist eine große Herausforderung. Wie stellen Sie sicher, dass alle Interessen berücksichtigt werden? Wir sorgen dafür, dass die Mitglieder der Verbandsführung immer aus unterschiedlichen Ländern kommen. Die Amtszeit des Präsidenten ist in der Regel auf zwei Jahre limitiert und weist eine weitere Besonderheit auf: Der vorige Vize-Präsident wird nach zwei Jahren automatisch zum Präsident, und der Präsident wird dann zum Past-Präsident. Wir wählen lediglich einen Das Interview mit Jan van der Velden, Senior Manager Systems bei Vanderlande und Präsident der FEM führte f+h Chefredakteur Holger Seybold 12 f+h 5/2016

INTERVIEW I AKTUELLES neuen Vize-Präsident. So stellen wir sicher, dass die eingeschlagene Strategie auch über die jeweiligen Amtszeiten hinweg getragen wird. Bei Ihrer Aufzählung der Aktivitäten stand die Sicherheit an erster Stelle. Wie gehen Sie dieses Thema an? Wir müssen alle daran arbeiten, dass die Sicherheit der Systeme grundsätzlich gewährleistet ist. Und wenn wir an irgendeiner Stelle feststellen, dass Lücken im Gesetz oder anderen Regularien vorhanden sind, dann arbeiten wir gemeinsam daran, diese Lücken zu schließen. In einer Hinsicht sind sich alle einig: Sicherheit kann und darf nie ein Wettbewerbsunterschied sein. Welcher der Themenbereiche steht bei Ihrer Arbeit noch aktuell im Fokus? Uns beschäftigt die Evaluation der Energieeffizienz. Bisher hat jeder Hersteller sein eigenes Messverfahren verwendet, sodass die Ergebnisse nicht mit den Angaben anderer Hersteller vergleichbar waren. Das Problem besteht also darin, dass es hier kein einheitliches Messverfahren gibt. Aus diesem Grund hat die FEM eine Arbeitsgruppe aus zehn Firmen der Intralogistik gebildet, die in Kooperation mit dem Karlsruher Institut of Technology (KIT) ein entsprechendes Regelwerk entwickelt. Dies hat nicht nur direkte Vorteile für den Kunden, sondern stärkt auch unsere Position für zukünftige Verhandlungen mit der EU über die Gestaltung der Durchführungsmaßnahmen zur Ökodesign- Richtlinie. In einem weiteren Schritt ist so auch der Energiebedarf unterschiedlicher Fördertechniken miteinander vergleichbar. Bei der Kommissionierung „Mann zur Ware“ konnten wir anhand eines Beispiels aufzeigen, dass allein durch einen Technologiewechsel ein weitaus höheres Einsparpotenzial möglich ist, als wenn man an der bestehenden Technologie festhält und dort versucht, das letzte Prozent Effizienz heraus zu kitzeln. Sie sind für die europäische Gesetzgebung Ansprechpartner für die gesamte Branche. An welchen Regularien wird derzeit gearbeitet? Da gibt es mehrere. Die geltenden Sicherheitsnormen sind teilweise noch nicht an die heutigen Technologien angepasst, etwa bei den Shuttle-Systemen. Genauso wie es kollaborative Roboter gibt, die mittlerweile ohne Schutzzäune eingesetzt werden dürfen, so müssen die Normen auch den autonomen Shuttle-Systemen Rechnung tragen. Die aktuellen Vorgaben sind in dieser Hinsicht zu streng und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Ein anderes Beispiel ist der nach geltender Norm vorgeschriebene mechanische Dämpfer am Ende der Gasse eines Regalbediengeräts. Auf diese Konstruktion, die ja auch mit erheblichem Aufwand verbunden ist, könnte man mithilfe integrierter Sicherheitselektronik komplett verzichten. Voraussetzung ist auch hier, dass die Normen dem aktuellen Stand der Technik entsprechend angepasst werden. Grundsätzlich ist es unser Bestreben, dass in allen Ländern die gleichen Regeln gelten. Dabei geht es auch um Grundsatzfragen, etwa ob ein Regal als Gebäudebestandteil anzusehen ist oder nicht. Denn dies hat direkte Auswirkung auf die anzuwendenden Vorschriften. Hier muss in allen Ländern Einigkeit herrschen. Genau daran arbeiten wir proaktiv. In Bezug auf die Globalisierung und Humanisierung der Märkte ist TTIP gerade ein aktuelles Thema. Wie positioniert sich die FEM in diesem Kontext? Seit dem Jahr 2000 gibt es bereits eine Allianz mit Amerika. Die Flurförderzeughersteller beider Seiten haben sich geeinigt und Barrieren gesenkt. Wir achten nun darauf, dass TTIP hier kein Rückschritt darstellt. Die Hersteller anderer Herkunftsländer müssen ihre Geräte und Anlagen ebenso modifizieren, damit diese den strengeren europäischen Anforderungen und Normen entsprechen. Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, sind wir der Ansprechpartner auch für Unternehmen und Verbände von Nicht-EU-Staaten. Auf diese Weise sind die Unternehmen aller Länder in der Lage, ihre Produkte auf die Anforderungen des Ziellandes anzu passen. Dies ist die Grundlage für einen fairen Wettbewerb in beide Richtungen, also zum Beispiel auch für europäische Unternehmen, die nach China verkaufen möchten. Zudem arbeiten wir momentan mit den USA, China und Japan in der World Material Handling Alliance zusammen, um direkter über die Spezifikationen in „Die FEM leistet auf technischer und politischer Ebene einen wichtigen Beitrag für die komplette Branche der Intralogistik“ Bezug auf Anforderungen und Normen zu informieren. In diesem Kontext setzen wir uns dafür ein, dass Exporthindernisse beseitigt werden. Gleichzeitig verfolgen wir auch die Einhaltung der technischen Vorgaben. Vielen Dank für das Gespräch Foto: f+h

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