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f+h fördern und heben 5/2017

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LOGISTIK-MANAGEMENT

LOGISTIK-MANAGEMENT Systematische Kostenreduktion in der Supply Chain Methodischer Einsatz von Losgrößenverfahren eröffnet Potenziale Wirtschaftliche Losgrößen verfahren zur Kostenminimierung von Lagerhaltung sowie Beschaffung und Fertigung eines bestimmten Gutes werden in der Praxis viel zu selten eingesetzt. Um die Potenziale jedoch umfassend ausschöpfen zu können, müssen Anwender auch die Grenzen der Losgrößenverfahren kennen und sich bewusst sein, dass man mit ihnen nicht alle betrieblichen Interdependenzen berücksichtigen kann. Für den punktgenauen Einsatz an der strategisch richtigen Stelle ist deshalb entsprechende Methodenkompetenz über die komplette Supply Chain hinweg gefragt. Mit wirtschaftlichen Losgrößenverfahren sollen die minimalen Gesamtkosten aus Lagerhaltungskosten einerseits und Beschaffungs- bzw. Rüstkosten andererseits berechnet werden, um so die Gesamtkosten der Wertschöpfungskette zu minimieren. Größere Losgrößen in der Beschaffung und Fertigung führen zu höheren Beständen und so zu höheren Lagerhaltungskosten. Diese steigen i. Allg. proportional zur Losgröße, während die Beschaffungskosten umgekehrt proportional fallen (Bild 01). Dort, wo sich die beiden Kostenkurven schneiden, liegt das gesuchte Minimum der Gesamtkosten. Kostenarten bei der Losgrößenoptimierung Die Grundlage aller wirtschaftlichen Losgrößenberechnungen bildet die Ermittlung der Lagerhaltungskosten sowie der Beschaffungs- und Rüstkosten. Die Lagerhaltungskosten setzen sich zusammen aus den Zinsen des gebundenen Kapitals sowie aus Kosten für Alterung, Verschleiß, Verlust und Bruch. Die Kosten für den Transport, das Handling innerhalb des Lagers, Lagerung und Abschreibung sowie Lagerverwaltung und Versicherung gehören ebenfalls zu den Lagerhaltungskosten. Zu den Beschaffungskosten können zählen: Bestellkosten, Rabatte, Boni, Skonti sowie Zusatzkosten bei Prof. Dr. Götz-Andreas Kemmner ist Geschäftsführender Gesellschafter der Abels & Kemmner Gesellschaft für Unternehmensberatung mbH, Herzogenrath/Aachen 32 f+h 5/2017

LOGISTIK-MANAGEMENT ungünstigen Bestell- oder Fertigungsmengen. Darüber hinaus sind auch die Transport-, Versicherungs- und Verpackungskosten sowie Auftragsbearbeitungskosten Teil der Beschaffungskosten. Etwas weniger Kostenarten berücksichtigt man i. d. R. bei den Rüstkosten. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um kalkulatorische Kosten und so muss betriebsspezifisch respektive aus unternehmerischer Perspektive festgelegt werden, welche kalkulatorischen Kosten in welcher Höhe anzusetzen sind. Auf dem Weg zu wirtschaftlichen Losgrößen gilt es nun, fünf „Hürden“ erfolgreich zu überwinden. Die erste Herausforderung ist die Berücksichtigung der richtigen Kostenarten und deren Höhe. Unterschiedliche Verfahren Bei den wirtschaftlichen Losgrößenverfahren unterscheidet man zwischen statischen Verfahren und dynamischen Verfahren. Als zentrales statisches Verfahren gilt das Andler-Verfahren. Die von Kurt Andler im Jahre 1927 entwickelte Formel ermittelt das Minimum der Gesamtkostenkurve (Bild 01) auf Grundlage der Annahme, dass die Gesamtbedarfsmenge eines Artikels in einem Planungszeitraum, z. B. ein Jahr, bekannt ist. Die Formel leitet aus Lagerhaltungskosten und Beschaffungskosten eine wirtschaftliche Losgröße ab, die über den Planungszeitraum konstant bleibt und in einem konstanten Rhythmus abgerufen werden muss, damit sich tatsächlich die angestrebten minimalen Kosten ergeben. Das Problem: In der Praxis sind Produktions- oder Bestellbedarfe über einen Planungszeitraum nicht konstant, sondern folgen unregelmäßig aufeinander und fallen unterschiedlich hoch aus (Bild 02). Deutlich zu erkennen ist das bei den Planbedarfen einer plangesteuerten Disposition. Aber auch beim Meldebestandsverfahren ist die Bedarfsmenge zumeist nicht regelmäßig, wie ein Blick in Vergangenheitsdaten zeigt. 01 Gesamtkosten [€] Die Losgrößenoptimierung versucht das Kostenminimum aus Lagerhaltungsund Beschaffungskosten zu finden 800,00 700,00 600,00 500,00 400,00 300,00 200,00 100,00 Gesamtkosten 0,00 0 500 1000 1500 2000 Losgröße [ME] Lagerhaltungskosten Beschaffungskosten Der Herausforderung unregelmäßiger Bedarfe versuchen die dynamischen wirtschaftlichen Losgrößenverfahren zu begegnen, indem sie sich an der realen Bedarfssituation orientieren. Zu den verbreitetsten Verfahren dieser Gruppe zählen: n Das Part-Period-Verfahren (Stück-Perioden-Ausgleichsverfahren), n das Stückkosten-Verfahren (Verfahren der gleitenden wirtschaftlichen Losgröße), n das Groff-Verfahren sowie n das Silver-Meal-Verfahren und n das Wagner-Whitin-Verfahren. Zuverlässiger Partner für Logistikprozessautomation mit Mehrwert Vanderlande ist weltweit einer der führenden Generalunternehmer in der Logistikprozessautomation und auf Lösungen für den Lebensmitteleinzelhandel, Fashion sowie E-Commerce spezialisiert.Die innovativen Systeme, intelligente Software und Life-Cycle-Services von Vanderlande ermöglichen die Umsetzung einer schnellen, zuverlässigen und effizienten Automationstechnologie. > vanderlande.com Vanderlande.indd 1 28.03.2017 15:40:54 f+h 5/2017 33

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