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f+h fördern und heben 5/2017

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FLURFÖRDERZEUGE Mehr

FLURFÖRDERZEUGE Mehr Sicherheit im innerbetrieblichen Verkehr Assistenzsystem kontrolliert Geschwindigkeit von Gabelstaplern beim Indoor-Betrieb Linde Material Handling hat für seine Gabelstapler ein Assistenzsystem im Portfolio, das die Maximalgeschwindigkeit in Innenräumen automatisch reduziert, sobald ein Radarsensor am Flurförderzeug ein Hallendach über dem Fahrzeug detektiert. Der Sensor lässt sich auf die individuellen Anforderungen nahezu jedes Werksgeländes abstimmen. Im öffentlichen Straßenverkehr ist es die Straßenverkehrsordnung, die den Verkehrsteilnehmern Grenzen setzt. Innerhalb der eigenen Werkstore können Unternehmen im Rahmen der Arbeitsschutzverordnungen selbst regeln, wie gefahren werden darf und soll. Auch die Höchstgeschwindigkeit auf dem Betriebsgelände legt das Unternehmen selbst fest. Doch wie viele Autofahrer so schätzen auch manche Gabelstaplerfahrer die Risiken ihrer Fahrweise teilweise falsch ein. Zu hohe Geschwindigkeiten sind im Gabelstaplerverkehr wie im Straßenverkehr ein Unfallrisiko. Vor allem in Produktions- und Lagerhallen gilt das, da dort die Flurförderzeuge häufig auf engem Raum agieren und gleichzeitig viele Mitarbeiter unterwegs sind. Die Herausforderung an die Entwickler der Fahrzeuge ist daher für eine ausgeglichene Kombination von Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zu sorgen. Automatische Lösung bevorzugt Ein Hersteller von Flurförderzeugen, der diese Aufgabe in den Fokus stellt, ist die Linde Material Handling GmbH, ein Unternehmen der Kion-Gruppe. Die Frage der angemessenen Geschwindigkeit des Staplerverkehrs als ein wichtiges Sicherheitsmerkmal treibt den Hersteller schon einige Zeit um. „Eine generelle Geschwindigkeitsreduktion wäre zwar problemlos möglich, jedoch möchten die Kunden nicht die hohe Umschlagleistung durch eine generelle Geschwindigkeitsreduktion senken“, so Jennifer Skarabisch, zuständig für die Elektrotechnik in der Konstruktion Flurförderzeuge bei Linde Material Handling. Eine erste Lösung sah die manuelle zweistufige Umschaltung der Maximalgeschwindigkeit vor. Die Fahrer sollten damit in Innenräumen auf eine geringere Maxi- malgeschwindigkeit umschalten, i. d. R. liegt diese um die 6 km/h. Doch das Umschalten auf das reduzierte Tempo in Hallen wurde in der Praxis nicht so konsequent umgesetzt, wie es die Verantwortlichen aus dem Bereich Arbeitssicherheit vorgesehen hatten. Viele Flurförderzeugbetreiber bevorzugten eher eine Lösung, die nicht von der individuellen Entscheidung des Fahrers abhängt. Skarabisch und ihr Kollege Michael Fuchs, Product Manager Parts im Bereich Customer Services bei Linde Material Handling, blieben an der Frage dran und entwickelten den „Speed-Assist“, der die Maximalgeschwindigkeit in Innenräumen automatisch reduziert. „Die automatische Umschaltung kann beide Ansprüche, mehr Sicherheit im Innenbereich, abgestimmt auf die Werksumgebung und hohe Umschlagleistung im Freien, verbinden“, so Fuchs. Radarsensor erfüllt alle Kriterien Idealerweise sollte der Flurförderzeugbetreiber bei der automatisierten Reduktion der Maximalgeschwindigkeit in Innenräumen an seiner bestehenden Infrastruktur keine Änderungen vornehmen müssen. Die Lösung musste also der Gabelstapler selbst mitbringen. Eine naheliegende Option war, das Hallendach vom Fahrzeug aus mit einem Sensor zu detektieren. „Wir haben uns verschiedene Sensortechnologien unterschiedlicher Hersteller angeschaut“, beschreibt Skarabisch den Auswahlprozess. „Wir wollten auf jeden Fall eine Lösung, die ausgiebig getestet und in der Praxis bewährt ist, um schnell am Markt sein zu können. Optische Sensoren hatten häufiger Probleme mit Verschmutzungen. Mit dem Radarsensor haben wir zuverlässige Ergebnisse erzielt.“ Die Beschaffungskriterien für den Sensor waren eine hohe Reichweite bei kompakten Abmessungen und Robustheit, da die Sensoren im Außenbereich und gelegentlich bei hohen Vibrationen respektive Schocks eingesetzt werden. Bei den internen Tests mit Blick auf diese Kriterien schnitt ein Radarsensor aus dem Hause Turck am besten ab: Der von Banner Engineering entwickelte Radarsensor vom Typ QT50, einem Partner von Turck. Der Radarsensor des Assistenzsystems ist am hinteren Ende des Kabinendachs des Gabelstaplers installiert (Bild) und erkennt Hallendächer bis zu einer Höhe von 24 m. Über einen Schaltausgang signalisiert der Sensor der Systemsteuerung, ob ein Hallendach erkannt wurde. Die Steuerung verzö- 42 f+h 5/2017

FLURFÖRDERZEUGE gert dann die Geschwindigkeit des Flurförderzeugs schonend oder gibt im Außenbereich die höhere Maximalgeschwindigkeit frei. Linde hatte den Speed-Assist zunächst über seinen weltweiten Ersatzteilhandel als Nachrüstlösung eingeführt. Aufgrund der positiven Resonanz führt man die Lösung nun auch als Ausstattungsoption für alle Neufahrzeuge aus dem Werk Aschaffenburg ein. Individuelle Anpassung vor Ort Der Radarsensor lässt sich problemlos an unterschiedliche Gegebenheiten anpassen. Skarabisch: „Die Einsatzbedingungen bei unseren Kunden sind verschieden. Da ist es gut, dass man am Sensor direkt die Möglichkeit hat, sowohl die Empfindlichkeit als auch Reichweite und Verzögerungszeit einzustellen. Gemeinsam mit seinem Linde- Servicetechniker kann der Betreiber das System an seine jeweilige Situation vor Ort anpassen.“ Durch die Verzögerung des Ansprechens des Sensors (bis zu drei Sekunden) wurde z. B. bei einem Betreiber, wo die Stapler im Außenbereich Rohrbrücken und Bäume unterqueren, sichergestellt, dass sie in diesen Fällen nicht die Geschwindigkeit reduzieren. Mithilfe dieser Einstellung ist nun ein entspanntes Unterqueren der Rohrbrücken möglich. Auch die reduzierte Geschwindigkeit kann mit Unterstützung eines Servicetechnikers eingestellt werden – allerdings in der Steuerung und nicht am Sensor. „Diese individuellen Einstellmöglichkeiten haben sicher auch dazu beigetragen, die Akzeptanz des Systems zu erhöhen“, so Fuchs. Trotz der Einstellmöglichkeiten ist das System gegenüber Manipulationen durch den Fahrer selbst geschützt. Im montierten Zustand lässt der Sensor keine Einstellungsveränderung zu. Die Steuerung ist bei Gabelstaplern mit Linde Speed-Assist so programmiert, dass das Flurförderzeug in die reduzierte Geschwindigkeit schaltet, sobald man den Sensor vom Kabel trennt. Bei der Suche nach den richtigen Einstellungen standen Experten von Turck und Banner Engineering den Linde-Entwicklern immer zur Seite. So konnte z. B. ein Problem mit aufstehendem Tauwasser durch das Einstellen der Sensorempfindlichkeit behoben werden. Trotz der gewölbten Kuppel kann sich mitunter Wasser auf dem Sensor sammeln. Das passierte nicht bei Regen, sondern bei Taufeuchte, die sich über Nacht absetzte. „Wir haben bei den Terminen mit den Sensorexperten auch Erfahrungen sammeln können, die wir als Information intern an unser Service-Netzwerk weitergeben konnten“, so Skarabisch. Weiterentwicklung im Fokus Vom Kabinendach des Gabelstaplers aus detektiert der Radarsensor das Hallendach Die kompakten Ausmaße, Robustheit und Flexibilität waren ausschlaggebend für die Wahl des Banner QT50 als Speed- Assist-Sensor, der für Linde als Brandlabel-Produkt gefertigt wird Jennifer Skarabisch, zuständig für den Bereich Elektrotechnik in der Konstruktion Flurförderzeuge bei Linde Material Handling Eine Herausforderung bleibt noch zu bewältigen: In der Schiffsindustrie überschreiten die Deckenhöhen mit bis zu 70 m die Standards anderer Industriebauten. Diese Decken erkennt der QT50-Radarsensor nicht. Aus diesem Grund arbeiten die Entwickler von Banner Engineering an einem Radarsensor, der auch die höchsten Hallen detektieren kann. So lässt sich die Sicherheit für Staplerfahrer und Mitarbeiter künftig in allen Produktions- und Lagerbereichen verbessern. Fotos: Turck, Linde www.turck.com COMBi iFT L I F T I N G I N N O V A T I O N Sicher,platzsparend und produktiv Combilift hat die maßgeschneiderten Lösungen für das Handling IhrerProdukte. Tel. Deutschland: 0800 0005764 f+h 1-2/2017 43

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