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f+h fördern und heben 5/2018

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f+h fördern und heben 5/2018

PRODUKTE UND SYSTEME

PRODUKTE UND SYSTEME AUGE IN AUGE „WIR WOLLEN ANLAGENINTELLIGENZ MIT SAP AUS EINER HAND“ Die Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik (SGF) hat im Jahr 2016 eine Werkserweiterung am Stammsitz Waldkraiburg abgeschlossen, die vor allem auf eine enge Verzahnung von Produktion und Logistik fokussierte. Als SAP-EWM-Generalunternehmer verantwortete IGZ aus Falkenberg die Umsetzung aller logistischen Gewerke sowie der Implementierung von SAP EWM (Warehouse Management System) inklusive der Materialflusskomponente MFS (Material Flow System). Wir haben mit Gerald Seidinger, Werksleiter SGF Waldkraiburg, und Roland Brandl, Projektleiter Logistik, über ihre Erfahrungen, die damalige Zielsetzung und das bislang Erreichte gesprochen. Das Interview mit Gerald Seidinger (r. im Bild) und Roland Brandl (Bild Mitte) führte f+h-Chefredakteur Winfried Bauer Foto: f+h Bearbeitung: VFV Layout, Sonja Schirmer 16 f+h 2018/05 www.foerdern-und-heben.de

AUGE IN AUGE PRODUKTE UND SYSTEME Die Werkserweiterung einschließlich komplett neuer Lagerlogistik war eine der größten Unternehmensinvestitionen. Hat SGF die erwarteten Ziele erreichen können und lassen sich die Verbesserungen quantifizieren? Gerald Seidinger: Ein Vergleich mit der Ausgangssituation einer verteilten Lagerhaltung und Produktion ist aufgrund der nun realisierten Konsolidierung nur bedingt möglich. Festhalten lässt sich aber, dass die Maßnahme durch Entfall von Pufferplätzen zu mehr als 20 Prozent Raumeinsparung in der Produktion geführt hat und sich die Umlaufbestände um rund 70 Prozent reduzieren ließen. Zuvor haben Skylines an Paletten wertvolle Produktionsflächen gebunden. Außerdem musste der Nachschub für die Fertigungsmaschinen bereits am Vortag bis spätestens 16:00 Uhr manuell angefordert werden, um pünktlich bereitzustehen. Roland Brandl: Durch Integration der bedarfsgerechten Routenzugver- respektive -entsorgung in Verbindung mit dem neuen, vollautomatischen Hochregallager wird heute nur noch das in der Produktion vorgehalten, was kurzfristig auch tatsächlich benötigt wird. Auch menschliche Fehler, die eben passieren können, kommen aufgrund der vollautomatischen Be- und Entladung des Routenzugs aus dem automatischen Hochregallager und der integrierten SAP-EWM-Routenzugoptimierung nicht mehr vor. Wenn nun morgens eine Palette bestellt wird, steht diese spätestens nach zwei Stunden an der Maschine bereit. Gerald Seidinger: Das System hat sich bewährt. Wir können deutlich flexibler agieren, wenn es um Optimierungen im Produktionsumfeld geht. Früher war eine Verund Entsorgung der Produktion nur in einem Zeitfenster von acht Stunden möglich. Heute ver- und entsorgen wir rund um die Uhr. Aufgrund des an jede einzelne Maschine angebundenen Routenzugs, der auf kurze Spielzyklen von weniger als drei Minuten ausgelegt ist, haben wir nun eine nahezu staplerfreie Produktion und der Werksverkehr ließ sich um etwa 80 Prozent reduzieren. Wenn wir uns parallel die Lagerspiele anschauen, ist zum Beispiel dokumentiert, dass mit nur einem Regalbediengerät im November 2017 an die 24 000 Doppelspiele absolviert worden sind. Staplerunterstützt wäre dies schlichtweg nicht möglich. Will heißen: Eine schlanke Fertigung in der Form, wie SGF sie heute hat, wäre mit einer Lagerlogistik, wie wir sie früher betrieben hatten, nicht realisierbar. Eine Automatiklösung steht und fällt auch mit der Verfügbarkeit. Diese liegt im Jahresmittel heute bei mehr als 98 Prozent – und das im 6/24-Betrieb. Wie schon gesagt, sollte zudem jede Lieferung in die Produktion nach zwei Stunden abgeschlossen sein, unabhängig von etwaigen Störungen oder Schichtwechsel. Das halten wir konstant ein und teilweise steht eine Palette schon 15 Minuten nach Bestellung zur Auslieferung bereit. Kurzum: Wir können heute individuelle Auftrags-Losgrößen und priorisierte Aufträge deutlich schneller und effizienter abwickeln. Inwieweit fühlt sich SGF mit der neuen Werkslogistik und SAP EWM für Industrie 4.0 gerüstet? Gerald Seidinger: Industrie 4.0 ist ein vielschichtiger Begriff. Ziel sollte sein, dass die Maschine selbst erkennt, wann der Bestand zuneige geht und somit den Bedarf frühzeitig absetzt. Insofern fühlen wir uns mit der SAP-basierten Intralogistik bereits bestens aufgestellt. Hingegen ist die Vernetzung in der Produktion noch nicht so weit fortgeschritten, dass eine direkte Maschinenkommunikation abgebildet ist. Aber dank der guten Werksinfrastruktur, der implementierten Betriebsdatenerfassung und der bereits vorhandenen Steuerungen sehen wir Potenzial, das vor allem bei Einsatz von SAP-MES-Applikationen noch zusätzlich auszuschöpfen ist. Roland Brandl: In der Intralogistik sind wir tatsächlich schon einen beträchtlichen Schritt weiter. Denken Sie an kürzeste Taktzeiten aufgrund automatisierter Be- und Entladung der Routenzüge in Verbindung mit einer vollautomatischen, dynamischen Routenzugplanung und letztlich durchgängig digitalisierte Ver- und Entsorgungsprozesse. Ferner sind Standardisierung und höchstmögliche Flexibilität wichtige Themen. Letztere ist zum Beispiel bedeutsam angesichts der Vielfalt an Ladungsträgern mit unterschiedlichen Grundmaßen, die allesamt auf einer Fördertechnik gefahren werden. Dies ist auch für die Steuerung eine Herausforderung. In Summe ist SAP EWM ganz klar ein Enabler für Industrie 4.0! www.foerdern-und-heben.de f+h 2018/05 17

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