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f+h fördern und heben 6/2015

f+h fördern und heben 6/2015

MATERIALFLUSS

MATERIALFLUSS Komponenten reduzieren – Systeme optimieren Berührungslose Datenübertragung erweitert Einsatzpotenzial von Materialflusssystemen „Die Form folgt der Funktion“ ist ein Gestaltungsleitsatz aus dem Produktdesign und postuliert, dass sich die Form der Produkte aus ihrem Nutzzweck ableiten soll. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die Konzeption bodengeführter Fördertechnik und FTS-Anlagen anwenden. Der Einsatz konventioneller fahrerloser Transportsysteme ist z. B. in explosionsgefährdeten Bereichen oder bei beengten Platzverhältnissen mitunter begrenzt. Entweder sind einzelne Komponenten unökonomisch in den Fahrzeugen verbaut, was die Flexibilität und Bewegungsfreiheit der Systeme einschränkt, oder spezielle Anforderungen wie der Ex-Schutz wurden bei der Entwicklung schlicht ausgeblendet. Hier hat das Unternehmen Eisenmann mit seinem Doppelkufensystem „Logimover“ und dem Konzept der berührungslosen Energieund Datenübertragung als Antriebsvariante für seine Elektroboden- oder -hängebahnen reagiert. Diese Lösungen eröffnen neue Perspektiven bei der Automatisierung von Materialflussprozessen. Alternative zur Schleifleitung Für einen chinesischen Tabakproduzenten hat Eisenmann − im Auftrag des Betreibers − seine im Einsatz befindliche Zweischienenbodenbahn mit berührungsloser Antriebsund Datenübermittlungstechnik ausgestattet (Bild 01). Da bei der Tabakverarbeitung mitunter explosive Stoffgemische entstehen, galt es Funkenbildung während des Betriebs zuverlässig auszuschließen. Bei der berührungslosen Strom- und Datenübertragung gibt es, im Gegensatz zur konventionellen Variante mit Schleifleitung, weder mechanischen Abrieb, noch werden galvanische Kontaktflächen genutzt. Die Fahrzeuge der Zweischienenbodenbahn beschleunigen mit 0,8 m/s 2 , erreichen eine Geschwindigkeit von 3 m/s und transportieren Lasten von bis zu 1,5 Tonnen Gewicht. Die Fahrwerke sind mit einer eigenen Steuerung ausgestattet, bewegen sich vollautomatisch auf dem Schienensystem und bearbeiten ihre Aufträge in Eigenregie. Die intelligente Abstandsreglung stellt einen dynamischen Materialfluss mit einer Ein- und Auslagerleistung im Hochregallager von mehr als 450 Paletten pro Stunde sicher. Aufgrund der flachen Bauweise ist ein niedriger Lastübergangspunkt von minimal 500 mm möglich. Das Schienensystem beansprucht nur wenig Platz bei geringer Flächenbelastung. Zum Einsatz kommt das berührungslose Übertragungssystem nicht nur in explosionsgefährdeten Bereichen, sondern auch in der Pharmabranche, im Reinraum sowie in Kühlräumen. Die „Gabel ohne Stapler“ Einen weiteren Anwendungsbereich berührungsloser Datenübertragung bei Flurförderzeugen zeigt das Doppelkufensystem „Logimover“ des Herstellers. Das Fahrzeug inte griert alle Antriebskomponenten sowie die Energieversorgung in zwei parallel, ohne Unter Praxisbedingungen Werfen Sie einen Blick darauf, wie der „Logimover“ unter realen Bedingungen arbeitet. https://vimeo.com/127144495

01 Berührungslose Energie- und Datenübertragungssysteme verhindern die Funkenbildung bei schienengeführten Materialflusssystemen feste Verbindung agierenden Transportkufen. Die Paletten lassen sich so ohne Ladehilfsmittel direkt vom Boden aufnehmen. Aufgrund der kompakten Bauform und der hohen Beweglichkeit des Systems ist das Rangieren auf engem Raum möglich. Nach der Vorstellung des Pilotmodells vor rd. einem Jahr hat Eisenmann kürzlich die technische Weiterentwicklung des „Logimovers“ präsentiert. Das Flurförderzeug ist jetzt mit einem leistungsfähigeren Hydraulik-Hubsystem und einem integrierten Kollisionsschutz ausgestattet. Zudem lässt sich das Fahrzeug komplett automatisiert oder mithilfe einer intuitiv bedienbaren Handsteuerung (Bild 02) betreiben. Zu den Neuerungen zählt darüber hinaus die Master/Slave­ Verknüpfung beider Kufen: Während die Masterkufe mit dem Leitrechner oder der Handsteuerung kommuniziert, folgt die Slave- der Masterkufe. Das Aufkleben von nur einer Spur genügt, um beide Kufen synchron zu führen. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 1 m/s sorgt ein sensorüberwachtes Kollisionsschutzkonzept für Aufprall- und Personensicherheit. Die zugehörige Elektronik und Sensorik ist kompakt im Kopfmodul untergebracht. Beim Abbremsen und Absenken speisen Antriebe und Hydraulikaggregate Energie zurück. Mit einem Gewicht von weniger als 100 kg und einer Nutzlast von rd. einer Tonne weist das Fahrerlose Transportsystem ein optimiertes Verhältnis aus Eigengewicht und Nutzlast auf. Seine Wendigkeit, der geringe Platzbedarf und der daraus resultierende hohe Flächennutzungsgrad, zählen zu den grundlegenden Merkmalen des Doppelkufensystems. Dabei sind die Anforderungen an Infrastruktur und Hallenlayout gering, weil praktisch nur Leitspuren aufzukleben sind. Der einfache und modulartige Aufbau der Kufen unterstützt eine rasche Behebung von Störungen. Unter besonderen Bedingungen wie in Rein- oder Kühlräumen, Ex-Schutz-Umgebungen und bei beengten Platzverhältnissen ist es vor allem die vermeintliche Einfachheit der von Eisenmann entwickelten Transportsysteme, die die Lösungen flexibel machen und ein erweitertes Einsatzfeld ermöglichen. MW Womit wir schmale Gassen sicher machen? Mit breiter Erfahrung! Fotos: Eisenmann www.eisenmann.com 02 Der „Logimover“ lässt sich u. a. mithilfe einer Handsteuerung führen WWW.VAHLE.DE

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