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f+h fördern und heben 6/2015

f+h fördern und heben 6/2015

KRANE UND HEBEZEUGE Den

KRANE UND HEBEZEUGE Den Ansprüchen der „Smart Factory“ Rechnung tragen Fachtagung diskutiert Umsetzung von Industrie 4.0 in der Krantechnik Dieter Wehner Auch für die Konstrukteure und Hersteller von Krantechnologien ist das Thema der intelligenten Fabrik aktuell. So sollen zeitgemäße Krananlagen als Teil der Fertigungs- und Materialflussprozesse durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Ergonomie ihren Beitrag zu Industrie 4.0 leisten. Seit dem Jahr 1993 findet im jährlichen Wechsel zwischen den Universitäten Magdeburg, Dresden und Bochum die bei Herstellern und Betreibern gleichsam geschätzte internationale Kranfachtagung statt. Neben dem Dialog zwischen Wissenschaft und Industrie stehen die Präsentation neuer Kransysteme und Komponenten sowie Fachgespräche auf der Agenda der Veranstaltung. In diesem Jahr war der Austragungsort die Technische Universität Dresden – organisiert und durchgeführt wurde die Tagung durch das dortige Institut für Technische Logistik und Arbeitssysteme. Mehr als 220 Kranexperten waren in Dresden vor Ort, nahmen das umfangreiche Vortragsangebot wahr und diskutieren u. a. das Thema der Tagung: „Krane – Herausforderungen im Zeichen von Industrie 4.0“. Theorie und Praxis Beinahe schon traditionell ist der praktische Bezug der Fachtagung im Rahmen von Werksführungen. Und so fand am Vortag der eigentlichen Veranstaltung eine Besichtigung des in der Stahl- und Montanindustrie tätigen Unternehmens BGH Edelstahl Freital GmbH statt. Im Mittelpunkt standen dabei neue Automatikkrane für die Kommissionierung und den Versand sowie die antriebstechnisch modernisierten Stahlwerkskrane älterer Bauart. Ergänzend zu dieser Werksführung wurden im Rahmen der Vorträge noch einmal die technischen Dr.-Ing. Dieter Wehner ist Kransachverständiger, Langenhagen 40 f+h 6/2015

KRANE UND HEBEZEUGE Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Schmidt leitete die Kranfachtagung Holger Ackermann bei seinem Vortrag zur Schadensakkumulation von Krantragwerken Details dieser Krananlagen für die Einsatzbedingungen eines Stahlwerkes erläutert. Besondere Hervorhebung fand dabei die technische Unterstützung bei der Konzeption der Systeme durch den gastgebenden Lehrstuhl der TU Dresden. Ebenfalls auf der Agenda der praktischen Anschauungen stand ein Kransimulator für Eisenbahnkrane der Kirow-Ardelt GmbH, der in der Fördertechnik-Versuchshalle vorgeführt und erläutert wurde. Mithilfe dieses Simulators lässt sich eine effiziente und intensive Kranführerausbildung für diesen Krantyp sicherstellen. Kranführer von Eisenbahndrehkranen müssen sowohl den Kran- als auch den Eisenbahn-Fahrbetrieb beherrschen, sodass die bei Eisenbahndrehkranen zeitaufwändige Ausbildung der Kranführer durch diese Simulationsmethode optimiert werden kann. Im realen Betrieb umsetzen Das Vortragsprogramm der Fachtagung war mit 17 Beiträgen so umfangreich bemessen, dass an dieser Stelle nur ausgewählte Themen hervorgehoben werden können: Als Mitglied des deutschen Normengremiums erläuterte Prof. Dr.-Ing. Gerhard Wagner für die neue Seilnorm für Krane DIN EN 13001-3-2, dass die Einführung der Biegewechselzahlen anstelle der Laufzeiten bei der Bemessung von Drahtseilen technisch richtiger ist. Nach seinen Erläuterungen sind gleiche Lastannahmen und Nachweise für alle Bauteile von Kranen, wie sie in der neuen Norm enthalten sind, vorteilhaft. Jawk Meijer von der Schwartz GmbH Xanten, zeigte, dass Seilrollen aus Kunststoff (Werkstoff Lamigamid) aufgrund ihres geringen Eigengewichts, einer größeren Seillebensdauer sowie der fehlenden Korrosion auch beim Einsatz in Kransystemen Stahlseilrollen ersetzen können. Für den Durchmesserbereich 200 bis 3 200 mm liegen − bei Einhaltung der Temperaturgrenzen -40 bis +60 °C − bereits positive Einsatzerfahrungen vor. Obwohl bei der Berechnung von Krantragwerken sowohl nach der bisherigen DIN 15018 als auch nach der neuen Europanorm EN 13001 Belastungskollektive und Lastspielzahlen bei der Einstufung vorgegeben sind, findet im realen Betrieb nur selten eine Überprüfung und Begrenzung der Lebensdauer statt. Dieses Problem erläuterte Holger Ackermann der Kühne BSB GmbH Darmstadt und zeigte, dass auf der Grundlage wirklicher Spannungsverläufe sich mithilfe der linearen Schadensakkumulation die Schädigung sowie die Restlebensdauer ermitteln lassen. Durch die Kumulierung kontinuierlicher Spannungsmessungen und deren Auswertung in einem Bordrechner ist es zukünftig möglich, den Zeitpunkt und die Stellen für intensive Tragwerksinspektionen bzw. die Lebensdauergrenzen zu erkennen. Diese Umsetzung von „Industrie 4.0“ am Kran erfordert einigen Aufwand an zusätzlicher Sensorik, kann aber durch die Schädigungsüberwachung viele in der Praxis vorhandene Unsicherheiten beseitigen. In dem Vortrag von Dr.-Ing. Michael Kleeberger vom Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik der TU München, ging es ebenfalls um die gegenüber den Normen genauere Berechnung von Kranen. Die dynamischen Beanspruchungen beim Drehen von großen Gittermast-Fahrzeugkranen lassen sich mit der vorgestellten Berechnungsmethode eines Schwingungsmodells „auf der Basis der modalen Reduktion“ genauer berechnen. Auch in der Gütegemeinschaft Kranservice, einem organisatorischen Interessenverband zur Qualitätssicherung von Serviceleistungen an Kranen, haben die neuen Anforderungen von Industrie 4.0 zu höheren Anforderungen und neuen Methoden geführt. Darüber berichtete der Vorsitzende Thomas Reiß und erläuterte, wie durch eigene Güte- und Prüfbestimmungen, Nutzung der IT-Technik, Schulung der Mitarbeiter und die regelmäßige Überprüfung der Mitgliedsunternehmen den aktuellen und steigenden Anforderungen an den Kranservice entsprochen werden kann. Die lebhafte Diskussion nach allen Vorträgen und die vielen Fachgespräche in den Pausen und an den Firmenständen zeigten, dass der Veranstalter mit der Themenwahl und der Auswahl der Vorträge interessierende Probleme getroffen hat, sodass Prof. Dr.-Ing. Thorsten Schmidt am Ende der 23. Kranfachtagung neben dem Dank an seine Mitarbeiter und die Referenten eine sehr positive Bilanz ziehen konnte. Für das kommende Jahr konnte er zur 24. Auflage dieser Veranstaltungsreihe am 16. März 2016 an die Ruhr-Universität Bochum einladen. Fotos: TU Dresden, TLA VETTER – Hebt und bewegt. Standard-Schwenkkran mit Doppelausleger vetter-krane.de f+h 6/2015 41 VEKT Anzeige Doppelausleger 94x134-7.indd 1 Vetter.indd 1 06.05.2014 16:44:49

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