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f+h fördern und heben 6/2017

f+h fördern und heben 6/2017

AKTUELLES I INTERVIEW

AKTUELLES I INTERVIEW Zielvorgabe Systemanbieter – Akquisitionen ebnen den Weg Im Gespräch mit Hubert Kloß, Chief Executive Officier der Körber Logistics Systems GmbH Die Körber Logistics Systems GmbH vereint mit Aberle, Aberle Software, Consoveyo (bis März Efacec Handling Solutions), Inconso sowie Langhammer und Riantics (bis Anfang Mai Qubiqa Logistics) mehrere Unternehmen aus dem Bereich der Intralogistik. Die F+H-Redaktion hat Hubert Kloß, Chief Executive Officer der Körber Logistics Systems GmbH, getroffen und über die strategischen Überlegungen für die Zukunft dieses Geschäftsfeld des international agierenden Körber- Konzerns gesprochen. Im Jahr 2012 startete der Körber-Konzern mit der Übernahme des Unternehmens Aberle seine Aktivitäten im Logistik- Markt. In den darauffolgenden Jahren fand die Akquisition weiterer Systemanbieter und Spezialunternehmen statt und die Körber Logistics Systems GmbH wurde gegründet. Welches strategisches Ziel verfolgen Sie damit? Zuerst einmal ist Körber Logistics die Dachmarke, unter der wir die am Markt etablierten Marken weiterführen wollen. Die jüngsten Akquisitionen – Consoveyo und Riantics – unterstützen uns dabei, ein breit aufgestellter Systemanbieter in der Logistik zu werden. Um diesem globalen Anspruch, im Sinne von umfassendem Produktspektrum, erfüllen zu können, haben wir uns für eine auf drei Geschäftsbereichen basierende Organisation entschieden. Da ist zum einen der Geschäftsbereich Systemintegration, zum anderen der Bereich Produktlösungen und als dritte Säule der Bereich Software. Als wir 2012 das Unternehmen Aberle übernommen haben, war das der Auftakt des Systemgedankens innerhalb des Körber-Konzerns. Wenn ich es etwas vereinfacht formulieren darf: Es ging damals zunächst darum, den Logistik-Markt und dessen Dynamik zu verstehen. Inzwischen haben wir die Systematiken im Markt und vor allem die Denkweisen und Anforderungen der Kunden sehr genau verstanden. Deswegen ist für uns auch völlig klar, dass wir die Stärken aller unserer Unternehmen im Geschäftsfeld ausbauen und noch intensiver – sowie immer dann, wenn es unseren Kunden Mehrwert bringt Das Interviews mit Hubert Kloß (r. im Bild), Chief Executive Officier der Körber Logistics Systems GmbH, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h 12 f+h 6/2017

INTERVIEW I AKTUELLES Die Körber Logistics Systems GmbH im Detail Geschäftseinheit Geschäftsfeldunternehmen Leistungsspektrum System integration Aberle n Generalunternehmer für automatisierte Intralogistik-Systeme und dynamische Automatisierungsprojekte n Planung und Realisierung von einfachen bis hochkomplexen Automatisierungsprojekten n Entwicklung technisch und wirtschaftlich optimal zugeschnittener Anlagenkonzepte Consoveyo n Systemintegrator und Anbieter automatisierter Fördertechnik- und Lagersysteme n Anbieter integrierter Lösungen und Dienstleistungen im Bereich automatisierte Hochregallager, Distributionszentren und Auftragsabwicklungssysteme Produkt lösungen Langhammer n Anbieter von Transport- und Palettieranlagen n Passgenaue Automationslösungen für verschiedene Branchen Riantics n Anbieter von Depalettierlösungen n Produkte, Systeme und Services zur Realisierung vollautomatischer Materialfluss- und Kommissionieranlagen Software Aberle Software n Branchenübergreifende Implementierung von IT-Lösungen für die Verwaltung, Steuerung und Optimierung von automatischen und manuellen Lagern Inconso n Supply Chain Execution- und Visibility-Lösung/Steuerung des logistischen Netzwerks n Vollständige SAP-SCE-Lösungen im Warehouse Management, Transport Management und Yard Logistics für Handels-, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen Quelle: Körber Logistics – verzahnt nutzen. Alle unsere Marken haben einen guten Namen – Körber Logistics als Dachmarke verstehen wir als das Tüpfelchen auf dem „i“. Sie sprechen davon, den Markt respektive die Denkweise der Kunden verstanden zu haben. Nun verlangen unter anderem die Betreiber eines Logistikzentrums in der Regel einen Ansprechpartner, der für alle Belange rund um das Projekt zur Verfügung steht. Wenn ich Ihr Geschäftsmodell richtig verstanden habe, hat Ihr potenzieller Kunde in der von Ihnen ausgeführten Konstellation der eigenständigen Geschäftsfeldunternehmen aber mehrere Ansprechpartner … … je nach Ausprägung des Projekts ist immer ein Unternehmen federführend. Nehmen wir als Beispiel ein Projekt, bei dem die Palettiertechnik eine dominante Rolle spielt. Dieses Projekt fällt dann in den Zuständigkeitsbereich unseres Unternehmens Langhammer. Sollte der Kunde zu einem späteren Zeitpunkt, etwa aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs, ein Hochregallager in das Materialflusslayout integrieren wollen, dann würde der Langhammer-Projektverantwortliche dies innerhalb unseres Geschäftsfelds bei dem entsprechenden Unternehmen platzieren, in dem genannten Fall beim Generalunternehmer Aberle oder Consoveyo. Aber der Anlagenbetreiber hätte stets den Mitarbeiter von Langhammer als Ansprechpartner. Wenn Sie sich darüber hinaus die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Angebote, Produkte und Services aller unserer Unternehmen für potenzielle Projekte oder Aufgabenstellungen vergegenwärtigen, wüsste ich nicht, wer außer uns solch ein Angebot im Logistik-Markt ein zweites Mal bietet. Jetzt haben Sie Ihr Leistungs- beziehungsweise Produktspektrum aber in einem ganz besonders positiven Licht dargestellt. Wenn ich mir das Portfolio ansehe, fehlt im Materialfluss noch die Sortiertechnik und in der Lagertechnik zum Beispiel die Shuttle-Technologie. Richtig. Wir wollen uns im Bereich der Sortiertechnik noch anders aufstellen. Nur so können wir zum Beispiel am Wachstum des E-Commerce-Geschäfts partizipieren. Die Abrundung unseres Angebots um derartige Systeme steht ganz oben auf unserer To-do-Liste. Darüber hinaus werden wir sicherlich auch noch eine hauseigene Kompetenz in Sachen Shuttle aufbauen. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten, dies zu tun. Eine Alternative, Knowhow in puncto Shuttle-Lager zu generieren, würde darin bestehen, in die Entwicklung derartiger Systeme zu investieren. Ein anderer vorstellbarer Weg wäre es, dass wir uns einen Partner suchen, mit dem wir unsere globale Strategie gut umsetzen können. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass solch eine Partnerschaft nicht später auch in eine Eigentümerschaft mündet. Lassen Sie uns abschließend, nachdem wir zuvor in die Zukunft von Körber Logistics geschaut haben, noch einen Ausblick in die Welt der Intralogistik werfen. Worin sehen Sie die großen Herausforderungen für unsere Branche? Ich bin davon überzeugt, dass die Themen Digitalisierung, Industrie 4.0 und Vernetzung unseren Arbeitsalltag komplett verändern werden. Mit Sicherheit wird dies nicht kurzfristig geschehen, aber es wird auch keine Jahrzehnte mehr dauern. In der Logistik sind wir in den genannten Themen schon deutlich weiter, als andere Industriezweige. Was darüber hinaus für Umwälzungen sorgen wird, ist die Robotertechnik, die noch stärker als bisher Einzug in die Lager der Zukunft halten wird. Und hier vor allem in die Kommissionierung. Aber auch außerhalb der Lager wird es für die letzte Meile Lösungen geben müssen. Denn wie wollen wir sonst sowohl innerbetrieblich als auch außerhalb von Verteilzentren die aus dem weiter zunehmenden Online-Handel resultierenden Sendungsvolumina bewältigen? Diesbezüglich stehen wir erst am Anfang einer für uns Logistiker spannenden Veränderung. Und genau deswegen verstehen wir bei Körber Logistics uns nicht als Intralogistiker, sondern als Anbieter logistischer Systeme. Weil wir einfach überzeugt sind, dass wir offen sein müssen und wollen für Fragen, die über die Intralogistik hinausgehen. Die Bedeutung angrenzender Bereiche für die innerhalb eines Lagers abzubildenden Prozesse wird immer größer. Wir wollen darauf in Zukunft mit den passenden Lösungen antworten. Foto: f+h f+h 6/2017 13

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