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f+h fördern und heben 6/2017

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BRANDSCHUTZ Bei

BRANDSCHUTZ Bei Feuergefahr – Schotten dicht Förderanlagenabschlüsse sichern brandschutztechnische Trennung von Gebäudeteilen Automatische Fördersysteme bewegen unterschiedliche Materialien oder Waren durch alle Unternehmensbereiche und durchlaufen dabei zwangsweise die dafür notwendigen Öffnungen in Brandwänden und -decken. Im Brandfall müssen diese Wand- und Deckendurchbrüche automatisch und zuverlässig verschlossenen werden. Hier kommen Feuerschutzabschlüsse für bahngebundene Förderanlagen, Förderanlagenabschlüsse (FAA), zum Einsatz. Der Einsatz von Förderanlagenabschlüssen soll eine unkontrollierte Ausbreitung von Feuer und Rauch in angrenzende Gebäudebereiche für einen definierten Zeitraum verhindern. Dies fordern nicht nur baurechtliche Vorschriften. Auch Gebäude- und Betriebsausfallversicherungen verlangen eine bauliche Segmentierung von Gebäuden, also die brandschutztechnische Abtrennung angrenzender Bereiche. Umfangreiche Zulassungsprüfung Verläuft eine Förderstrecke z. B. durch eine Brandwand, kommt der Betreiber um einen selbstschließenden, feuerbeständigen Förderanlagenabschluss (Feuerwiderstand in Deutschland mindestens über 90 Minuten gefordert) nicht herum. Die Verwendbarkeit eines FAA muss durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) − im Aus- nahmefall durch eine Zustimmung im Einzelfall − oder eine Europäische Technische Bewertung (European Technical Assessment – ETA) nachgewiesen sein. Grundlage hierfür sind Brand- und Klassifizierungsprüfungen. Demnach müssen Förderanlagenabschlüsse entweder erfolgreich nach der Europäischen Norm EN 1366-7 (harmonisiertes Prüfverfahren) oder nach DIN 4102-5 in Verbindung mit der „Richtlinie für die Zulassung von Feuerschutzabschlüssen im Zuge von bahngebundenen Förderanlagen“ des DIBt geprüft sein. Hierin liegt bereits ein maßgeblicher Unterschied zu herkömmlichen Feuerschutztüren und -toren. Denn was vielen Betreibern nicht bewusst ist, Feuerschutzabschluss ist nicht gleich Förderanlagenabschluss. Hohe technische Anforderungen Für Förderanlagenabschlüsse gelten strengere Anforderungen als für Feuerschutz- 30 f+h 6/2017

BRANDSCHUTZ 01 Je größer die Öffnung, desto mehr Platz benötigt das auf der Wand geparkte Schieberblatt. Verschiedene Schließrichtungen bieten Variabilität beim Einbau 02 Förderanlagenabschlüsse in Klappenbauweise setzen einen freien Schwenkbereich im Raum voraus türen oder -tore. Unterschiedliche Einbausituationen nicht nur in Fußbodennähe, sondern auch in erhöhter Wandeinbaulage oder horizontaler Lage, machen hier schon den Unterschied aus. Die Belastung für einen FAA ist bei den im Brandraum entstehenden höheren Drücken also deutlich größer. Auch die Längenausdehnung und Wärmeleitung durchführender Bauteile oder notwendige Funktionsspalte der Fördertechnik spielen eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Hinzu kommt, dass neben den konstruktiven Eigenschaften auch das Zusammenspiel von Fördergut, Transportsystem und Feuerschutzabschluss ausschlaggebend ist. Zum Einsatz kommen entweder planmäßig offene oder im Takt der Förderstrecke ständig schließende FAA-Varianten. Notwendig dafür ist eine zugelassene Feststellanlagensteuerung. Sie sichert und koordiniert im Brandfall das Freifahren des Schottbereichs, das Verschließen der Öffnung und − wenn erforderlich − den Notstromeinsatz für das Fördersystem. Mehr als eine Abschottungslösung möglich Aufgrund der Vielfalt der Fördergüter sowie der unterschiedlichen Produktions- und Logistikprozesse hat sich bis heute eine Vielzahl an Fördertechnikbauarten etabliert (z. B. Rollen-, Gurtförderer, Power & Free-Anlagen, Elektrohängebahnen sowie Senkrechtförderer und pneumatische Fördersysteme). Dieser Variantenreichtum macht deutlich, wie vielfältig auch die Möglichkeiten der brandschutztechnischen Abtrennung von Gebäudeteilen sein müssen. Oft kommen für eine Anforderung zur Abschottung mehrere Ausprägungen eines FAA in Frage. Grundsätzlich gilt, zeitgemäße FAA bieten für fast jede bauliche Situation eine zuverlässige Verschlussmöglichkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob Schieberbauform, Klappenkonstruktion, Drehflügeltür, Hubstaffeltor oder Brandschutzvorhang. Für beinahe alle Platzverhältnisse und Fördertechnikvarianten gibt es heute geeignete Förderanlagenabschlüsse. Wichtig für den Betreiber: Der FAA darf den störungsfreien Förderprozess nicht beeinträchtigen. Alle Optionen prüfen Fördertechnikhersteller setzen ein problemloses Zusammenspiel zwischen Förderanlage und Förderanlagenabschluss sowie einen zuverlässigen Schließvorgang im Brandfall voraus. Welche Brandschutzlösung geeignet ist, hängt zunächst von der Art der Fördertechnik ab. Dann von der Öffnungsgröße, dem Einbauort (Wand oder Decke), der Wandbeschaffenheit und schließlich von den Platzverhältnissen um die Öffnung herum. Klassische Schieber (Bild 01) benötigen z. B. im geöffneten Zustand viel Parkfläche auf der Wand. Ist dieser Platz nicht vorhanden, kann auf andere Schließrichtungen (wahlweise vertikal von oben oder unten und horizontal von links oder rechts schließend) oder schwenkende Klappen- respektive Flügelkonstruktionen (Bild 02) ausgewichen werden. Letztere lassen sich Platz sparend verbauen, da sie nur einen freien Schwenkbereich im Raum benötigen. Ist auch das keine Option, können auch textile Brandschutzsysteme eine Lösung sein. Diese benötigen i. d. R. nur den Platz für ein relativ schlankes Gehäuse. Doch vor allem bei Deckenöffnungen (Vertikalheber) können aufgrund der Falttechnik neue Vorhangsysteme die konventionellen Heberschächte ablösen. Statisch unbedenklich und mit freier Sicht auf den Förderprozess ermöglichen diese Systeme eine Raumbildung um den Etagenheber herum. Allerdings muss der Einsatz von Feuerschutzvorhängen im Vorfeld mit der Bauaufsicht abgestimmt werden. Erfahrung zählt In der Planungsphase kann eine hohe Beratungskompetenz den Betreibern viel Geld und Zeit ersparen. Und so kommt es nicht nur bei neuen Projekten, sondern vor allem bei Bestandsbauten auf die langjährige Erfahrung des Herstellers an. Fördertechnik und limitierende Faktoren wie Platzangebot am Einbauort, die Tragfähigkeit von Wänden und Decken oder die Komplexität der Steuerungstechnik (Taktfrequenz der Förderanlage, das Freifahren des Schließbereichs, Notstrom und dessen Verkabelung) sind eine Herausforderung für Hersteller von Brandschutzsystemen. Die Wahl des geeigneten FAA hängt von mehreren Faktoren und nicht zuletzt von der Beratungsleistung in Sachen Brandschutz ab. Jedoch bieten immer leistungsfähigerer Standardlösungen und Sonderkonstruktionen hinreichende Abschottungsvarianten für nahezu jeden Anwendungsfall. Fotos: Stöbich Brandschutz www.stoebich.de f+h 6/2017 31

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