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f+h fördern und heben 6/2018

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f+h fördern und heben 6/2018

PERSPEKTIVEN BEENDET DIE

PERSPEKTIVEN BEENDET DIE BLOCKCHAIN DIE ZETTELWIRTSCHAFT? Direkte Transaktionen ohne Mittler, zudem noch fälschungssicher: Die Blockchain könnte die Art und Weise radikal verändern, wie Marktteilnehmer miteinander Transaktionen abwickeln. Vor kurzem wurde nun das bundesweit größte Pilotprojekt in Sachen Blockchain gestartet: Rund 20 Unternehmen testen den Nutzen der dezentralen Datenbanktechnologie im Palettentauschprozess. Geht man von einem Gebrauchtpalettenpreis von fünf Euro aus, repräsentieren allein die 500 Millionen in Europa im Umlauf befindlichen Europaletten einen Wert von 2,5 Milliarden Euro. Für Transparenz über die im Umlauf befindlichen Ladungsträger setzen die Akteure der Supply Chain den Palettenschein ein. Das Papierdokument gehört zum Tagesgeschäft eines jeden Lkw-Fahrers. Warenempfänger setzen ihn ein, wenn der Palettentausch nicht direkt stattfindet. Der Palettenschein dokumentiert Anzahl, Art und Güte der Ladungsträger. Der Besitzer kann ihn später beim Aussteller oder bei einem beauftragten Dienstleister wieder einlösen. „Oftmals wissen die Betreiber gar nicht, welche Akteure in der Lieferkette am Tauschprozess beteiligt sind. Außerdem gibt es keinen Intermediär, der den Prozess überwacht“, erläutert Regina Haas-Hamannt, die bei GS1 Germany als Innovationsleiterin fungiert. Das mache den Prozess extrem unübersichtlich. LOGISTISCHER PROZESS BESITZT GROSSES OPTIMIERUNGSPOTENZIAL Im Rahmen eines Forschungsprojekts wollen Unternehmen, testen, ob und wie sich der Tausch von Europaletten mithilfe der Blockchain-Technologie digital, transparent und effizient verwalten lässt. Roadmap bis Ende des Jahres Simulationsumgebung, Prototyp und Testlauf Test physischer Warenfluss Auswertung Ergebnisse und Ableitung Handlungsempfehlungen Q2 2018 Agiler, iterativer Prozess Q3 2018 Q4 2018 Projektende 38 f+h 2018/06 www.foerdern-und-heben.de

Handelsseitig beteiligen sich an der Initiative dmdrogerie markt, Kaufland, Lekkerland und Markant. Auf Herstellerseite sind u. a. Beiersdorf, Dole Europe und Dr. Oetker aktiv. Aus der Logistik- Branche übernehmen z. B. Deutsche Bahn, die European Pallet Association e. V. (EPAL) und die Nagel-Group zentrale Rollen. Beratende Funktion besitzen das European EPC Competence Center (EECC), das Fraunhofer Fit und T-Systems. Für die Aufnahme und den Transfer der Anforderungen aus dem Palettentauschprozess auf die technologische Seite zeichnet PwC verantwortlich. „Die logistischen Prozesse sind heute noch stark von manueller Dokumentation und Intransparenz geprägt und besitzen damit ein großes Optimierungspotenzial“, so Projektleiterin Haas-Hamannt. „Für das Projekt die ideale Voraussetzung.“ Die hohe Teilnehmerzahl bestätige den Bedarf an Erkenntnissen zum Thema Blockchain. In einer Vorphase wurden ein einheitlicher Prozessablauf sowie notwendige Rollen und grundlegende Prozessanforderungen für die spätere Programmierung der Blockchain definiert. Zusammen mit Experten von SAP haben die IT-Spezialisten der beteiligten Unternehmen in der nächsten Arbeitsphase das Governance-Modell und die Systemarchitektur der Blockchain festgelegt. In Phase drei folgt darauf aufbauend die Entwicklung der Simulationsumgebung für einen ersten Testlauf mit einem Prototyp. Der eigentliche Blockchain-Test steht in Phase vier an. Dann führen Hersteller, Logistikdienstleister und Händler innerhalb einer echten Lieferkette den Palettentausch mithilfe von Blockchain-Technologie durch. Zusammen mit der Auswertung bildet der Test die Basis für den fünften und letzten Schritt: die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Praxis. Die Projektteilnehmer planen, diese zum Jahresende zu veröffentlichen. Denn Ziel des Projekts ist es nicht, die Blockchain-Technologie nur für eigene Zwecke zu erproben, sondern die Erkenntnisse möglichst umfassend zu teilen. Haas-Hamannt ist erwartungsvoll: „Wir sind gespannt, ob der Blockchain-Hype seine Relevanz im täglichen Leben beweist.“ Fotos/Grafik: Fotolia, f+h, GS1 www.gs1-germany.de www.foerdern-und-heben.de f+h 2018/06 39 ITOH-DENKI.indd 1 25.05.2018 10:20:24

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