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f+h fördern und heben 6/2019

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f+h fördern und heben 6/2019

F+H NACHGEFRAGT Das

F+H NACHGEFRAGT Das Unternehmen Schierholz gehört auf dem Gebiet der Fördertechnik zu den Herstellern mit langer Tradition und Innovationsgeist. Der letzte große Wurf ist Ihnen im Jahre 2016 mit dem Bodenförderer vom Typ BFT 823 gelungen. Gehen Ihnen die Ideen aus? Michael Seeger: Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben sehr viele neue Ideen, die wir in Zukunft noch umsetzen werden. Oder schon realisiert haben: Im Bereich Intralogistik präsentierten wir zum Beispiel auf der Logimat 2017 ein neues Elektrohängebahn-Fahrzeug, das zwei Paletten gleichzeitig aufnehmen kann und so deutlich leistungsfähiger ist – hochverfügbar und schnell. Ein Jahr später brachten wir einen eigenen Tragkettenförderer für unsere EHB-Fahrzeuge auf den Markt. Ein weiteres neues Produkt werden wir auf der Logimat 2020 vorstellen. Lassen Sie sich überraschen. Bei den Power & Free-Förderern, unserem zweiten großen Produktsegment, erarbeiten wir permanent viele Innovationen im Rahmen von Kundenaufträgen, also projektspezifisch. Zum 1. Januar 2019 haben Sie das Unternehmen KJ übernommen. Vor welchem Hintergrund fand diese Akqui sition statt? „ICH VERSPRECHE MIR VON DER KJ-GESCHÄFTSÜBERNAHME EINEN INTENSIVEN WISSENS- TRANSFER UNTER EXPERTEN“ Zum 1. Januar 2019 hat die Louis Schierholz GmbH das Unternehmen KJ übernommen. Wir haben bei Michael Seeger, Vertriebsleiter der Louis Schierholz GmbH, nachgefragt, vor welchem Hintergrund die Akquisition stattfand. Michael Seeger: Die zunehmende Nachfrage nach Fördersystemen für den Transport langer, schwerer Güter führte dazu, dass wir uns intensiv mit der neuen Shuttle-Technologie beschäftigen. Als einziges Unternehmen im Markt, das sich auf Shuttle-Systeme für leichte bis tonnenschwere Nutzlasten im zweistelligen Bereich spezialisiert hat, rückte „KJ Sonderanlagen – Hebezeuge – Bühnentechnik“ in unseren Fokus. Seine Shuttle-Technologie ist in einigen speziellen Anwendungsfällen sogar vorteilhafter als die konventionelle Power & Free- Fördertechnik. Schierholz profitiert von einem Expertenwissen, das kombiniert mit unserer Erfahrung zukünftig neue, intelligente Lösungen liefern wird. Ein zweiter Aspekt ist die langjährige Kompetenz von KJ im Bereich der Vertikalumsetzer. Ursprünglich aus dem Bereich der Bühnentechnik kommend, spielt die Personensicherheit bei KJ eine ganz wichtige Rolle. Hierauf legen wir bei Fördertechnik-Lösungen von Schierholz auch größten Wert. KJ verfolgt allerdings 30 f+h 2019/06 www.foerdern-und-heben.de

MENSCHEN UND MÄRKTE einen etwas anderen Ansatz, den wir reizvoll finden und der bei einigen Anwendungen Vorteile bietet, die seit Januar 2019 unseren Kunden zugutekommen. Last but not least spielten wir schon länger mit dem Gedanken für die Kathodische Tauchlackierung auch die KTL-Umsetzer mit anzubieten. Hier hat KJ schon einige Erfahrung, sodass wir dieses Produkt nun in unser Portfolio aufnehmen können. Sie erschließen sich mit der Akquisition von KJ also auch neue Anwenderbranchen? Michael Seeger: Mit individuellen Fördertechnik-Lösungen sind wir bereits seit Jahren in fast allen Branchen vertreten. Modular konzipiert und flexibel anpassbar, erlauben unsere Fördersysteme wirtschaftliche Lösungen für alle Anwendungen – zum Beispiel für das Airline-Catering, Automotive, Off-Highway- und Reifenindustrie sowie für Intralogistik, Haushaltstechnik und die Lebensmittelbranche. Durch die Übernahme von KJ erweitern wir jedoch unser Expertenwissen und unser Portfolio insgesamt. So können wir für einzelne Branchen zusätzliche beziehungsweise alternative Fördersysteme entwickeln, die noch passgenauer sind und mit denen sich bessere Ergebnisse realisieren lassen. Im Bereich der Oberflächenanlagen können wir zum Beispiel durch die Technologien von KJ nun auch Transportlösungen für den Schwerlastbereich in Größenordnungen von bis zu 100 Tonnen Lastgewicht anbieten. Die von KJ angebotene Shuttle-Technik hat das Potenzial zirka 30 Prozent der Projekte im Bereich P&F, eine der Kernkompetenzen von Schierholz, zu substituieren. Wie gehen Sie mit diesem Sachverhalt um? Michael Seeger: Über diese Zahl lässt sich natürlich spekulieren. Mit einer starken Kette ausgestattet, ermöglichen unsere Power & Free-Fördersysteme eine hohe Flexibilität für unterschiedliche Transportaufgaben in Produktion und Logistik – für leichte und schwere Fördergüter. Mit der neuen Shuttle-Technik von KJ können wir nun in ganz neue Einsatzbereiche vorstoßen, die über unsere leistungsstarken Power & Free-Systeme noch hinausgehen. Durch Quer- und Längsverschiebung im Shuttle-System ist der Transport von bis zu 20 Meter langen, schweren Fördergütern auf engstem Raum möglich. Geeignet für Lasten von bis zu 100 Tonnen ergänzt die platzsparende Shuttle-Technik unser ohnehin schon breitgefächertes Leistungsspektrum ideal. Insofern handelt es sich nicht um eine Umsatzverschiebung, sondern ganz klar um eine Umsatzsteigerung durch das zusätzliche Erschließen neuer Einsatzgebiete. Das Unternehmen KJ ist auch im Kranbau zu Hause. Wie fügt sich dieser Bereich in das Schierholz-Portfolio ein? Michael Seeger: Den Bereich Krananlagen wird KJ selbstständig weiterführen. Im Leistungsspektrum der Schierholz-Fördertechnik spielten sie bisher noch keine Rolle. Allerdings gibt es schon erste Ideen und Anfragen, zum Beispiel aus dem Bereich der Intralogistik, in der wir die kraftvollen, vielfältigen Kransysteme von KJ anbieten können. Bleibt das Unternehmen KJ als solches am Markt bestehen? Michael Seeger: Das Unternehmen und vor allem der Markenname KJ werden weiterhin am Markt bestehen bleiben. Die ganze Belegschaft von 20 Mitarbeitern und die Geschäftsführung haben wir von KJ zum 1. Januar 2019 übernommen. Auch Standort und Arbeitsplätze bleiben folglich erhalten. Wie wird sich der After-Sales-Bereich für KJ-Anlagen zukünftig gestalten? Michael Seeger: Den After-Sales-Bereich wird KJ selbstständig weiterführen. Bei Bedarf kann unser langjährig erfahrener Vertrieb unterstützend aktiv werden. Im Gegenzug werden KJ-Techniker sicher dazu beitragen, das Serviceangebot für unsere Kunden zu verbessern. Ich verspreche mir von der Geschäftsübernahme einen intensiven Wissenstransfer unter Experten und langfristig die Bündelung der Unternehmenskräfte in Einkauf, Marketing und Vertrieb – ein Gewinn für beide Unternehmen. Und eine gute Basis, mit der gefragten Shuttle-Technologie mittelfristig die Marktführerschaft in Europa anzustreben. Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h Foto: Schierholz www.schierholz.de www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/06 31

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