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f+h fördern und heben 6/2019

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f+h fördern und heben 6/2019

MENSCHEN UND MÄRKTE

MENSCHEN UND MÄRKTE AUGE IN AUGE „DAS HAT FAST SCHON ETWAS KÜNSTLERISCHES“ Seit sechs Jahren leitet Philipp Hahn-Woernle die Geschicke der Viastore-Gruppe. Wir haben uns mit dem Geschäftsführer am Stammsitz in Stuttgart-Feuerbach getroffen und über das Erfolgsgeheimnis des Systemintegrators und Software-Anbieters gesprochen. Das Interview mit Philipp Hahn-Woernle (links im Bild) führte f+h-Chefredakteur Winfried Bauer Fotos: f+h 6 f+h 2019/06 www.foerdern-und-heben.de

AUGE IN AUGE MENSCHEN UND MÄRKTE Die Software hat bei Intra logistik-Projekten eine dominante Rolle inne. Welchen Einfluss hat dies auf die strategische Ausrichtung Ihres Unternehmens? Philipp Hahn-Woernle: Ein Materialflusssystem besteht nicht nur aus der Aneinanderreihung von Einzelgewerken wie Shuttles, FTS, Regalbediengeräte oder Stetigförderern. Diese Teilsysteme müssen sinnvoll zusammengeführt und die Abläufe logisch abgebildet werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Anwender den größtmöglichen Nutzen haben. Sobald man über Systemleistungen und Prozesse spricht, entfernt man sich von den einzelnen Einheiten, die kontrollierende Instanz rückt in den Fokus, und das ist die Software. Dies hat mein Vater schon frühzeitig erkannt und unser Unternehmen in Richtung Prozesse, also Software und Steuerung, ausgerichtet. Denn in unserem Selbstverständnis sind wir seit jeher Systemintegrator mit hohem Softwareanteil in den Projekten – wir denken und handeln damit nicht wie ein Fördertechnik-Hersteller. Diesen Gedanken haben wir 2015 mit der Gründung der Viastore Software stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Dies geschah in der Erkenntnis, dass wir stark genug sind, um in der Systemintegration, die wir in der Viastore Systems bündeln, und in der Software eine wesentliche Rolle zu spielen. Spielt die von Ihnen genannte Bedeutung der Software für ein leistungsfähiges Intralogistik- System in den Entscheidungsprozessen der Betreiber eine Rolle? Philipp Hahn-Woernle: Viele Unternehmen sind nach wie vor vertikal organisiert. Lassen Sie mich das an einem Fertigungs-Betrieb erläutern, der über eine Produktion und eine Logistik-Abteilung verfügt. Geführt werden diese Bereiche in der Regel von einem Produktionsleiter und einem Logistikleiter. Wenn das Unternehmen nun aber das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden und damit die Fertigung kleiner Losgrößen beherrschen möchte, dann muss man sich intensiv mit Themen wie Durchlaufzeit, Fertigungsauftragssteuerung und -abwicklung beschäftigen. Und dies gelingt zielführend nur dann, wenn das Denken in Abteilungen überwunden wird … … in den Unternehmen darf also kein Silo-Denken vorherrschen. Philipp Hahn-Woernle: Genau. Die aus dem B2C-Bereich bekannten Anforderungen, zum Beispiel kürzere Lieferzeiten, wecken auch im B2B immer höhere Erwartungen an eine schnelle Bereitstellung der Ware. Wenn ich diese Erwartungshaltung erfüllen möchte, steigt unweigerlich die Komplexität der Prozesse. Eine steigende Prozesskomplexität lässt sich nur über eine integrative Betrachtung der Abläufe beherrschen, in der Abteilungsgrenzen keine Rolle spielen. Das Umfeld, in dem sich die Unternehmen bewegen, steigert den Komplexitätsgrad intralogistischer Systeme und Anlagen. Eine steigende Komplexität zu beherrschen stellt an das Personal des Anlagenbetreibers hohe Anforderungen. Wie lässt sich die Komplexität reduzieren und damit dem Betreiber der Logistik-Alltag erleichtern? Philipp Hahn-Woernle: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben den Logistikbereich eines Flughafens in Brasilien mit unserer Software Viadat ausgestattet. Dem Betreiber haben wir ein auf das individuell Wesentliche reduziertes User- Interface zur Verfügung gestellt. Somit löst jeder einzelne der über 240 Mitarbeiter, die den Flughafen rund um die Uhr am Laufen halten, nur die Abläufe aus, für die er verantwortlich ist. Und diesen Anspruch haben wir in jedem Projekt. Auch das ist für mich Reduzierung von Komplexität. Diese entsteht übrigens auch aus unterschiedlichen Anforderungen der Kunden an die Technologie. Zum Beispiel FTS: Während ein Betreiber im Lager solch ein System für den Transport von Paletten einsetzt, ist in der Produktion möglicherweise ein automatisiertes Förderzeug als Montageplattform erforderlich. Daraus resultieren unterschiedliche Anforderungen an die Technologien, und es entsteht sozusagen ganz nebenbei eine zunehmende Prozesskomplexität. Um diese zu beherrschen, benötigt der Betreiber eine übergeordnete Instanz – und dies ist wiederum die Software. Nicht zu unterschätzen sind in den Projekten die Schnittstellen und die Qualitätssicherung der Software. Das sind anspruchsvolle Aufgabenstellungen. www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/06 7

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