Aufrufe
vor 1 Jahr

f+h fördern und heben 7-8/2015

f+h fördern und heben 7-8/2015

FLURFÖRDERZEUGE

FLURFÖRDERZEUGE Zuverlässige „Arbeiter“ Lebensmittelhersteller automatisiert innerbetriebliche Palettentransporte Aus der heutigen Intralogistik-Welt sind sie nicht mehr weg zu denken: FTS. Durch ihren Einsatz lassen sich nicht nur Transportschäden reduzieren, sondern auch Personalkosten einsparen. Auch der Lebens mittelhersteller Seeberger nutzt jetzt eine FTS-Anlage in seiner Produktionsstätte in Ulm. Die Seeberger GmbH ist auf die Herstellung von Nuss- und Trockenfrüchte spezialisiert und beschäftigt am Hauptstandort in Ulm mehr als 500 Mitarbeiter. Das bald 170-jährige Familienunternehmen ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Im November 2012 wurde Seeberger als „Marke des Jahrhunderts“ gekürt und in 2014, wie schon im vorangegangenen Jahr, erhielt das Unternehmen durch das Branchenmagazin „Lebensmittel“ erneut die Auszeichnung als Top-Marke 2014 im Bereich Nüsse. Im Sommer 2013 wurde bei Seeberger das neue Hochregallager für Rohwaren auf einem angrenzenden Grundstück in Betrieb genommen. Die Verbindung zu den bestehenden Produktionsbereichen wurde durch eine Brücke zwischen den beiden Gebäuden realisiert. In der Planungsphase wurden verschiedene Alternativen zur Anbindung an das neuen Lager in Betracht gezogen. Durch das hohe Transportaufkommen war die Idee einer automatischen Transportlösung ein attraktiver Gedanke für Seeberger. Eine Voraus setzung war die taktgenaue Beschickung der Rohwaren an den Packmaschinen sowie ein möglichst geringer Eingriff in die bestehende Infrastruktur. Als Lösung wurde eine FTS-Anlage der Rocla OY aus Järvenpää/Finnland gewählt. Da die Nuss- und Fruchtpaletten vom Gewicht her relativ leicht sind, entschied sich das Unternehmen für das FTF des Typs ATX12. Dieses Fahrzeug ist eigens für den Palettentransport konzipiert, hat einen Hub bis zu 1 800 mm und eine Tragfähigkeit von 1 250 kg. Aufgrund des platzsparenden modularen Aufbaus ist das automatisierte Flurförderzeug für den Einsatz in Bereichen mit beschränkten Platzverhältnissen geeignet. Inzwischen transportieren fünf Fahrzeuge des Unternehmens Rocla die Rohwaren bei Seeberger aus dem Lager in die Produktion. Sicher und effektiv Marc Eberhardt ist einer von vier Projektingenieuren bei Seeberger. Von Beginn an war er an der Einführung des Systems beteiligt: „Das FTS und unser automatisches Hochregallager sind unserem Produktionsleitsystem unterstellt. Dies ermöglicht uns ein optimiertes Zusammenspiel der verschiedenen Materialflusssysteme. Durch minimale Wartezeiten im Lager und taktgenaue Anlieferung der Rohmaterialien an den Packmaschinen, realisieren wir eine maximale Nutzung der Transportkapazität der FTS-Anlage. Der hohe Grad der Automatisierung stellt sicher, dass die richtigen Güter, in der richtigen Menge zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Des Weiteren haben wir jederzeit einen genauen Stand über den aktuellen Warenfluss und unseren Bestand.“ Im Zuge der Inbetriebnahme wurde die Programmierung der FTS-Anlage unter Berücksichtigung der tatsächlichen Produktionsbedingungen optimiert. Eine enge Auch Steigungen kann das FTF durch die Integration eines Sensors erkennen 18 f+h 7-8/2015

FLURFÖRDERZEUGE Zusammenarbeit von Seeberger und Rocla war hierbei der Schlüssel für ein erfolgreiches Projekt. „Der Inbetriebnahme ging eine gründliche Planungsphase voraus, dann folgten diverse Simulationen. Erst danach kamen die Maschinen zum Einsatz. Wir haben ausreichend Zeit in jede Phase investiert, um das bestmögliche Ergebnis zu realisieren. Seit Abschluss der Optimierungsphase läuft das System sehr stabil. Große Korrekturen waren nicht notwendig“, betont Eberhardt. Die automatisierten Geräte fahren immer selbstständig zur Ladestation, um ihre Batterien aufzuladen, entweder wenn keine Transportaufträge vorliegen oder die Restkapazität der Batterie diesen Vorgang erfordert. Die Batterie hält unter normalen Bedingungen eine Arbeitsschicht. Zur Orientierung nutzen die Flurförderzeuge ein Lasernavigationssystem. Am Hubmast ist ein Laser installiert, mit dem sich das Fahrzeug in den Einsatzbereichen durch Triangulation orientiert. Über die Bedien-Schnittstelle des FTS-Kontroll-Systems kann die genaue Position aller Fahrzeuge in Echtzeit entnommen werden. Per WLAN halten die Flurförderzeuge ständigen Kontakt zum Leit system. Ebenso melden die Fahrzeuge ihren Status und ihre Position und nehmen so Transportaufträge entgegen. Die Transportaufträge werden unter Berücksichtigung der Fahrwege und möglicher Prioritäten an das zur Durchführung am besten geeignete Flurförderzeug übergeben. Mithilfe von Sensoren nehmen die fahrerlosen Geräte ihre Umgebung wahr. Hindernisse können somit schnell erkannt werden, situationsbedingt bremst das Fahrzeug entsprechend ab oder generiert einen Not-Stopp, falls erforderlich. Sobald das Hindernis entfernt wurde, bewegt sich das Fahrzeug nahezu geräuschlos und selbstständig weiter. Auf sich aufmerksam machen die Flurförderzeuge durch optische und akustische Warnsignale. Um einen hohen Grad an Personenschutz sicherzustellen, ist die Geschwindigkeit der Fahrzeuge verhältnis mäßig gering. Projektleiter Eberhardt geht davon aus, dass sich das System in weniger als drei Jahren amortisieren wird. Steigungen problemlos meistern In der Produktion bei Seeberger gibt es eine Rampe mit einer Steigung von neun Prozent. Eines der Projektziele war es, die Rampe in den Fahrweg zu integrieren, ohne die Gesamt-Leistung der FTS-Anlage negativ zu beeinflussen. Hierfür mussten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen geschaffen werden, um die Geschwindigkeits-Einschränkungen auf diesen Bereich zu begrenzen. Da es für solche Anwendungen keine Standard lösungen gibt, hat Rocla in enger Zusammenarbeit mit Seeberger und der zustän digen Berufsgenossenschaft eine Sonder lösung für diese Anwendung entwickelt. Eine unabhängige Erkennung der Rampe wurde durch zusätzliche Installationen an der Rampe und am Fahrzeuge realisiert. Ein Magnetschalter am Fahrzeug, wird durch Magnetleisten im Hallenboden aktiviert bzw. deaktiviert. Des Weiteren erkennt ein separater Sensor die durch die Rampe entstehende Schieflage des Fahrzeugs (Bild). Dadurch ist eine Erkennung der Rampe sichergestellt und das System kann die Fahrgeschwindigkeit der Flurförderzeuge für diesen Bereich verringern. Aus diesem Grund wurde die Bodenbeschichtung der Rampe mit einem speziellen Belag versehen, der eine erhöhte Reibwirkung erzeugt und dadurch eine verbesserte Bremsleistung sicherstellt. Fotos: Seeberger www.rocla.com Sind Sie ausreichend geschützt? www.pyroban.com

AUSGABE