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f+h fördern und heben 7-8/2017

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HUBTISCHE Wie ein

HUBTISCHE Wie ein Ausbildungs-Projekt allen die Show stiehlt Gruse-Auszubildende entwickeln höhenverstellbaren Tischkicker auf Basis eines Industrie-Hubtischs Tischfußball kennt jeder. Aber nicht jeder kann mitspielen. Um einen ungetrübten Spielgenuss für Groß und Klein sicherzustellen, hatten Auszubildende des Hubtischherstellers Gruse Maschinenbau die Idee, einen höhenverstellbaren Tischkicker zu entwickeln. Was lag näher als auf ein hauseigenes Produkt zu setzen? Kickern, Krökeln oder Tischfußball genießt Kultstatus und liegt im Trend. Männer, Frauen und Kinder sind vom Kickern fasziniert. Leider ist der Spielspaß für manche getrübt. Die Allerkleinsten kommen gerade so an die Griffe, sehen aber nicht das ganze Spielfeld. Die Großen unter uns müssen sich nach unten beugen, um mitzuspielen. Rückenschmerzen sind da vorprogrammiert. Zum Glück gibt es höhenverstellbare Kickertische. Die Mindesthöhe der meisten Modelle liegt jedoch bei etwa 80 cm – immer noch zu hoch für Kindergartenkinder oder Schulanfänger. Für die Großen ist eine Maximalhöhe von 90 cm zwar schon ganz passabel aber noch nicht „gesund“. Die Auszubildenden bei Gruse Maschinenbau hatten die Idee, aus einem Hubtisch einen höhenverstellbaren Tischkicker zu bauen, sodass alle – Groß und Klein – in den Genuss des Spiels kommen. Bei Gruse im Weserbergland werden normalerweise individuelle Hebelösungen für den Schwerlastbereich konzipiert und gefertigt. In diesem Fall griffen die Auszubildenden aber auf eine Materialhandling­ Lösung des Hubtischherstellers zurück. Als Basis wurde ein mobiles Hubtischmodell ausgewählt: Der Hubwagen Hebe­ fix, der seit mehr als 20 Jahren in Serie produziert wird. Hubwagen helfen dabei, schwere Lasten zu heben und zu verfahren. Grundvoraussetzung dafür ist eine stabile und standfeste Ausführung. Und genau diese Merkmale prädestinieren den Hebefix als Basis für den zu entwickelnden Kickertisch. Hinzu kommt das flexible und präzise Einstellen auf eine ergonomische Spielhöhe. Vom Hebefix zum Tischkicker Für den Aufbau holten sich die beiden angehenden Industriemechaniker Tom Bleibohm und Sergen Malgaf Unterstützung vom gerade ausgelernten Produktdesigner Alexander Nickel (Bild 01). Das Spielfeld beim Tischfußball sollte formstabil sein und eine homogene Oberfläche aufweisen. Da war es nur naheliegend Stahl als Material zu wählen, zumal die Auszubildenden alle Fertigungsschritte selbst umsetzen wollten. Auch das Ab­ 36 f+h 7-8/2017

HUBTISCHE 01 02 03 04 01 Mit Spaß und Enthusiasmus bei der Sache: Tom Bleibohm, Sergen Malgaf und Alexander Nickel (v. l. n. r.) 02 Blick auf die Hydraulik des Tischkickers, die eine Tischhöhe von ca. 500 bis 1 100 mm erlaubt Der Link zum Thema 03 In der neuen Variante ist der Tischkicker mit einer Automatiksteuerung ausgestattet 04 Eine elektronische Anzeige inklusive Tor-Lichtschranke mit elektronischer Torerfassung gehört zu den weiteren Features Weitere Informationen zum Tischkicker haben wir für Sie in einem Video festgehalten. www.gruse.de/tischkicker kanten und Schweißen des Blechs übernahmen die Auszubildenden. In der hauseigenen Lackiererei bekamen Hubwagen und Spielfeld die Wunschfarbe – ein dunkles Grau. Bei der Montage des Prototyps traten zunächst Probleme auf: Die Bohrungen für die Spielstangen fluchteten nicht. An der CNC-Plasmaschneideanlage ließ sich die Form präziser zuschneiden, inklusive Bohrungen für Spielstangen, Ballauswürfe und Tore. Als problematisch erwiesen sich Merkmale des Tischkickers ferner die Buchsen für die Spielstangen: Die Zukaufteile waren nicht haltbar genug. In der hauseigenen Dreherei fertigten die Auszubildenden schließlich selbst konzipierte Buchsen. Immer wieder mussten Konstruktionsund Materialfragen geklärt werden: Welches Material soll als Tor dienen? Womit werden die Bälle aufgefangen? Mit Unterstützung der anderen Auszubildenden, des Ausbilders und der Fachbereiche lösten die n Mit einem Eigengewicht von 125 kg ist der Hebefix-Tischkicker stabil, standfest gebaut und trägt Flächenlasten bis zu 250 kg. n Der Nutzhub von 610 mm ermöglicht eine Tischhöhe von ca. 500 bis 1 100 mm (Bild 02). Der Kickertisch lässt sich entweder per Fußpumpe oder elektrischem Antrieb in der Höhe verstellen. n Die neueste Variante wurde mit einer Automatiksteuerung ausgestattet (Bild 03), um den Schwierigkeitsgrad zu steigern. Durch das Aktivieren der Steuerung neigt sich das Spielfeld während des Spiels automatisch im Wechsel nach links und rechts um 2°. n Das Spielfeld aus Stahl (Länge × Breite: 1 190 × 740 mm) ist formstabil, bietet eine homogene Oberfläche und für den Dauereinsatz geeignet. n Ergänzende Features sind die elektronische Anzeige inklusive Tor-Lichtschranke mit elektronischer Torerfassung (Bild 04). n Das Spielfeld und die Bandenwerbung lassen sich individuell mit Logos bekleben. Auszubildenden schließlich ein Problem nach dem anderen und klärten die Fertigungsfragen. Die Auszubildenden trainierten mit diesem Projekt nicht nur eigenständiges und präzises Arbeiten, sondern auch ihre Ausdauer, denn es brauchte einige Versuche bis die passende Form entwickelt war. Darüber hinaus galt es viele knifflige Fragen zu klären, bis schließlich der erste Gruse- Tisch kicker fertiggestellt war. Eine gute Vorbereitung für den späteren Arbeitsalltag bei Gruse, denn hier werden zu 85 Prozent individuelle Lösungen für die Hebe- und Fördertechnik entwickelt und gefertigt. Vom Messe-Highlight zur Serienfertigung Höhepunkt für die Auszubildenden war die Präsentation des Tischkickers auf der Fachmesse Motek in Stuttgart und der Hamelner Ausbildungsmesse. Das außergewöhnliche Produkt sorgte für so viel Andrang und positive Rückmeldungen, dass inzwischen die erste Serienproduktion angestoßen wurde. Fotos: Gruse www.gruse.de/tischkicker f+h 7-8/2017 37

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