Aufrufe
vor 6 Monaten

f+h fördern und heben 7-8/2018

  • Text
  • Fuh
  • Heben
  • Foerdern
f+h fördern und heben 7-8/2018

PRODUKTE UND SYSTEME

PRODUKTE UND SYSTEME AUGE IN AUGE „WARTUNG UND SUPPORT INDIVIDUELL AUF BETREIBERANFORDERUNGEN ZUSCHNEIDEN“ Um der Nachfrage nach anforderungsgerechten Serviceleistungen zu entsprechen und die Anzahl von Störfällen zu minimieren, sind die Erfassung, Vernetzung und Analyse von Daten entscheidende Voraussetzungen. Welchen Mehrwert Augmented Reality im Service bringt und welche Faktoren für die Planung des Wartungskonzepts maßgeblich sind, erklärt Dr.-Ing. Ralf Lüning, Geschäftsführer der Unitechnik Systems GmbH, im Interview. Das Interview mit Dr.-Ing. Ralf Lüning (rechts im Bild) führte f+h-Chefredakteur Winfried Bauer (links im Bild) Foto: f+h Bearbeitung: VFV Layout, Sonja Schirmer

AUGE IN AUGE PRODUKTE UND SYSTEME Herr Lüning, wie haben sich klassische Servicekonzepte durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung verändert? Ralf Lüning: Klassische Vor-Ort-Serviceleistungen, die nur im Störfall oder zu vorab festgelegten Wartungsintervallen greifen, sind heute überholt. Immer mehr Servicefälle beheben wir von Unitechnik zum Beispiel per Fernwartung. Seit fast 20 Jahren betreiben wir als Generalunternehmer eine eigene, hochspezialisierte Serviceabteilung. Hier koordinieren unsere Experten herstellerübergreifend die Wartungs- und Serviceaktivitäten für alle Komponenten einer Anlage. Die Serviceintervalle werden im Optimalfall betreiber- und anforderungsspezifisch festgelegt und Servicebesuche außerhalb dieser Termine werden zunehmend obsolet. Das Ziel ist eine verschlankte, koordinierte und somit hocheffiziente Wartung auf qualitativ hohem Niveau. Ob Service 4.0 oder klassisches Konzept – was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Faktor in der Serviceplanung? Ralf Lüning: Nutzungsbasierte Wartung und Predictive Maintenance sind als moderne Servicekonzepte schon lange in aller Munde. Wichtigster Faktor für die effiziente Umsetzung beider Konzepte ist der individuelle Zuschnitt auf die Anforderungen des Betreibers. Sieht der Serviceplan zum Beispiel vor, dass die komplette Lager- und Fördertechnik zweimal jährlich gewartet wird, ist das vielfach wenig sinnvoll. Stattdessen sollten optimale Wartungsintervalle für einzelne Komponenten anhand ihrer Betriebsstunden beziehungsweise ihrer Belastung festgelegt werden. Bei der nutzungsbasierten Wartung ist zudem ein dynamisch anpassbares System zweckmäßig. Bei der Auswahl der konkreten Termine gilt es, saisonale Auslastungsspitzen der Anlage, wie sie zum Beispiel im Online-Handel auftreten, zu berücksichtigen: Da kann eine Wartung vor dem Weihnachtsgeschäft sinnvoll sein. In Industriezweigen, die eine Just-in-time-Belieferung fordern, sind ungeplante Anlagenstillstände unbedingt zu vermeiden. Um dies zu erreichen und Wartungsbedarf frühzeitig einzuplanen, empfehlen wir dem Anlagenbetreiber die Überwachung technischer Elemente. Vor allem an kritischen Stellen innerhalb der Anlage lassen sich mit Predictive Maintenance Verschleißerscheinungen erkennen, bevor es zum Ausfall der Komponente kommt. Welchen Mehrwert bietet die Überwachung kritischer Stellen konkret? Ralf Lüning: Auf Grundlage der Daten aus der Zustandsüberwachung, dem Condition Monitoring, erstellen wir Prognosen über die Dringlichkeit des Austauschs einer Komponente. Nehmen wir einmal an, Sensoren erfassen an bestimmten Stellen eines Regalbediengeräts Temperatur, Geschwindigkeit und Schwingungen. Diese Daten stammen zum Beispiel von Vibrationen an Motoren und Getrieben, werden aber auch von Fahrrollen oder Hubseilen verursacht. In Verbindung mit vorhandenen Daten zum Schwingungsverhalten der jeweiligen Komponente können wir so feststellen, ob die Werte außerhalb des Toleranzbereichs liegen. Ist ein baldiger Austausch oder eine Reparatur der Komponenten laut diesen Daten vonnöten, wird ein Signal abgesetzt. Der Servicedienstleister kann dann rechtzeitig adäquate Maßnahmen einleiten. Auf dieser Basis lässt sich nicht nur die Wartung frühzeitig einplanen, sondern auch Stillstandszeiten durch Störfälle sind vermeidbar. Welche Systeme liefern relevante Daten für die Planung von Wartungsintervallen? Ralf Lüning: Eine wichtige Rolle für den Einsatz von nutzungsbasierter Wartung spielen zunächst die Betriebsdaten aller technischen Komponenten. Eine erste Anlaufstelle für die Auswertung stellt zum Beispiel der Materialflussrechner zur Verfügung: Hier fließen alle Daten der Intralogistik zusammen, sei es aus automatisierten Lagerbereichen oder von Flurförderzeugen. In unserem Lagerverwaltungssystem Uniware sind der Materialflussrechner und die Anlagenvisualisierung standardmäßig integriert. Unser System vereint die Daten aller Komponenten verschiedener Hersteller und macht diese zentral abrufbar. Parameter, die die Gesamtbelastung der Anlage definieren, ergeben sich zum Beispiel aus der Anzahl der Auftragspositionen. Auf Basis dieser Daten wird der geeignete Zeitpunkt für eine nutzungsbasierte Wartung der kompletten Anlage ermittelt und deren Koordination geplant. Der Umfang der Wartung ergibt sich dann aus der Belastung der einzelnen Anlagenkomponenten. Als herstellerunabhängiger Generalunternehmer werten wir die Daten aller relevanten Objekte aus, die beim Betreiber zum Einsatz kommen. Wir bündeln und koordinieren anhand der Daten alle Wartungsarbeiten. www.foerdern-und-heben.de f+h 2018/07-08 31

AUSGABE