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f+h fördern und heben 7-8/2019

f+h fördern und heben 7-8/2019

PRODUKTE UND SYSTEME

PRODUKTE UND SYSTEME WAREN OMNIDIREKTIONAL IDENTIFIZIEREN Der I-Punkt ist einer der neuralgischen Schnittstellen im Lager. Hier werden Menge, Größe und Gewicht der einzulagernden Waren erfasst und die Daten dem Lagerverwaltungssystem übermittelt. Hier entscheidet sich, ob ein Packstück angenommen und wohin es befördert wird. In vielen Unternehmen geschieht die Identifikation immer noch manuell. Dies ist fehleranfällig. Mithilfe einer omnidirektionalen Auto-ID-Anlage lassen sich eingehende Paletten so identifizieren, dass keine Ressourcen ungenutzt bleiben. Die Staedtler Mars GmbH & Co. KG ist ein Hersteller für holzgefasste Stifte, Folienstifte, Radierer sowie Feinminen, Modelliermassen und Industrieplastilin. Fast dreiviertel aller Produkte werden in Deutschland gefertigt. Das 1835 gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 2 800 Mitarbeiter und ist mit seinen Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen in 150 Ländern vertreten. Die europäische Distributionslogistik ist seit 2007 im Eurologistikzentrum in Nürnberg organisiert. Pro Tag erreichen das Lager etwa 250 bis 300 Paletten. Am I-Punkt werden die Ladungsträger aus der Fertigung und Warenannahme erfasst und gelangen anschließend per Fördertechnik in die Vorzone des Hochregallagers. Bisher übernahm ein Mitarbeiter die Identifikation der ankommenden Paletten am I-Punkt per Handscanner. Anschließend gelangten die so erfassten Daten der Ware wie Palettentyp, Menge oder Verpackungseinheit zur Weiterverarbeitung an das Lagerverwaltungssystem, das den Einlagerungsprozess steuert. Der I-Punkt wurde jedoch aufgrund variierender Auslastung nicht kontinuierlich mit Paletten versorgt, was die bestehenden manuellen Identifikationsprozesse unwirtschaftlich machte. Aus diesem Grund entschloss sich der Betreiber eine automatisierte Lösung zu implementieren. OMNIDIREKTIONALER SCAN- VORGANG AM I-PUNKT Die Auto-ID-Anlage am I-Punkt sollte ein omnidirektionales Lesen der Barcodes ermöglichen, da etikettierte Kartons teilweise gekippt palettiert werden. Die Antwortzeit des Systems legte der Betreiber auf max. Das Auto-ID-System identifiziert eindeutig die Ladungsträgerkombinationen, z. B. ob eine CP5-Palette als Huckepackpalette den I-Punkt passiert 26 f+h 2019/07-08 www.foerdern-und-heben.de

2,5 Sekunden pro Palettenseite fest. Manuelle Eingriffe sollten auf ein Minimum beschränkt werden und nur im Falle von „Nicht in Ordnung“ (NiO) geschehen. Die Barcodes befinden sich i.d.R. unter der Stretchfolie; ferner können Packstücke über die Palette hinausragen oder eingerückt sein. Aus diesen Gründen sollte das optische Prüfsystem eine Tiefenschärfe von mindestens 600 mm aufweisen. „Für eine problemlose Identifikation, Weiterleitung und Einlagerung der Paletten muss die Lösung zuverlässig erkennen, um welche Ladungsträgerkombinationen es sich handelt. Das System muss in der Lage sein, eindeutig festzustellen, ob eine Europalette oder eine CP5-Palette als Huckepackpalette ankommt“, erläutert Thomas Dietze, Abteilungsleiter Lagerlogistik, Produktionsversorgung und Warenannahme bei Staedtler. Um vor diesem Hintergrund eine belastbare Beschaffungsentscheidung herbeizuführen, fand ein Auswahlverfahren statt. Überzeugen konnte schließlich die Lösung der AIT Goehner GmbH „mit ihrer Beratung im Vorfeld sowie der weitreichenden Begleitung der Machbarkeitsstudie“, so Dietze. DREH- UND ANGELPUNKT FÜR EINGEHENDE PALETTEN Zur Implementierung der Auto-ID-Anlage wurde die Fördertechnik angepasst und ein neuer Drehtisch in das Layout eingebunden. Der Drehtisch ist in der Lage in 90°-Schritten zu stoppen, sodass sich die Barcodes von den Kameras erfassen lassen. Das Auto-Identifikations-Modul (AIT-Modul) besteht aus einem Rahmengestell mit acht GigE- Kameras (10 Megapixel) sowie vier Beleuchtungseinheiten. Die Reflektionen durch die Folien wurden mithilfe von Polarisationsfiltern auf Beleuchtung und Kameraobjektiven reduziert. Steht eine Palette am I-Punkt bereit, erhält das AIT-Modul vom Lagerverwaltungssystem die Information, dass der Scanvorgang beginnen kann: Die Beleuchtungseinheiten schalten sich ein und die Kameras erhalten einen Startimpuls. Nun wird in einem ersten Scanvorgang der Palettentyp erfasst. In einem zweiten Scanprozess werden omnidirektional alle verfügbaren Informationen auf der ganzen Palettenfläche von 1 200 × 1 750 bzw. 800 × 1 750 mm erfasst. Im Anschluss an das Scannen gelangen die Daten über eine GigE-Verbindung zur Bildbearbeitung an einen Industrie-PC. Ist der Scanvorgang beendet, meldet das AIT-Modul dies an das Lagerverwaltungssystem, das überprüft, ob auch alle Informationen vorliegen. Ist dies nicht der Fall, wird die Palette für einen weiteren Scan um 90° gedreht. Sind alle Daten vollständig, wird die Palette abgezogen und der Vorgang wird für den nächsten bereitstehenden Ladungsträger erneut in Gang gesetzt. MENSCH-MASCHINE- KOOPERATION HAT PRIORITÄT „Als Schreibgerätehersteller haben wir ein stark saisonales Auftragsaufkommen. Im Vorfeld des neuen Schuljahres ist unsere Lagerauslastung am höchsten“, so Abteilungsleiter Dietze. „Mit Einführung der neuen Auto-ID-Anlage und deren optimale Integration in die bestehende Technologie konnten wir bereits eine Glättung unserer Abläufe verzeichnen, die Wellenbildung auf der Anlage ließen sich merklich reduzieren. Beide Systeme, Auto-ID und Lager, arbeiten gut zusammen.“ Zudem ließ sich die Qualität der Einlagerungen seit Inbetriebnahme des Systems verbessern. So funktioniere vor allem das Erkennen von Artikeln, die nicht auf die Palette gehörten, zuverlässiger und genauer. Aufwendige Fehlerklärungen im Nachhinein oder gar Kundenreklamationen aufgrund von Falschlieferungen ließen sich so minimieren. Ein Anliegen ist dem Unternehmen die Akzeptanz der Mitarbeiter bei der Einführung von automatisierten Lösungen: „Die Kollegen sollen nicht das Gefühl bekommen, Fehler der Maschinen ausbügeln zu müssen. Damit ist uns ein guter Einstieg in die kamerabasierte Identifikation gelungen“, so Dietze. Wichtig sei, dass kein Mitarbeiter durch eine Maschine vollständig ersetzt werde. Man achte darauf, die Kollegen an anderen Stellen einzusetzen und eine gute Mensch-Maschine-Kooperation herzustellen. Dietze blickt abschließend bereits in die Zukunft: „Neben dem Auslesen von EAN-Codes wird die Anlage in Kürze auch Datamatrix- Codes erfassen können. Zudem denken wir bereits an die Einführung einer 3D-Erkennung von Packstücken. Es ist auch gut möglich, dass wir die Auto-ID-Anlage noch an anderen Punkten im Lager nachrüsten werden.“ Fotos: AIT Goehner www.ait.de AUF EINEN BLICK n Auto-ID-Anlage ermöglicht omnidirektionale Barcodeerfassung n Identifikation verschiedener Ladungsträgerkombinationen möglich n Polarisationsfilter reduzieren Reflexion durch Stretchfolie n Optische Tiefenschärfe von 600 mm GRÖSSE? Sharp Eyes ForYour Logistics Boelstraße 7 57518 Alsdorf Germany Gewicht? Form? Bild? Messen statt Schätzen. Frachtvermessung Stammdatenermittlung Tel.: +49 (0)2741-9377-0 Fax.: +49 (0)2741-9377-29 eMail: info@akl-tec.de www.akl-tec.de

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