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f+h fördern und heben 7-8/2019

f+h fördern und heben 7-8/2019

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F+H NACHGEFRAGT „ MIT DER AUFGABE Herr Voigt, nach unserem letzten Treffen im Januar 2018 ist GEWACHSEN “ Auch wenn sich Gründer Martin Voigt sicherlich eines Tages vorstellen kann, auch Kaltgetränke wie eine Cola aus der „coolen“ Kiste zu zaubern, so lautet die Mission der Nelumbox ganz klar: Kranken Menschen helfen, um wieder gesund zu werden. Denn der elektronische Behälter des Start-ups Tec4Med ist eine intelligente Kühlbox für den Transport temperatursensibler Medikamente und Proben. Marie Krueger aus der f+h Redaktion traf Martin Voigt, einen der drei Gründer, erneut auf dem Bito-Campus in Meisenheim. ein bisschen Zeit vergangen. Existiert die Nelumbox eigentlich noch in ihrer ursprünglichen Form, also so, wie Sie den Behälter seinerzeit auf dem Bito-Campus vorgestellt haben? Martin Voigt: Nein, wir sind inzwischen einen Schritt weiter. Die Box, wie Sie sie hier sehen, ist ein Teil unserer aktuellen Pilotserie, von denen wir in Zusammenarbeit mit lokalen Komponenten-Zulieferern 100 Stück fertigen lassen. Das frühere Modell wurde noch mit dem 3D-Drucker angefertigt: Circa 20 Behälter produzierten wir damals additiv, händigten diese an Kunden aus und holten anschließend deren Feedback ein. Zum Beispiel haben wir Vorschläge entgegen genommen, was wir an der Nelumbox noch verändern oder optimieren können. Aber auch positive Rück meldungen haben wir erhalten. Alle Erkenntnisse konnten wir in unsere Pilotserie übernehmen und sind sehr froh darüber, die Behälter jetzt fertigen zu können. Was sind denn zum Beispiel Vorschläge oder Neuerungen, die Sie in der aktuellen Variante umgesetzt haben? Martin Voigt: Zum Beispiel haben wir ein industriegängiges Schloss integriert, was ein enormer Zugewinn an Sicherheit ist. Das Behältnis lässt sich jetzt einfacher öffnen, eine einhändige Bedienung ist möglich. Ein großer Vorteil, denn die zweite Hand bleibt frei und dient zur besseren Handhabung der Box. Darüber hinaus haben wir das Innenvolumen des Behälters vergrößert. Dadurch ist die Box zwar auch äußerlich etwas voluminöser geworden; was aber, so die Rückmeldungen aus dem Markt, vollkommen in Ordnung ist. 44 f+h 2019/07-08 www.foerdern-und-heben.de

MENSCHEN UND MÄRKTE 01 Die Nelumbox wird elektrisch gekühlt und sorgt somit für einen sicheren Transport temperaturkritischer Güter wie pharmazeutische Proben oder Medikamente 02 Prozessoptimierende Systemlösung: Der Behälter sammelt Daten über die Klimazustände innen und außen. Via Cloud kann der Nutzer diese einsehen und kontrollieren 01 02 Zählt der pharmazeutische Bereich nach wie vor zu Ihrer Hauptabnehmerbranche? Martin Voigt: Ja, bisher schon. Die Kühlbox sichert nach wie vor den Transport und die Lagerung temperatursensibler Güter, also quasi eine digitale Kühllösung für pharmazeutische Erzeugnisse und Proben. Aber auch da können wir uns zukünftig andere Anwendungsfelder vorstellen, zum Beispiel im Business-to-Consumer-Bereich. Jedoch hatten wir uns damals entschieden, erst einmal in einer Nische zu starten. Aktuell adressieren wir vor allem die klinischen Studien. Diesbezüglich erhalten wir positives Feedback aus dem Marktumfeld. Ist die Nelumbox bereits am Markt verfügbar? Martin Voigt: Also die Pilotserie, von der ich eingangs sprach, kann man mieten. Unser Geschäft basiert hauptsächlich auf einem Mietmodell. Warum werden Sie sich vielleicht fragen. Weil wir eine intelligente Trackingfunktion mit anbieten, die dem Nutzer des Behälters – vor allem im Rahmen eines zeitlich begrenzten Projekts – eine gewisse Attraktivität bietet. Denn mithilfe der Echtzeit-Tracking-Funktion kann der Anwender sich alle Alarmbenachrichtigungen direkt auf sein Smartphone senden lassen. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, wenn das gewünscht wird, die Box zu kaufen. DER BITO-CAMPUS IST FÜR MICH IMMER WIE EIN BISSCHEN „WORKATION“ – EINE PERFEKTE KOMBINATION AUS ARBEIT UND URLAUB Und wie läuft das Geschäft bis jetzt? Martin Voigt: (lacht) Sehr gut. Wir hatten natürlich auch die ein oder andere Schwierigkeit, der wir uns stellen mussten, zum Beispiel der Wechsel vom Prototypenbau zur Serienproduktion. Vor allem für ein Start-up eine aufregende Zeit, da man auf Zulieferer angewiesen ist, die eine optimale Qualität zusichern. Diese Zulieferer muss man aber erst einmal finden. Das ist uns aber im vergangenen Jahr gelungen und wir sind froh, dass wir uns inmitten des Produktionsprozesses befinden. Die ersten Behälter werden wir in Kürze ausliefern. Ist Tec4Med auch unternehmerisch gewachsen? Martin Voigt: Absolut, das ist es: Vor einem Jahr waren wir noch ein Team bestehend aus den drei Gründern Nico Höler, Julian Poths und mir und hatten im Januar 2018 einen Vollzeitmitarbeiter und zwei Werksstudenten; aktuell sind wir dabei, den vierzehnten Mitarbeiter einzustellen. Auch im Marketing-Bereich, der Serienentwicklung und Produktion sowie dem Qualitätsmanagement haben wir uns weiterentwickelt. Lassen Sie mich es so sagen: Alle Bereiche sind mit uns, der Aufgabe und dem Unternehmen gewachsen. Sind Sie denn noch öfter hier am Bito-Campus? Martin Voigt: Leider sind wir im Rahmen unseres Tagesgeschäfts nicht mehr vor Ort, aber wir nutzen den Campus nach wie vor gerne als Rückzugsort, um außerhalb unserer gewohnten Umgebung und inmitten dieser Idylle neue Ideen kreieren oder auch mal an schwierigen Lösungen arbeiten zu können. Der Bito­ Campus ist für mich persönlich immer wie ein bisschen „Workation“ – eine perfekte Kombination aus Arbeit und Urlaub. Gibt es aktuell ein Projekt mit Bito? Martin Voigt: Ja, das gibt es. Aber lassen Sie mich dazu kurz erläutern: Die Hardware ist die elektronische Kühlbox; das eigentlich smarte dahinter ist aber unsere Software, die über die Cloud zur Verfügung gestellt wird. Mit den so gewonnenen Daten lassen sich für den Nutzer Mehrwerte generieren, zum Beispiel in Bezug auf den digitalen Zugriff, beziehungsweise die Verwaltungs- oder auch Bestandsaufnahmen. Diesbezüglich können wir uns, gemeinsam mit unserem Partner Bito, in Zukunft Anwendungsfelder vorstellen, die unabhängig von einer temperaturgeführten Logistik auch in anderen Bereichen liegen. Da Bito ein zukunftsorientiertes Unternehmen ist, das die Chancen der Digitalisierung erkennt und zu nutzen versteht, können dahingehend zukünftig Synergien sichtbar werden. Für welchen Zeitpunkt ist das geplant? Martin Voigt: (lacht) Wir sind ein schnelles Start-up und können dies durchaus in kürzerer Zeit realisieren. Sollten wir uns also nächstes Jahr wieder auf einer Veranstaltung treffen, können wir mit Sicherheit bereits über Erfolge sprechen. Eine klassische Frage zum Abschluss: Wo würden Sie Tec4Med in fünf bis zehn Jahren sehen? Martin Voigt: Ich denke, beziehungsweise wir denken, dass wir als Team sehr viel erreichen können: zum Beispiel auch den Ausbau unserer globalen Präsenz forcieren. Das heißt, wir würden uns wünschen, dass es uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren gelingt, unser Geschäft auch auf internationaler Ebene aus zuweiten. Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Marie Krueger, Redakteurin f+h Fotos: f+h www.tec4med.com | www.bito.com www.foerdern-und-heben.de f+h 2019/07-08 45

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