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f+h fördern und heben 9/2017

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f+h fördern und heben 9/2017

MOTEK I INTERVIEW „Wir

MOTEK I INTERVIEW „Wir geben Antworten auf die Herausforderungen der Zeit“ Im Gespräch mit Niels Jul Jacobsen, Chief Technology Officer (CTO) von Mobile Industrial Robots Damit Industrie 4.0 Realität werden kann, muss auch das FTS „umdenken“. Die Aussagen von Niels Jul Jacobsen, Chief Technology Officer (CTO) des Unternehmens Mobile Industrial Robots, im Gespräch mit der F+H-Redaktion lassen in diesem Zusammenhang aufhorchen. Fahrerlose Transportsysteme erleben zurzeit eine Renaissance. Worauf führen Sie diese zurück? Die Marktanforderungen an produzierende Unternehmen sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Um noch wirtschaftlich agieren zu können, ist die Flexibilität von Produktionstechnologien entscheidend. Fahrerlose Transportsysteme, vor allem mobile Roboter, wie wir sie entwickeln und produzieren, tragen genau diesem Anspruch Rechnung. In den zurückliegenden zehn Jahren wurden die mobilen Technologien zudem noch einmal ein ganzes Stück weiterentwickelt. Früher war ihr Einsatz mit hohen Investitionen und aufwändiger Planung verbunden. Viele klassische FTF waren in puncto Navigationstechnologien wenig flexibel. Veränderungen im Materialflusslayout verursachten hohe Zusatzkosten. Die mobile Robotik schafft eine ganz neue Ausgangssituation. Unsere Roboter sind nicht nur erschwinglich, sondern auch einfach zu implementieren und lassen sich jederzeit an neue Aufgaben anpassen. Ist das Marktpotenzial für FTS-Anlagen so hoch, dass die in jüngster Vergangenheit neu auf den Markt drängenden Hersteller dauerhaft überleben werden? Aus meiner Sicht werden jene Unternehmen überleben und den Markt bestimmen, die die Technologie autonomer mobiler Roboter am besten verstehen und darüber hinaus für marktrelevante Lösungen zu nutzen wissen. Ob ein Hersteller dabei erst vor kurzem in den Markt eingetreten oder schon länger dabei ist, spielt in diesem Zusammenhang zunächst einmal keine Rolle. Für gewöhnlich ist es jedoch so, dass es vor allem die jüngeren Wettbewerber sind, die von Veränderungen im Markt profitieren. Firmen mit langer Tradition und Entwicklungsgeschichte tun sich im Allgemeinen schwer, flexibel auf Marktänderungen zu reagieren, die mitunter rasant auftreten können. Wir bei Mobile Industrial Robots haben hier eine günstige Ausgangssituation: Unser Unternehmen an sich ist zwar noch relativ jung, jedoch haben wir als einer der ersten Hersteller mobile Roboter auf den Markt gebracht. Diesen Vorsprung nutzen wir konsequent. Die Flexibilität unserer Produkte und unser Know-how erlauben es uns, schnell auf die Anforderungen der Betreiber und Marktbedürfnisse zu reagieren. Sie erwähnten, dass auch Ihr Unternehmen zu den vergleichsweise neuen Playern am Markt gehört. Mit welcher Vision gingen Sie im Jahr 2013, als Sie Mobile Industrial Robots gründeten, an den Start? Unsere Vision ist die Automatisierung in einen Bereich zu tragen, in dem sie vorher nicht umsetzbar war. Konkret bedeutet dies, dass wir unseren Kunden ermöglichen, fast jede Art von internen Transportaufgaben zu automatisieren und so frei gewordene Ressourcen ihrer Mitarbeiter auf andere Aufgaben im Unternehmen zu verteilen. Diese Vision wurde im Herbst 2011 geboren: Ich kehrte von einer Konferenz in Boston zurück, die sich mit der Frage beschäftigte, wie sich Roboter kommerziell nutzen lassen. Während der Tagung wurde mir klar: Die Chancen dieser neuen Technologie werden noch nicht richtig ausgeschöpft. In diesem Moment entstand die Idee für Mobile Industrial Robots. Im Verlauf der darauffolgenden zwei Jahre haben wir dann konsequent an ihrer Umsetzung gearbeitet und sie 2013 mit unserem ersten Roboter, dem MiR100, zur industriellen Marktreife geführt. Hinter einer Geschäftsidee im Bereich FTS stehen auch Produkte respektive Geräte. Welche Varianten bieten Sie dem potenziellen Betreiber? Grundsätzlich sind unsere mobilen Roboter Automatisierungslösungen für interne Warentransporte von A nach B. Hierfür bieten wir gegenwärtig zwei Modellvarianten an: den zuvor bereits erwähnten MiR100 und den MiR200, die nach ihren Tragfähigkeiten in Kilogramm benannt sind. Rund um die beiden mobilen Helfer steht ein umfangreiches Portfolio an Zusatzmodulen bereit. Den MiRHook, ein Transport- und Ziehsystem für Rollwagen 16 f+h 9/2017

INTERVIEW I MOTEK offerieren wir dem Markt selbst. Weitere Zusatzmodule wie Transportbänder oder Hubvorrichtungen sind über unsere Vertriebspartner verfügbar. Wir verfolgen dabei einen offenen Ansatz hinsichtlich der Anwendungsbereiche. Am Ende des Tages bieten sich dem Betreiber vielfältige Einsatzmöglichkeiten, ausgehend davon können sie die jeweils passende Konfiguration wählen. Tatsächlich ist vor allem Flexibilität eine der Kernherausforderungen unserer Zeit. Und genau da setzen wir bei Mobile Industrial Robots an. Aufgrund der einfachen Programmierung und intuitiven Bedienung über jedes mobile Endgerät können Anwender unsere Fahrzeuge jederzeit problemlos an neue Fertigungs- respektive Materialflusslayouts anpassen. Hinzu kommt, dass die mobilen Helfer durch Wo sehen Sie für unsere Intralogistik- Branche die großen Herausforderungen der Zukunft? Sie haben es in diesem Gespräch mit einer Ihrer Fragen bereits angesprochen und ich stimme Ihnen da vollkommen zu: Die größte Herausforderung ist das stetig steigende Bedürfnis nach Flexibilität. Eine der entscheidenden Fragen der Intralogistik ist Wie ist Ihr Unternehmen mit Hauptsitz in Odense/Dänemark im Bereich Vertrieb und Aftersales aufgestellt? Wir haben von Anfang an hart daran gearbeitet, uns ein breit gefächertes Netzwerk an Vertriebspartnern aufzubauen, mit denen wir vor Ort unsere Endkunden beraten und unterstützen können. In Deutschland sind wir mittlerweile mit zwölf Partnern vertreten, die mit den unterschiedlichen Branchen vertraut sind. Das ist wichtig, weil wir ein vergleichsweise neuartiges Produkt anbieten und entsprechend intensiv beraten müssen. Unsere Partner leisten hier mit ihrem Knowhow und ihrer Erfahrung einen wichtigen Beitrag, dass Anwender über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des MiR-Roboters aufgeklärt werden. Sie zeigen unseren Kunden auf, welche Verbesserungen im Bereich Intralogistik möglich sind und führen ihnen das Potenzial, das in dieser Technologie steckt, klar vor Augen. In Produktion und Logistik müssen die Abläufe immer schneller an sich wandelnde Ansprüche angepasst werden. Das erfordert flexible Materialflusslösungen. Wie können Sie diese Anforderung mit Ihren Systemen erfüllen? „Im Segment FTS werden jene Unternehmen überleben und den Markt bestimmen, die die Technologie autonomer mobiler Roboter am besten verstehen und für marktrelevante Lösungen zu nutzen wissen“ eine Vielzahl an Sensoren und Kamerasystemen in unbekannter und dynamischer Umgebung autonom und absolut sicher neben dem Menschen arbeiten und agieren können. Was sind aus Ihrer Perspektive die technologischen Trends im Bereich autonomer Fahrzeuge? Einer der Haupttrends ist sicherlich die enge Verzahnung der Arbeit von Mensch und Maschine. Hier zeigt die jüngste Vergangenheit, dass Roboter von Generation zu Generation besser verstehen, wie ihre menschlichen Kollegen arbeiten und in dieser Hinsicht immer lernfähiger werden. Zu diesem Thema forschen und arbeiten wir auch bei MiR: Je mehr der Roboter die Laufund Transportwege von Menschen und Fahrzeugen in einem Werk oder Logistikzentrum versteht und wahrnimmt, desto besser kann er mit ihnen interagieren. deshalb: Wie ist es möglich, in einer Welt, wo sich Kundenbedürfnisse beinahe augenblicklich ändern können, Produktionsund Lieferstrukturen weiter zu optimieren. Uns ist es gelungen, den Anlagenbetreibern eine ganz entscheidende Komponente für eine allumfassende Flexibilität ihrer Strukturen zu bieten. Die Resonanz am Markt spricht für sich. Fotos: MiR Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h MiR auf der Motek 2017 Besuchen Sie Mobile Industrial Robots auf der Motek 2017 am Stand von Smart Robotics GmbH: Halle 7, Stand 7303 f+h 9/2017 17

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