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f+h fördern und heben Report 2017

f+h fördern und heben Report 2017

INDUSTRIE 4.0 z. B.

INDUSTRIE 4.0 z. B. 3D-Druck mit Metallen i. d. R. mit einem Metallpulver als Rohmaterial statt – schon dessen Eigenschaften spielen für die Qualität des Endprodukts eine maßgebliche Rolle. Darüber hinaus sind prozessbegleitende Prüfungen notwendig, damit der eigentliche Fertigungsprozess innerhalb der erforderlichen Toleranzbereiche stattfindet. Ebenso sind Prüfungen des fertigen Produkts geboten. Was Qualitätssicherung, Validierung, Prüfung und Zertifizierung der Produkte aus additiver Fertigung betrifft, gibt es noch große Lücken. UL unterstützt die Normierungsanstrengungen von Organisationen wie die Internationale Organisation für Normung (ISO) und die American Society for Testing and Materials (ASTM) im Bereich additiver Fertigung, aber faktisch ist derzeit noch vieles ungeklärt. Arbeitssicherheit in der autonomen Smart Factory Ein wichtiger Aspekt von Industrie 4.0 ist der hohe Grad an Selbstorganisation, der die Fertigung in der Smart Factory der Zukunft auszeichnen wird. Die neuen cyberphysischen Systeme sollen intelligent genug sein, Produktionsprozesse selbst zu definieren und autonom zu steuern. Die cyber-physische Smart Factory wird hochflexibel sein und soll mithilfe einer umfassenden vertikalen Integration ad hoc auf eine konkrete Nachfrage reagieren können: Kündigt sich z. B. im Auto das Versagen einer Komponente an, bestellt die Smart Factory bereits die benötigten Rohstoffe, verändert den Standort von Betriebsmitteln, richtet die Fertigungsstraße ein und produziert das Ersatzteil. Auch unsere Arbeitswelt wird sich durch diese Dynamisierung nachhaltig ändern. Im hochflexiblen Smart Manufacturing der Zukunft werden Fertigungsmitarbeiter wohl auf die Rolle von Kontrolleuren für autonom arbeitende Systeme reduziert. Zugleich hat so eine dynamische Arbeitsumgebung gravierende Konsequenzen für die Arbeitssicherheit. Hier stellt sich die Frage: Wie lässt sich überhaupt für Arbeitssicherheit in einer Industrie-4.0-Welt sorgen? Wie gelingt es, einen sicheren Rahmen für die flexible Arbeitsumgebung einer Smart Factory zu schaffen und Mitarbeiter vor Schaden zu schützen? Es wird die gemeinsame Aufgabe von Industrie sowie Sicherheits- und Zertifizierungsunternehmen sein, zu erforschen, wie sich Sicherheit in diesem Kontext sinnvoll definieren und gewährleisten lässt. Wem gehören die Daten? Die cyber-physischen Systeme von Industrie 4.0 nehmen nicht nur die Smart Factory in den Fokus. Sie sollen auch für eine enge Vernetzung und eine umfassende vertikale Integration der kompletten Supply Chain sorgen. Hersteller entlang der Wertschöpfungskette werden noch stärker miteinander kooperieren müssen, als sie dies bisher tun. Auch Kooperationen mit Wirtschaftsverbänden, politischen Entscheidern und sogar Wettbewerbern werden eine Rolle spielen. Bei einer horizontalen Integration der Supply Chain stellt sich aber noch eine Frage: Wem gehören die Daten, wer darf davon profitieren? Eine Industrie-4.0-Welt ist eine Welt von Big Data und die Macht von Konzernen wie Google beruht darauf, auf einen wertvollen Datenschatz zugreifen und ihn heben zu können. Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit erhalten vor diesem Hintergrund eine neue Relevanz. Es wird die Aufgabe des Gesetzgebers sein, für Klarheit über die Rechtssituation zu sorgen: Wer darf auf Basis welcher Daten welchen Prozess entlang der Supply Chain mit welchen Zugriffsrechten auslösen und steuern? Und wer hat dabei welche Verantwortung zu tragen? 8 f+h Report 2017

INDUSTRIE 4.0 Keine Vernetzung ohne Cyber Security In der Welt von Industrie 4.0 und des Internet of Things ist es nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel, dass Produktionsanlagen und Produkte über Schnittstellen zum Internet verfügen. Dass sich heute schon ganze Produktionsanlagen standortunabhängig, z. B. per iPad, steuern lassen, ist sicherlich ein Fortschritt, stellt aber auch neue Anforderungen an die Sicherheit. Wollte ein Saboteur in Zukunft z. B. die Auslösekennlinie eines Leistungsschutzschalters verändern und damit Schaden für Menschen, Maschinen und Gebäude verursachen, müsste er sich dazu nur über das Internet in das System hacken. Cyber-physische Systeme vor unautorisierten Zugriffen und Fehlsteuerungen zu bewahren, ist eine große Herausforderung – wegen der umfassenden Vernetzung und wegen der Flexibilität der neuen Systeme. Es gilt darum, ein neues Zusammenspiel von Betriebssicherheit (Safety), Datenschutz (Privacy) und Informationssicherheit (Cyber Security) zu realisieren und all diese Sicherheitsaspekte in den Komponenten und Systemen zu integrieren. Im Kontext von Industrie 4.0 ist Cyber Security kein bloß abstraktes Thema, es hat vielmehr eine reale, physische Dimension. Die Vulnerabilität umfassend vernetzter Produktionssysteme gegen Angriffe von außen kann letztlich zu physischen Gefahren und Risiken führen – vom Feuer bis zum elektrischen Schlag. Alle Eingriffe in die Cyber-Seite eines cyber-physischen Systems haben potenziell auch Auswirkungen auf Im Kontext von Industrie 4.0 erlangt Cyber Security eine physische Dimension seiner physischen Seite. Aus diesem Grund arbeitet UL zusammen mit unabhängigen forschenden Partnern daran, die beiden Sicherheitsdimensionen stärker miteinander zu verbinden: die neuen IT-Standards und -Protokolle einerseits mit den traditionellen elektrischen Sicherheitsstandards und den funktionalen Sicherheitsanforderungen andererseits. Dennoch: Viele Fragen, die die Sicherheitsanforderungen an eine umfassend vernetzte und entsprechend verwundbare Industrie-4.0-Welt betreffen, sind noch nicht einmal formuliert, geschweige denn beantwortet. Ein weiter Weg Es wird die große Aufgabe von Forschung, Wirtschaft sowie Normierungs- und Zertifizierungsunternehmen sein, gemeinsam geeignete Sicherheitsanforderungen an die dynamische Industrie-4.0-Welt und das Internet of Things zu definieren. Klärungsbedarf besteht z. B. noch darüber, welche Standards cyber-physikalischen Systeme der Zukunft erfüllen müssen. In der jetzigen Situation – noch ganz am Anfang der vierten industriellen Revolution – ist bereits viel gewonnen, wenn es gelingt, die zahlreichen blinden Flecken zu umreißen, Forschungsschwerpunkte zu identifizieren und sinnvolle, zielführende Fragestellungen zu formulieren. Bei der Umsetzung von Industrie 4.0 ist erst der Anfang gemacht ebenso wie bei der Lösung der damit verbundenen Sicherheitsfragen. Fotos: UL/Fotolia www.ul.com Durchdacht bis ins Detail: Band-Lösungen von Habasit Erst die richtige Auswahl perfekt abgestimmter Komponenten macht aus einem Transportband genau Ihre Materialfluss-Lösung: • optimal angepasste Oberflächen • vielfältiges Zubehör für Bänder und Zahnriemen • individuelle Fertigung Habasit GmbH info.de@habasit.com www.habasit.de Habasit – Solutions in motion

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