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f+h fördern und heben 10/2020

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f+h fördern und heben 10/2020

GEMEINSCHAFTLICHE

GEMEINSCHAFTLICHE INTEGRATIONSLEISTUNG Als Andreas Hindelang in der Paravan- Produktionshalle in Aichelau das erste Mal auf seinem neuen Gabelstapler Platz nahm, war ihm die Freude und Erleichterung deutlich anzusehen. Am liebsten wäre er geradewegs ins Lager gefahren und hätte dort gleich losgelegt. Seit mehr als zwei Jahren konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Probleme in der linken Schulter machten ein Manövrieren über das serienmäßige Lenkrad seines Gabelstaplers unmöglich. Per Space Drive von Paravan kann der 52-Jährige jetzt wieder seiner Arbeit nachgehen. Den Stapler lenkt er nun via „Steer by Wire“ mit einem Joystick, der an der Tür der Fahrerkabine angebracht ist. „Sie wissen nicht wie oft er bei mir angerufen hat und fragte, wann der neue Stapler kommt“, berichtet Werksleiter Roland Stindl von der Kunert Peiting GmbH & Co. KG, einem Papierverarbeitungswerk in Peiting. Für Hindelang wäre es keine Alternative gewesen, einem Bürojob nachzugehen. Seit einem Arbeitsunfall vor 15 Jahren war die Beweglichkeit seines rechten Armes stark eingeschränkt. Lenken konnte Hindelang noch mit dem linken Arm und mit dem rechten Arm, unterstützt durch eine Armlehne, die Joysticks des Flurförderzeugs bedienen. Um sich eine Arbeitserleichterung zu schaffen, legte der passionierte Staplerfahrer eine Folie auf die Lehne. Somit konnte der Arm auf der Lehne besser gleiten. „AUS EINEM STAPLERFAHRER KANN MAN KEINEN BÜROMENSCHEN MACHEN“ Fünf Jahre später konstruierte das Unternehmen Suffel, der für die Region zuständige Vertragshändler des Flurförderzeugherstellers Linde Material Handling, und Partner in Sachen Flurförderzeuge von Kunert, eine individuell angepasste Schiebekonsole. Damit ausgerüstet ließ sich der Stapler weitere sechs Jahre nutzen. Doch im Laufe der Zeit kristallisierte sich ein weiteres Problem heraus. Aufgrund der Tätigkeit als Staplerfahrer und infolge der einge- 38 f+h 2020/10 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME Blick in das Cockpit des umgerüsteten Staplers. Gut zu erkennen ist der zum Steuern des Flurförderzeugs dienende Joystick an der Tür der Fahrerkabine Ausgerüstet ist der neue Linde H30 Evo mit dem Space-Drive-System. Mithilfe dieses elektronischen und redundanten „Steer by Wire“-Lenksystems kann Hindelang sein Arbeitsgerät sicher per Joystick lenken. Nur ein minimaler Kraftaufwand ist nötig, um das Flurförderzeug quasi mit den Fingern präzise zu steuern. „Ein Lenkwinkelsensor an der Hinterachse verhindert das Übersteuern der Räder“, so Paravan-Techniker Marco Neuburger bei der Übergabe, der gemeinsam mit Norbert Hein die Anpassung umgesetzt hat. Im Januar konnte Hindelang das erste Mal auf seinem neuen Arbeitsgerät Platz nehmen. Geringfügige Anpassungsarbeiten brachten den optimalen Arbeitskomfort. Damit kann der passionierte Staplerfahrer wieder an seinen ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren. „Bis zur Rente sollte der neue Gabelstapler jetzt halten“, sagt Michael Willenbücher, Leiter des Sonderbaus und Konstruktion und verantwortlich für die Anpassungen bei Suffel. Nach zwei Wochen Wiedereingliederung arbeitet Hindelang seitdem wieder Vollzeit. „Wie als wäre nichts gewesen“, berichtet Werksleiter Stindl. Mit dem neuen Lenksystem kommt Hindelang nach eigenen Angaben problemlos zurecht. „Jetzt kann ich wieder ohne Schmerzen meine Tätigkeit als Staplerfahrer ausführen.“ Fotos: Paravan www.paravan.de MIT ANGEPASSTEM STAPLER WIEDER VOLL INS BERUFSLEBEN INTEGRIERT schränkten Bewegungsfreiheit wurde die linke Schulter von Hindelang überlastet und entzündete sich des Öfteren. Das Steuern des Flurförderzeugs ging einfach nicht mehr. Auch eine anders Sitzposition brachte nur kurzzeitig Abhilfe. Und so fing Hindelang Ende 2017 an zu tüfteln. Er wollte den Stapler mit einer eigenen Konstruktion steuern, die aber nicht zum Einsatz kam. Stindl kam daher auf die Idee, seinen Kollegen in der Qualitätssicherung einzusetzen. „Hülsenmessung ging von der Motorik her nicht“, daher sei nur noch Verwaltungsarbeit übriggeblieben. „Ein Büromensch bin ich aber nicht“, ergänzt Hindelang. Sein Arbeitgeber erkannte sein Potenzial und suchte nach Lösungen. Ein langer Weg, der letztendlich aber zum Erfolg führte. Nach ersten Kontakten zum Unternehmen Suffel und zur Berufsgenossenschaft gingen die Verantwortlichen auf den Umrüster Paravan zu. Die schwäbische Tüftlermanufaktur fertigt individuelle und technisch komplexe Sonderbauten für den privaten Gebrauch respektive für Firmen. Die Bandbreite der nach den Bedürfnissen der bewegungseingeschränkten Kunden umgerüsteten Fahrzeuge reicht vom Traktor bis hin zum Caterpillar-Radlader. Doch zurück zum Fall Hindelang. „STEER BY WIRE“-LENKSYSTEM LÄSST SICH MIT MINIMALEM KRAFTAUFWAND BEDIENEN Mit einem baugleichen Modell wurde zunächst die Machbarkeit geprüft und der Umbau konzipiert. Dann konnten die Angebote für den Stapler sowie für die Anpassungen von Suffel und Paravan erstellt werden. Ende 2019 war es dann soweit, der ersehnte Stapler wurde im Paravan-Mobilitätspark angeliefert und umgebaut. www.foerdern-und-heben.de f+h 2020/10 39

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