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f+h fördern und heben 11/2021

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f+h fördern und heben 11/2021

PRODUKTE UND SYSTEME

PRODUKTE UND SYSTEME PALETTE ADÉ Großvolumige Waren möglichst effektiv zu lagern und zu kommissionieren, ist das Ziel des Systems Roverlog. Mit ihrer Herangehensweise will die Extor GmbH neue Impulse in der Lagerlogistik setzen. Keine Regale, keine Stapler, keine Paletten: Das Lager der Zukunft kehrt Standards den Rücken. Getrieben von E-Commerce und dem Wunsch der Kunden, schnell, flexibel und in geringen Mengen beliefert zu werden, steigt der Bedarf an innovativen Logistikkonzepten. Automatische Lager- und Bereitstellungssysteme z. B., bestehend aus einer Vielzahl von computergesteuerten und automatisierten Systemen zum Ein- und Auslagern von Lasten aus definierten Lagerplätzen, befähigt Logistiker zu hoher Dynamik, verlangt aber Effizienz, Schnelligkeit und Flexibilität, die mit Staplern nicht zu erfüllen ist. Die Extor GmbH aus Hannover hat mit Roverlog ein neues Lagersystem für schnelldrehende Güter entwickelt – und schlägt damit viele Fliegen mit einer Klappe. Das System ist platz- und ressourcensparend, dadurch kostengünstig im Unterhalt und anpassungsfähig. „Die Kommissionierung verbraucht in einem Lager einen Großteil der Ressourcen“, erklärt Jörn von der Lippe, Geschäftsführer der Extor GmbH. „Wertvolle Zeit wird für die Lokalisierung und den Transport der Ladeeinheiten verbraucht.“ WAREHOUSING: SO EINFACH WIE NIE Die Lösung von Extor ist so einfach wie genial: Transportwagen (Roverlogs) fahren auf einem Schienensystem unterhalb des Lagersystems. Die Ladungsträger bilden freistehende Behältersäu- JÖRN VON DER LIPPE, GESCHÄFTSFÜHRER, EXTOR GMBH Mit dem Roverlog-System schließen wir eine Lücke in der automatischen Lagerhaltung len, wodurch das System ohne zusätzliche Regale und Gänge auskommt. Extor hat seine Lösung ursprünglich für einen Online-Reifengroßhändler entworfen, der eine Alternative zu seiner Lager- und Kommissionierinfrastruktur benötigte. „Bislang wurden die Reifen über lange Förderbänder zu ihrem Bestimmungsort transportiert, was zeit- und kostenintensiv war, da die Reifen mit Gabelstaplern in Gitterboxen verladen werden mussten“, erklärt von der Lippe. 10 f+h 2021/11 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME 01 Das zentrale Element des neuen Systems: Die Transport- und Handlingeinheit Roverlog 02 Die Kommissionierports sind mit Türen oder Schnelllauftoren erhältlich und ermöglichen die ergonomische Be- und Entladung von Waren in Ladungsträger Das Roverlog-System, das sich neben Reifen mittlerweile für alle denkbaren mittelgroßen Waren eignet, verzichtet komplett auf Stapler, Fördertechnik, Paletten oder Sorter. Mithilfe der Neuentwicklung lässt sich die manuelle ebenso wie die per Flurförderzeug unterstütze Kommissionierung automatisieren. Zentraler Anlaufpunkt der Roverlogs sind die Kommissionierports. Unterhalb der Behältersäulen verläuft das Schienennetz, auf dem sich die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,5 m/s bewegen und von wo aus sie die Ladungsträger in die Höhe stapeln. Dazu befindet sich in jedem Roverlog ein Hubtisch, der angehoben und abgesenkt wird, sobald das Transport- und Handlinggerät unter dem richtigen Lagerplatz hält. Bis zu 820 kg lassen sich in einer Säule mit einer Höhe von 8,95 m über dem Hallenboden stapeln – neun große Ladungsträger mit einer Höhe von je 720 mm oder 13 kleine Ladungsträger mit einer Höhe von jeweils 480 mm passen in solch eine Säule. WACHSTUM IM BLICK Jeder Ladungsträger ist mit einem RFID-Tag ausgestattet, sodass seine genaue Position in Echtzeit auch bei einem Stromausfall abrufbar ist. Das Lagersystem selbst arbeitet automatisch, Personal ist nur an den Kommissionierports zum Be- und Entladen der Behälter erforderlich. Die Fahrzeuge erhalten den Strom durch die Trag-Fahr-Struktur. Einen Teil davon erzeugen sie durch Rekuperation der Brems- und Bewegungsenergie. Eingesetzt werden Bürstenlose Gleichstrommotoren (BLCD), die u. a. durch Wartungsarmut punkten. Das steigert die Verfügbarkeit der Fahrzeuge, sorgt für mehr Nachhaltigkeit und hilft, die After-Sales- Kosten gering zu halten. Transportieren und kommissionieren lassen sich vielfältige Waren unterschiedlicher Branchen – von weißer Ware über Fahrzeugteile bis hin zu Spielwaren, Kleinmöbeln oder Büchern. „Schnell wurde klar, dass unser System auch für diese Bedarfe geeignet ist“, bemerkt von der Lippe. „In der Logistik für große und mittelgroße Artikel und Gebinde wird häufig noch von der Palette kommissioniert: Mitarbeiter fahren mit Kommissionierwagen durch das Regallager und kommissionieren auf Fahrzeuge. Oder die Palette wird von einem automatischen Hochregallager an eine Fördertechnik übergeben.“ Lagerung auf der angebrochenen Palette aber sei ein Sicherheitsrisiko. „Das Behälterkonzept macht bei auf Palette angelieferter Ware zwar ein Umpacken notwendig“, bemerkt von der Lippe. „Gleichzeitig ermöglicht es aber dadurch eine vollständige Wareneingangskontrolle. Zudem ist eine Zulagerung in teilgefüllte Behälter möglich, was bei der Palettenlagerung nicht üblich ist.“ MODULAR UND AN UNTERSCHIEDLICHE BEGEBENHEITEN ANPASSBAR Mit der Palette gehe von der Lippe zufolge meistens auch die Gassenlagerung und damit ein großer Platzbedarf mit hohem Investitionsvolumen einher, außerdem ließen sich derartige Lager nur aufwendig an ein wachsendes Geschäft anpassen. Von der Lippe: „Diese Nachteile haben wir im Roverlog-Lagersystem mit der kompakten Blocklagerung nicht.“ Das Roverlog-Lagersystem ist modular erweiterbar und lässt sich an jede Gebäude- und Deckenstruktur anpassen. Große Aufmerksamkeit wurde bei der Entwicklung auf die Nachrüstbarkeit gelegt. So hat etwa die Bodenbeschaffenheit der Halle keinen Einfluss auf die Nutzbarkeit, denn das System ist mit variabel konfigurierbaren Stellfüßen ausgestattet. Der modulare Aufbau der Trag- und Fahrstruktur bietet die Möglichkeit, sich an die Gegebenheiten in der Halle, wie etwa Säulen, anzupassen. Die Steuerung des Lagers übernimmt die Roverlog Server Software, die eine Schnittstelle zum Warehouse-Management-System des Betreibers aufbaut. Der Roverlog-Server kann zusätzlich mit weiteren Informationen über den Inhalt der Ladungsträger versorgt werden. Der Server steuert die Kommunikation mit den Fahrzeugen und teilt Einzelaufgaben zur Erfüllung der Kommissionieraufgaben zu. Außerdem übernimmt er die Kommunikation mit den Kommissionierports. Das System wird stets komplett auf die Belange des zukünftigen Betreibers konfiguriert. „Wir analysieren zusammen mit dem Kunden den Bedarf seiner Logistik und entwickeln dann ein tragfähiges und zukunftssicheres Konzept“, so von der Lippe. Die Implementierung des Systems könne auch im laufenden Betrieb stattfinden. Fotos: Extor www.extor.de www.foerdern-und-heben.de f+h 2021/11 11

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