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f+h fördern und heben 3/2018

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f+h fördern und heben 3/2018

PRODUKTE UND SYSTEME 02

PRODUKTE UND SYSTEME 02 Die Lithium-Ionen-Batterien der Fahrzeuge werden automatisch über Deckenkontakte geladen Jahresproduktion von 263 101 t sorgen und einen Umsatz von 583,6 Mio. CHF erwirtschaften. Alle Angaben beziehen sich auf das Jahr 2016. Hauptaugenmerk legt man bei Elsa auf die Entwicklung einer Unternehmenskultur und auf Weitsicht in Sachen Marktveränderungen und Markttrends. Aus diesem Grund wurden die Produktionsbetriebe frühzeitig optimiert und automatisiert, um starke Nachfragen rasch bewältigen und in Zukunft wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein gutes Beispiel dafür war die Installation von fahrerlosen Flurförderzeugen mit Induktivführung, die das Unternehmen schon 1981 vornahm. Als es jüngst notwendig wurde, ein altes Fahrerloses Transportsystem (FTS) der Firma Eisenmann zum Transport von Paletten mit Molkereiprodukten, das in den Jahren 2001 bis 2005 installiert wurde, zu ersetzen, wurde die MLR System GmbH damit beauftragt, die Anlage in Teilen zu erneuern. Die in der Anlage betriebenen Fahrerlosen Transportfahrzeuge, die täglich rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche und an 365 Tagen im Jahr ihre Arbeit verrichten, waren hinsichtlich des Navigations-, Steuerungs- und Kommunikationssystems veraltet. Ersatzteile waren teilweise entweder gar nicht oder wenn dann nur mit langen Lieferzeiten und hohen Kosten am Beschaffungsmarkt verfügbar. Aufgabe der automatischen Fahrzeuge ist es, per Eisenbahn eingehendes Leergut – Kunststoffbehälter und Rollpaletten, die sich ausschließlich auf Europaletten befinden und nur Migros-intern genutzt werden – aufzunehmen und zu den rd. 50 Abfülllinien zu bringen. Dort finden die komplett vollautomatische Depalettierung, Befüllung, Verpackung und erneute Palettierung statt. Den Abtransport der Waren übernehmen wieder die FTF. Nach einem kurzen Lageraufenthalt gelangen die Produkte schnell und frisch zu 40 Prozent über die Schiene und zu 60 Prozent auf der Straße zu den Vertriebsplattformen. Die fahrerlosen Fahrzeuge sind jeweils mit zwei hintereinander, quer zur Fahrtrichtung angeordneten Kettenförderern ausgestattet, mit denen sie die an den 600 mm hohen Förderstrecken bereitgestellten Paletten selbstständig abgeben und aufnehmen. Die Lastwechsel werden von den autonomen Flurförderzeugen direkt mit der Fördertechniksteuerung über eine Datenlichtschranke synchronisiert. Das FTS-Leitsystem ist dabei unbeteiligt: Um die 50 Übernahmestationen mit jeweils einem Abholplatz für Paletten mit Leergut und die 27 Übergabestationen mit jeweils einem Anlieferplatz für Paletten mit verpackter Ware bedienen zu können, sind bei Elsa 17 Fahrzeuge im Einsatz. Die flächenbeweglichen Sechs- Rad-Sonderfahrzeuge vom Typ Phoenix K-2,0 Lr sind 3 940 mm lang, 1 075 mm breit und 2 479 mm hoch und haben vorn und hinten je eine Fahr- und Lenkeinheit. Damit lassen sich auch in engen Umgebungen Quer- und Diagonalbewegungen durchführen. Jedes Fahrzeug, das mit Batterie etwas mehr als zwei Tonnen auf die Waage bringt, kann 2 × 1 000 kg tragen. Die Anlage ist so konzipiert, dass pro Stunde bis zu 300 Transporte durchgeführt werden können. UMBAU IN EINZELNEN PHASEN „Bei der Modernisierung mussten wir eine ganz bestimmte Reihenfolge einhalten“, erklärt Pierre-Alain Bigler, Leiter der Automationsprojekte im Bereich Logistik bei Estavayer Lait SA. „Wir konnten nicht einfach einige alte Fahrzeuge aus der Anlage nehmen und zum Umbau nach Deutschland bringen. Dann hätte das Fahrerlose Transportsystem als Herzstück der Intralogistik folglich die erforderliche Leistung nicht mehr erbracht, und es wäre zu temporärem Stillstand bei der Produktion und damit zu Verzögerungen bei der Auslieferung gekommen.“ Aus diesem Grund lieferte MLR zusätzlich zu den 17 bisherigen Geräten zwei baugleiche Neufahrzeuge für die Anlage, um Transportengpässe bei der Entnahme von Altgeräten zu unterbinden. Bigler ergänzt: „Beim Nachbau der beiden Fahrzeuge zeigte sich die Firma Eisenmann, die heute keine Fahrerlose Transportsysteme mehr liefert, sehr kooperativ.“ Ebenso sei der veraltete Leitrechner auf Basis einer SPS von Siemens nicht mehr in der Lage gewesen, die modernisierten Fahrzeu- 96 f+h 2018/03 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME ge zu steuern. So wurde beschlossen, in einer ersten Bauphase die SPS durch ein neues, intelligentes Transportleitsystem zu ersetzen. Dabei handelt es sich um die Leitrechnersoftware MLR-LogOS-FTS neuester Generation auf PC-Basis, die in der Lage ist, auch die alten Eisenmann-Fahrzeuge zu steuern und zu verwalten, „ein Umstand, der uns gut gefallen hat“, so Bigler. Die umgerüsteten autonomen Flurförderzeuge seien per WLAN an das Leitsystem LogOS angebunden. Es stellte sich heraus, dass das Leitsystem die alten Geräte intelligenter disponierte, in dem z. B. weniger Leerfahrten auftraten und – aufgrund der Nutzung der zwei Lastaufnahmemittel auf den Flurförderzeugen – mehr Doppelspiele gefahren werden konnten. Durch diese Leistungssteigerung konnte Elsa auf Anhieb auf drei Alt-FTF gleichzeitig verzichten und sie zum Modernisieren freigeben. Der SPS-Leitrechner blieb zunächst aus Redundanzgründen erhalten, um bei der Inbetriebnahme des LogOS-Systems, die üblicherweise mit Unterbrechungen einhergeht, auf ihn zurückschalten zu können. Schließlich hat die Verfügbarkeit der Fahrzeuge höchste Priorität. Sobald der MLR-Leitrechner stabil arbeitete, wurden die beiden Nachbau-Geräte in die Anlage integriert, um auf dem gleichen, 1 366 m langen, Parcours, mitzuarbeiten. KONTINUIERLICHER AUSTAUSCH Derzeit gibt es bei Elsa einen Mischbetrieb. Das heißt: Alte und modernisierte Fahrerlose Fahrzeuge arbeiten parallel. Immer dann, wenn ein erneuertes Fahrzeug in die Schweiz geliefert wird, nimmt der Spediteur ein altes Fahrzeug zum Umbau mit nach Deutschland. Das geschieht etwa alle drei Wochen. „Wird ein umgerüstetes Fahrerloses Transportfahrzeug morgens um 8 Uhr angeliefert, arbeitet es bereits gegen 12 Uhr im System mit“, freut sich Bigler. Das Reengineering und die Inbetriebnahme eines Geräts dauern rund neun Wochen. Dazu werden die mechanischen, elektrischen und elektronischen Komponenten demontiert und geprüft sowie die Antriebseinheiten mit Reglern, Lasernavigation und Fahrzeugrechner neu aufgebaut. Ein Merkmal der auf den neuesten Stand der Technik gebrachten Fahrzeuge ist das Energiekonzept. Bigler: „Bislang waren die alten Fahrzeuge mit Bleibatterien bestückt. Das automatische Laden dieser Energieträger war ein Prozess, der acht Stunden dauerte. Waren alle Plätze zum Batterieladen besetzt, kamen Wechselbatterien zum Einsatz.“ Die Retrofit-Fahrzeuge haben hingegen eine Lithium-Ionen-Batterie an Bord. Diese sind schnellladefähig, verbleiben im Fahrzeug und werden über Deckenkontakte von sechs Ladegeräten automatisch geladen. Darüber hinaus haben sie ein geringeres Gewicht, können zwischenzeitlich nachgeladen werden, haben kurze Ladezeiten von ca. zwei Stunden und eine lange Lebensdauer. „Die oben liegenden Ladekontakte haben den Vorteil, dass sie nicht nur weniger Platz einnehmen, sondern auch sicherer sind als seitlich oder im Hallenboden angeordnete Kontakte“, verdeutlicht Bigler. Aufgrund des neuen Energiekonzepts würde den Mitarbeitern nicht nur der manuelle Batteriewechsel erspart bleiben. „In der Konsequenz führt auch die verringerte Ladezeit zu einer Leistungssteigerung der Anlage.“ Der Umbau des Fahrerlosen Transportsystems, der einem Eingriff „am offenen Herzen“ gleicht, soll im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Fotos: MLR System www.mlr.de 03 Jedes Fahrzeug verfügt über eine Eingabetastatur und eine Handsteuereinheit

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