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f+h fördern und heben 4/2021

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PRODUKTE UND SYSTEME

PRODUKTE UND SYSTEME GEBHARDT UND ETRA STELLEN INTRALOGISTISCHE WEICHEN RICHTUNG ZUKUNFT Der Onlinehandel boomt, gleichzeitig wachsen die Ansprüche der Kunden an die Handelslogistik in puncto Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Qualität und Kosten. Etra Oy, Anbieter technischer Produkte, industrieller Teile sowie von Zubehör und Services, begegnet diesen Herausforderungen mit der Erweiterung des Logistikzentrums in Hämeenlinna/Finnland. Gemeinsam mit der Gebhardt Intralogistics Group aus Sinsheim wurde eine Lösung realisiert, die dem Wachstum von Etra und den Kundenanforderungen gewachsen ist. Etra Oy ging 2007 aus der Fusion mehrerer lokaler Unternehmen hervor. Seitdem hat sich das Unternehmen mit aktuell 750 Mitarbeitern, davon 120 am Standort Hämeenlinna, als Spezialist für technischen Vertrieb in Finnland etabliert und bietet seinen Kunden ein umfassendes Angebot an Industrieprodukten und Dienstleistungen. Der zunehmende Onlinehandel führte in den vergangenen Jahren zu einem permanent steigenden Auftragsniveau. Um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, waren die Erweiterung und Optimierung der Lagerwirtschaft und der Intralogistikprozesse in Hämeenlinna unumgänglich. In der Vergangenheit war die Arbeit im Hämeenlinna Logistik Center vor allem durch ein manuell betriebenes Palettenlager gekennzeichnet, was nicht nur Auswirkungen auf die Pickrate hatte, sondern sich auch in der Qualität und Kosten pro Pick widerspiegelte. Gleichzeitig genügte die automatisierte Vertikalliftlösung nicht mehr allen Ansprüchen. SYSTEMLÖSUNG MUSS VIELFÄLTIGE ANFORDERUNGEN ERFÜLLEN Der Betreiber suchte daher nach einer Lösung, die es ermöglicht, die Pickrate zu steigern, die Fehlerquote zu verringern und die sich flexibel an zukünftige Aufgaben anpassen lässt. Sprich, die Implementierung eines zukunftsfähigen und effizienten Förderund Kommissioniersystems. „Nach unserem ersten gemeinsamen Projekt im Jahre 2011, haben wir uns auch für die Erweiterung und Optimierung der Prozesse in Hämeenlinna für die Gebhardt Intralogistics Group entschieden. Überzeugt hat uns das schlüssige Konzept, die stets vertrauensvolle, partnerschaftliche und flexible Zusammenarbeit“, erläutert Pekka Pöntiö, Leiter der Logistik bei Etra Oy. Gebhardt konzipierte und entwickelte eine Systemlösung, die einen hohen Wirkungsgrad, eine dauerhafte Betriebssicherheit und Erweiterbarkeit versprach. „Unsere Lösung zeichnet sich durch eine hochdynamische Kommissionierung, eine automatische Zusammenführung von Teilaufträgen und die Konsolidierung zweier unabhängiger Automatischer Kleinteilelager unter einem externen Warehouse Management System aus“, so Johannes Schrade, Vertrieb International bei Gebhardt. Täglich kommen mehrere Lkw-Ladungen mit Waren in Hämeenlinna an. Die Mitarbeiter im zentralen Wareneingang vereinzeln die angelieferte Ware. Hier wird entschieden, ob die Güter in der Vertikalliftlösung oder im neuen AKL bevorratet werden sollen. Für das Handling per Regalbediengerät werden die Güter in Quellbehälter des Formats 800 × 600 × 420 oder 400 × 600 × 270 mm verpackt und im Lagerverwaltungssystem registriert. Anschließend übergeben die Mitarbeiter die bis zu 50 kg schweren Behälter an die Fördertechnik, mit deren Hilfe die Waren mit bis zu 0,8 m/s in die Vorzone des definierten Kleinteilelagers gelangt. Die in die Förderstrecke integrierte Qualitätskontrolle prüft vor der Einlagerung ins neue AKL die Behälter auf Überlast bzw. Überhöhe. Über den Fördertechnik-Loop findet parallel die Andienung neuer Leerbehälter statt. Das 4-gassige AKL bietet auf einer Fläche von ca. 1 500 m2 in 22, 24, 30 und 34 Ebenen eine Stellplatzkapazität von 49 500 Behältern. Ausgeführt für die doppelttiefe Lagerung übernehmen in zwei der vier Gassen je ein Gebhardt-Regalbediengerät Cheetah eco und in den anderen beiden Gassen jeweils fünf übereinander angeordnete Gebhardt Storebiter Multi-Level-Shuttle (MLS) das Handling der Ladungsträger. Mit dem Regalbediengerät nutzt Etra alle Vorteile einer energieeffizienten Arbeitsweise bei gleichbleibender Belastbarkeit des Geräts und geringem Wartungsaufwand und profitiert von ei- 18 f+h 2021/04 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME Artikeln des neuen Lagers zusammensetzen, werden unmittelbar nach der Kommissionierung den Mitarbeitern im Verpackungsbereich zugeführt und für den Versand an den Kunden oder eines der Etra-Servicecenter vorbereitet. Die Bearbeitung der Aufträge mit Waren aus dem alten AKL verlaufen nach dem gleichen Prinzip. Teilaufträge, d. h. solche, die Artikel aus beiden Lagern umfassen, werden hingegen bis zur vollständigen Zusammenstellung der Ware zwischengepuffert und erst nach der Komplettierung an einen der sechs Packplätze weitergeleitet. Schrade: „Aufgrund der Größe des Pufferlagers muss genau definiert und gesteuert werden, wann welcher Teilauftrag kommissioniert, konsolidiert und verpackt wird, um die Leistung des Systems optimal zu nutzen. Dies war eine Herausforderung, die wir mithilfe einer intelligenten Steuerung und einer optimalen Interaktion mit dem WMS lösen konnten.“ Der Logistikprozess wird von der Warehouse-Management- Software Supics-L8 von S&P gesteuert. Die Software interagiert dabei nahtlos mit der Anlagensteuerung von Gebhardt und liefert online und in Echtzeit Daten u. a. zur Steuerung und Scannerstatistiken. Darüber hinaus lassen sich mithilfe des Software-Cockpits jederzeit präzise Informationen über z. B. Füllstand, Ein- und Auslagerungen beider AKLs sowie alle offenen und abgeschlossenen Aufträge pro Tag abrufen. ner hohen Umschlagsleistung, Verfügbarkeit und einem verbesserten Raumnutzungsgrad. Das Shuttlelagersystem Storebiter MLS kann mehrere Ebenen mithilfe der integrierten Hubfunktion bedienen. Auf diese Weise wurde bei Etra ein hochdynamischer Zugriff auf ein- und auszulagernde Ware implementiert, der eine höhere Umschlagsleistung als klassische AKL-Lösungen bietet. Die modulare Bauweise der Kanalfahrstrecken schafft ferner die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Erweiterung des Lagersystems. VON KOMMISSIONIERUNG ÜBER KONSOLIDIERUNG BIS ZUM VERSAND Die Kommissionierung aus dem neuen AKL geschieht nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ an sechs Arbeitsplätzen. Unterstützt durch das Gebhardt Pick-to-Light (PTL)-System wird der benötigte Artikel aus dem Quellbehälter entnommen und in die bereitgestellten Auftragswannen gelegt. Lichtsignale direkt am Arbeitsplatz zeigen an, wo die nächste Einheit kommissioniert werden soll und wie viele Artikel für die Entnahme vorgesehen sind. Anschließend bestätigt der Kommissionierer den Abschluss des Prozesses per Tastendruck, und die Anzeige erlischt. Mithilfe des PTL-Systems aus dem Hause Gebhardt sind die Kommissionierer bei Etra in der Lage bis zu 600 Auftragspositionen pro Stunde zu bearbeiten. Nachdem der Mitarbeiter den Auftrag quittiert hat, wird die Auftragswanne der Fördertechnik übergeben und in Richtung zentraler Verpackungsbereich abgezogen. An dieser Stelle kommt es zur Konsolidierung und zur Verpackung der Ware. Unterschieden wird dabei, ob ein Auftrag Artikel nur aus dem neuen AKL oder dem alten AKL enthält bzw. Artikel aus beiden Lagern umfasst. Aufträge, die sich ausschließlich aus GEMEINSAM RICHTUNG ZUKUNFT Die Lösung von Gebhardt zeichnet sich durch eine hohe Effizienz, Leistung sowie Flexibilität und Systemsicherheit aus. Mithilfe der Lager- und Materialflusstechnik aus Sinsheim kann das Personal in der Kommissionierung mehr Aufträge pro Stunde bearbeiten als in der Vergangenheit. Darüber hinaus wurden die Voraussetzungen für eine schnellere und effizientere Versandabwicklung bis hin zu Same-Day-Delivery geschaffen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Etra und Gebhardt auch in Zukunft zusammenarbeiten werden. Weitere Projekte sind bereits in Planung. Fotos: Gebhardt Intralogistics Group www.gebhardt-group.com An sechs Arbeitsplätzen wird nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ unterstützt durch das Gebhardt Pick-to-Light-System kommissioniert www.foerdern-und-heben.de f+h 2021/04 19

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