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f+h fördern und heben 5/2021

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f+h fördern und heben 5/2021

PERSPEKTIVEN DYNAMISCHE

PERSPEKTIVEN DYNAMISCHE ROUTENZÜGE: WARUM GETAKTET, WENN’S AUCH NACH BEDARF GEHT? Schneller und individueller – aber bitte kostengünstig! Dieser Anforderung müssen viele Unternehmen gerecht werden. Vor allem die Intralogistik ist von der Massenindividualisierung und kürzeren Produktzyklen betroffen. Denn je stärker ein Produktprogramm schwankt, desto schwieriger gestaltet sich die Materialversorgung. Der Wunsch nach mehr Kontrolle und Effizienz in der Intralogistik ist groß. Um Materialflüsse transparent zu machen und zu optimieren, wird vielfach ein getakteter Routenzug eingesetzt. Getaktete Routenzüge sind i. d. R. einfach zu steuern. Wenn dann die ersten getakteten Routenzüge im Einsatz sind, stoßen etliche Unternehmen dennoch wieder an ihre Grenzen. Die Erfahrung zeigt, dass bei vielen Unternehmen die Routenzüge schlecht ausgelastet sind. Und jeder schlecht eingesetzte Routenzug ist ein großer Kostenfaktor. Um alle Bedarfe bedienen zu können, gehen viele Unternehmen auf Nummer sicher und halten einen Routenzug inklusive Fahrer als Back-up vor. Darüber hinaus werden allzu oft die Abfahrtszeitpunkte gar nicht oder auf „gut Glück“ geplant. Demzufolge kann es dazu kommen, dass sich Fahrzeuge gegenseitig behindern und generell der Überblick über die tatsächlichen Bedarfe fehlt. Das muss nicht sein! Mit dynamischen Routenzügen werden Sie „Herr der Lage“. WARUM DYNAMISCHE ROUTENZÜGE? Statt den Routenzug getaktet nach einem fixen Muster fahren zu lassen, wird der dynamische Routenzug auf Basis der anfallenden Transportaufträge bzw. Bedarfe losgeschickt. Der Bedarf be- stimmt also Route und Abfahrtszeitpunkt und nicht der Takt. Bei größeren Schwankungen im Tages- oder Wochenablauf ist eine dynamische Routenzugsteuerung sinnvoll, da sich so flexibel auf veränderte Bedarfe reagieren lässt oder sich Volumenschwankungen im Warenbestand einfach ausgleichen lassen. Und dies bei gleichzeitig hoher Auslastung der Routenzüge. Des Weiteren kann mit dynamischen Routenzügen schnell und adäquat auf Änderungen im Produktionsprogramm reagiert werden. Doch wie wird ein dynamischer Routenzug in der Praxis geplant und umgesetzt? IN SCHRITTEN ZUM DYNAMISCHEN ROUTENZUG Der Ablauf steht exemplarisch für die Neuplanung von dynamischen Routenzügen. Mit den gleichen Schritten kann auch ein bereits bestehender getakteter Routenzug durch einen dynamischen ersetzt werden. Dazu werden beide Szenarien aufgebaut und anhand von Kennzahlen miteinander verglichen. Das bessere Szenario gewinnt! Helfen können dabei digitale Werkzeuge wie die Software Ipolog, die eine schnelle Planung inklusive 3D-Visualisierung und Validierung mithilfe der Simulation ermöglicht. 26 f+h 2021/05 www.foerdern-und-heben.de

PERSPEKTIVEN 01 Auswertung dynamische Transportplanung: Transportmittelbedarf im Zeitverlauf 02 Simulation Streckenplanung: Transportmittelsimulation und Streckenbelastung Ressourcen: Welche Ressourcen will ich überhaupt einsetzen? Zuerst wird definiert, welche Routenzüge und Trailer in Zukunft eingesetzt werden sollen. Außerdem muss bestimmt werden, welche Ladungsträger genutzt werden sollen, da Größe und Gewicht eine zentrale Rolle bei der Planung der Routenzüge spielen. Kennt ein Planer diese Stellgrößen, lässt sich der Routenzug passgenau gestalten. Prozesse: Welche Prozesse legen die Basis für den Materialfluss? Um einen Routenzug ideal auszulasten und dynamisch zu steuern, müssen die Prozesszeiten und Abläufe bekannt sein. Wie die Prozesse erfasst oder dokumentiert werden, ist dabei erst einmal zweitrangig. Gängige Methoden sind z. B. MTM oder Refa. Aus den vorab definierten Ressourcen und den Prozessbausteinen wird ein erster Standard-Materialfluss erstellt. Layout und Wegenetz (Streckennetz): Wie sieht die räumliche Situation vor Ort aus? Falls nicht schon vorhanden, muss ein Layout der Halle mit Materialflächen, baulichen Bedingungen z.B. Säulen und Wegen erstellt werden. Auf Basis dieses Layouts werden Haltepunkte, Zugangspunkte, Richtungen und Steigungen bestimmt und so das Wegenetz festgehalten. Sind noch keine Layoutdaten vorhanden, hilft ein einfacher Scan der Fabrikhalle. Aufträge (Logistisches Mengengerüst): Welche Teile werden im Materialfluss bewegt? Im Herzstück der Planung – dem logistischen Mengengerüst – werden Informationen zu den Artikeln in der Fabrik vereint. In Kombination mit den Teilebedarfen oder mithilfe eines konkreten Produktionsprogramms lässt sich der Materialfluss simulieren und die Anzahl an Routenzügen berechnen. In der Software Ipolog wird im Rahmen der dynamischen Transportmittelplanung im Zeitverlauf angezeigt, wie viele Routenzüge wann genau gebraucht werden. Klassischerweise nutzen die meisten Unternehmen für ihre Logistik-Planung Excel und Powerpoint – teilweise unterstützt durch CAD oder Visio. Dass ein Routenzug bei schwankenden Werten mit diesen Hilfsmitteln nur schwer abzubilden ist, ist kein Geheimnis. Der Aufwand und die Fehleranfälligkeit aufgrund der ständig anzupassenden und zu aktualisierenden Dateien ist beträchtlich. Bei der Betrachtung dynamischer Routenzüge wird dieser Sachverhalt verschärft. Der Einsatz von digitaler Planungssoftware ist daher unerlässlich. Diese kann automatisiert numerische Daten verarbeiten, bringt Layout und Prozesse zusammen und simuliert Szenarien. Und dies nicht erst im Nachgang, sondern während des Planungsprozesses. So wird im Vorfeld sichergestellt, dass sich der Einsatz eines dynamischen Routenzug-Systems lohnt. ANALYSE UND OPTIMIERUNG DYNAMISCHER ROUTENZÜGE Da die Berechnung einzelner Touren bei einem dynamischen Routenzug individuell stattfindet, ist hierfür keine gesonderte Optimierung erforderlich. Veränderungen im Materialflusslayout, neue Produkte oder neue Routenzugtechnologien, führen aber dazu, dass die Strecken regelmäßig angepasst werden müssen. Kennzahlen, z. B. der Auslastungsgrad der Routenzüge, ermöglichen dabei die Analyse und schrittweise Optimierung der Routen. Für jedes Szenario sollten dabei mehrere Kennzahlen berechnet und interpretiert werden. In der Software Ipolog lassen sich die simulierten Szenarien direkt über ein KPI Dashboard vergleichen. Werden Parameter daraufhin geändert, wird in der Software die Simulation und die dazugehörigen Kennzahlen auf Knopfdruck neu berechnet. Bei der Optimierung von Routenzügen sollte auch ein Blick auf die Streckenbelastung geworfen werden. In Ipolog können mithilfe einer Heatmap stark frequentierte Strecken identifiziert und optimiert werden. Eine Visualisierung in 3D schafft die Voraussetzungen dafür, Fehlplanungen frühzeitig zu erkennen. Auch einzelne Prozessschritte des dynamischen Routenzugs sollten im Detail betrachtet und ggf. optimiert werden. In Zuge der Prozessplanung in Ipolog werden in einer Übersicht einzelne Tätigkeiten wie Be- und Entladen sowie Leerfahrten und Fahrten über den Zeitverlauf hinweg angezeigt. Benötigte Transportmittel lassen sich dann anhand ihrer Prozesszeiten, Leerfahrten und Bedarfe je Schicht auswerten und optimieren. Die Simulation verschiedener Szenarien und deren Bewertung anhand der richtigen Kennzahlen ist das A und O bei der Einführung dynamischer Routenzüge. Mit den richtigen Hilfsmitteln lassen sich iterativ Layout und Prozesse so weit optimieren – bis alles passt. Fotos: Ipolog www.ipolog.ai DER BEDARF SOLLTE DIE ROUTE UND DEN ABFAHRTSZEITPUNKT EINES ROUTENZUGS BESTIMMEN UND NICHT DER TAKT www.foerdern-und-heben.de f+h 2021/05 27

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