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f+h fördern und heben 5/2021

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f+h fördern und heben 5/2021

KRANE SICHER BEDIENEN

KRANE SICHER BEDIENEN – FACHGERECHTE QUALIFIKATION IST UNERLÄSSLICH Die Becker Hebesysteme GmbH ist seit 30 Jahren bei der Sicherheitsberatung und seit vier Jahren verstärkt für die Ausbildung im Kranbetrieb sowie bei Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen für Krane und Hebezeuge tätig. Aktuell wollen die Sachverständigen auch einen Zusammenhang aufzeigen, zwischen dem derzeitigen Unfallgeschehen und dem vor dem Hintergrund der Pandemie-Situation auf „Sparflamme“ gestellten Aufwand bei Unterweisungen und der Sicherheitsausbildung. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Burkard Becker und Dorothee Kunzmann von der Becker Hebesysteme GmbH – Sachverständigenbüro mit dem Thema „Sicheres Kranfahren“. In diesem Bereich bieten sie als Dienstleister den in den Unternehmen verantwortlichen Personen eine fachkundige Beratung rund um das Bewegen von Lasten mithilfe von Krananlagen an. Oftmals kommen Gespräche in Folge von „Beinahe-Unfällen“ zustande. In der Regel beginnt das Beratungsgespräch mit einer gemeinsamen Betriebsbegehung mit den Verantwortlichen, bei dem die einzelnen Aufgabenstellungen und Schwierigkeiten beim Umgang mit den vorhandenen Krananlagen sowie den eingesetzten Anschlag- und Lastaufnahmemitteln erörtert werden. Im Falle von Beinahe-Unfällen wird gemeinsam rekonstruiert, wie es zu den Gefahrensituationen kommen konnte. Zu 95 Prozent zeichnet sich in diesen Gesprächen bereits ab, dass viele der Verantwortlichen die Gefahren durch den Istzustand der eingesetzten Arbeitsmittel unterschätzen. „Auf vorhandenen Mängel angesprochen stellen wir immer wieder fest: Manchen Betreibern ist überhaupt nicht bewusst, dass alle Lastaufnahmeeinrichtungen genauso wie die Krananlage selbst, mindestens einmal innerhalb von zwölf Monaten durch eine Sachkundige Person geprüft werden müssen“, so die Sachverständigen Becker und Kunzmann. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf die DGUV Regel 100-500 Kapitel 2.8 „Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“ (Inhalt aus ehemaligen VBG 9a). In 90 Prozent aller Fälle hätten die Vorgesetzten und Verantwortlichen selbst keine oder nur begrenzte Kenntnis der gesetzlichen Anforderungen, ihrer eigenen Verantwortung sowie der daraus entstehenden Haftung. Becker: „Als Gutachter für Unfälle an Kranen und Hebezeugen werden wir immer wieder mit maroden Lastaufnahme- und Anschlagmitteln konfrontiert. Der leichtsinnige und unbedachte Umgang mit ihnen ist häufig die Ursache für Unfälle, die auch tödlich enden können.“ 32 f+h 2021/05 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME UNWISSENHEIT SCHÜTZT VOR STRAFE NICHT Kommt es zu einem Unfallgeschehen, werden die für die Unfallaufnahme und Bearbeitung zuständigen Beauftragten (Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft, Sachverständiger oder/und Fachgutachter sowie Staatsanwalt) i. d. R. folgende Fragen stellen: ■ Ist oder war der Bediener für die Tätigkeit beauftragt? (DGUV Grundsatz 309-003 _ 6.1 + 6.2) ■ Gibt es für diese Tätigkeit eine Gefährdungsbeurteilung? (BetrSiV §3 1-3 + §4 1+2) ■ Wurde der Bediener im Umgang mit dem Kransystem umfassend und ausreichend unterwiesen? (Ausbildung zum Kranführerschein gemäß DGUV G 309-003 und DGUV V 52 Krane, sowie die jährliche Unterweisung gemäß DGUV V 1, §4 / Unterweisung der Versicherten) ■ Hat der Bediener Kenntnis der mit dem Unfall zusammenhängenden einschlägigen Vorschriften gemäß BetrSiV §12? (DGUV Vorschrift 52 für Krane, Betriebsanleitungen des Krans und der Lastaufnahmemittel und den Betriebsanweisungen des Unternehmers) ■ Wurde der Bediener ausreichend in die zum Unfall führende Tätigkeit eingewiesen? 01 Können all diese Fragen nicht ausnahmslos mit „ja“ beantwortet werden, können der oder die Verantwortlichen, je nach der Schwere des Vorwurfs, zu einer Teilschuld oder gar zu Regressansprüchen herangezogen werden. BERICHTE AUS DEM KRANFÜHRERALLTAG LASSEN AUFHORCHEN Im Rahmen der Kranführerunterweisungen respektive der Ausbildung von Kranführern und Anschlägern bei Becker Hebesysteme werden den Teilnehmer zum Einstieg in die Materie zunächst folgende Fragen gestellt: Gibt es bereits Erfahrungen im Umgang 01 Ungeprüftes Lastaufnahmemittel der Marke „Eigenbau“ 02 Keine bestimmungsgemäße Verwendung der Krananlage: Lastkette im Schnürgang 02 Arbeitssicherheit verlangt Wissen Seit über 40 Jahren erprobtes Schulungsmaterial macht's richtig! www.resch-verlag.com mit Krananlagen? Hat ein Teilnehmer schon einen Arbeitsunfall im Zusammenhang mit dem Transport von Lasten erlebt respektive war bei einem Beinahe-Unfall beteiligt? Auf die erste Frage antworten viele Schulungsteilnehmer, dass sie bereits seit Jahren als Kranführer tätig sind. Einige der älteren Teilnehmer erklären mit Stolz, dass sie bereits seit mehr als 40 Jahren diese Aufgabe, auch ohne Kranführerschein, ausüben. Meist habe es nur eine kurze Einweisung gegeben („Hoch, runter, rechts, links, ist doch selbsterklärend“) und von einer Beauftragung sei ihnen auch meist nichts bekannt. Auf die Frage nach Erfahrungen mit Arbeitsunfällen wird in etwa jedem zweiten Seminar mit „ja“ geantwortet. Doch sind die Ereignisse, nach Aussagen der Teilnehmer, vielfach ohne physische Schäden für die Beteiligten abgegangen. Allerdings wurden die Vorgesetzten meistens nicht über die Geschehnisse inforwww.foerdern-und-heben.de f+h 2021/05 33

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